In Zeiten, in denen die Pandemie ihren Klammergriff verstärkt und wieder strengere gesellschaftliche Restriktionen notwendig sind, stellt sich sportlich gesehen unweigerlich die Frage: Wie lange kann sich der Amateurfußball im Freistaat noch des unliebsamen Gegenspielers namens Corona erwehren? Für den Fußball-Spielkreis Schweinfurt ist diese Frage seit Freitagvormittag beantwortet. Dort sind angesichts drastisch steigender Infektionszahlen alle Spiele unterhalb der Bezirksliga abgesagt.

Beim VfL Volkach hat die erneute Zwangspause auf die Stimmung gedrückt. Dessen Trainer Norbert Feidel hatte noch während der Woche die Sorge geäußert, dass die Saison wieder unterbrochen werden müsse, und erklärt: „Wir sollten das normale Leben nicht komplett runterfahren.“ Zu dieser „Normalität“ gehört für ihn eben auch die sportliche Betätigung. Ganz uneigennützig war Feidels Wunsch nicht, auch wenn er betont, dass es ihm vor allem darum gehe, die sozialen Bindungen, die eine Fußballmannschaft neben dem Sport auch ausmachen, nicht zu gefährden.

Schließlich gibt es in der Region kaum ein Team, bei dem es nach dem Neustart im September sportlich besser läuft. Alle zwölf möglichen Punkte hat der VfL seitdem in seinen vier Partien der Schweinfurter Kreisliga 1 erwischt. Dies ist umso bemerkenswerter, als die Mainschleifen-Kicker nach einer arg schwachen Hinrunde zur Winterpause noch auf dem unteren Relegationsrang der Tabelle rangierten.

„Wir stehen jetzt mit ganz anderer Körpersprache auf dem Platz, führen die Zweikämpfe viel aggressiver und haben durch die Erfolgsserie wieder Vertrauen in unsere Fähigkeiten gefunden“, beschreibt Feidel die positiven Effekte des Aufschwungs seiner Elf. Die war in der ersten Saisonhälfte irgendwie noch auf der Suche nach sich selbst und kam überhaupt nicht in die Gänge. Jetzt reitet sie plötzlich auf der Erfolgswelle, befindet sich im „Flow“, wie Feidel es nennt. Ein Phänomen, das der Trainer vor allem mit harter Arbeit erklärt.

Vier Stunden Training am Stück

Sofort nach Freigabe des Trainingsbetriebs habe man mit dem Üben in Kleingruppen begonnen und viel an den individuellen Fähigkeiten der Spieler gearbeitet. „Wir haben die einzelnen Gruppen zu unterschiedlichen Zeiten kommen lassen, so dass ich teilweise vier Stunden am Stück auf dem Trainingsplatz stand“, sagt Feidel über den damit verbundenen enormen Zeitaufwand. Zudem habe er immer wieder versucht, die Spieler mental aufzurichten und das Positive herauszustellen.

Eine Strategie, die ihre Wirkung offensichtlich nicht verfehlt hat und mit der Mannschaft und Trainer gerade mächtig Rendite einfahren. War der VfL bis vor wenigen Wochen akut vom Abstieg gefährdet, so hat er sich mittlerweile mehr als nur Luft verschafft und dank des jüngsten Siegeszuges ein Polster von zehn Punkten zur Gefahrenzone angehäuft. Zurücklehnen will sich Feidel deshalb aber noch nicht. „Die Abstiegsgefahr ist noch nicht gebannt“, schärft der Coach weiterhin die Sinne. Der Klassenerhalt bleibe vorrangige Aufgabe, wenngleich der Klub nun als weiteres Etappenziel die 40-Punkte-Marke ins Visier nehme.

Das Heimspiel am Wochenende gegen die DJK Schweinfurt ist zwar abgesagt. Aber der Spielplan sieht für dieses Jahr noch den neu geschaffenen Ligapokal vor. Der VfL trifft in seiner Vorrundengruppe auf die drei Landkreis-Rivalen Nordheim/Sommerach, Castell/Wiesenbronn und Abtswind II. „Wir nehmen den Wettbewerb auf jeden Fall ernst“, sagt Feidel. Priorität habe aber die Liga. Deshalb wird er im Pokal auch vermehrt Spielern der zweiten Reihe Einsatzzeit gewähren.

„Ich finde es wichtig, dass weiter in irgendeiner Weise ein Spielbetrieb stattfindet. Während der Pause hat der eine oder andere schon gemerkt, dass es ohne Fußball vielleicht auch ganz schön wäre. Wir müssen aufpassen, dass uns die Fußballer nicht weglaufen“, sagt der erfahrene Trainer. Die aktuelle Form des VfL Volkach auf dem Rasen ist dafür sicher nicht das schlechteste Mittel. Gegen den übermächtigen Gegner Corona wird aber auch die Mannschaft der Stunde im Zweifelsfall das Nachsehen haben.