Sportgericht muss sich mit dem Spielabbruch zwischen Türkiyemspor Schweinfurt und der SG Castell-Wiesenbronn beschäftigen.
Es waren bereits fast 90 Minuten gespielt, als die Begegnung in der Kreisklasse 2 Schweinfurt zwischen dem Türkiyemspor SV 12 Schweinfurt und der SG Castell/Wiesenbronn am vergangenen Sonntag abgebrochen wurde. Mit 1:0 hatten die Gastgeber seit der 13. Minute durch ein Tor von Bahattin Demirkan geführt. In der Schlussphase gerieten Spieler beider Mannschaften aneinander. Wenig später beendete Schiedsrichter Wilhelm Dinkel vorzeitig die Partie der beiden Mannschaften, die jenseits von Gut und Böse in der Tabelle stehen. Was der Auslöser war und wer letztlich der Schuldige ist, dazu haben beide Vereine eine jeweils etwas unterschiedliche Version.
Von Castell/Wiesenbronner Seite beschrieb der zweite Vorstand Jochen Bäuerlein das Ganze in einer Stellungnahme so: Bis zur zweiten Trinkpause sei das Spiel „ohne gröbere Fouls und mit nur einer Gelben Karte“ auf beiden Seiten verlaufen. In der 80. Minute habe es ein Foulspiel an Türkiyemspor-Spielführer Bahattin Demirkan gegeben, das geahndet wurde. Der Gefoulte sei darauf hin mehreren Castellern hinterher gelaufen und habe ihnen mit Schlägen gedroht. Vier Minuten später habe der Unparteiische das Spiel unterbrochen, um mit beiden Spielführern zu reden.
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In Minute 88 habe SG-Spieler Tobias Gnebner seinen Gegner Murat Akgüen im Strafraum von Türkiyemsport gefoult, was Schiedsrichter Dinkel mit einem Freistoß ahndete. Nun folgt der Teil, bei dem die Wahrnehmungen beider Mannschaften auseinander gehen. Auf Seiten der SG heißt es, dass Türkiyemspor-Spielertrainer Murat Akgüen im Rücken des Schiedsrichters dem gegnerischen Spieler Tobias Gnebner hinterher gelaufen sei, ihn geschubst und mit dem Fuß in die Beine getreten habe. Daraufhin sei Gnebner zu Boden gegangen, der Schiedsrichter habe die Partie unterbrochen und die Rote Karte gezogen. Sofort hätten darauf Spieler von Türkiyemspor den Schiedsrichter umringt, der so keine Strafe aussprechen konnte und das Spielfeld deshalb verlassen habe.
In der Folge verweilten die Castell-Wiesenbronner Spieler auf dem Spielfeld, Akgün habe sie noch einmal beschimpft. „Für uns kam nach diesen Vorfällen keine Weiterführung des Spiels in Frage, da die Sicherheit der Mannschaft durch die gefallenen Bedrohungen gefährdet war“, schriebt Bäuerlein. Platzordner seien nicht zugegen gewesen, also habe man das Spielfeld verlassen.
Yusuf Ülgpül, zweiter Vorstand des Türkiyemspor Schweinfurt, schildert seine Sicht der Dinge. Immerhin sind sich beide Seiten einig, dass es ein Foul an Akgüen gegeben habe.
Nach dieser Szene, wie auch im gesamten Spiel zuvor, hätten sich die beiden Spieler Bahattin Demirkan und Tobias Gnebner gestritten. Türkiyemspor-Spielertrainer Akgüen wollte daraufhin Demirkan auswechseln. Dieser sei beim Verlassen des Spielfeldes von Gästespielern beleidigt worden. Später habe sich Gnebner einfach zu Boden geworfen und so getan, als habe ihn jemand geschlagen. Das sei hinter dem Rücken des Schiedsrichters geschehen, der daraufhin sagte, er breche die Partie ab. Eine Rote Karte für irgendeinen Spieler habe es nicht gegeben, weil der Unparteiische die umstrittene Situation nicht wirklich gesehen habe.
In der Folge habe er, so Ülgül, auf den Schiedsrichter eingeredet und ihn gebeten, doch noch die restlichen zwei Minuten auszutragen. Schließlich habe man nun den Spieler, der die Probleme verursacht habe, ausgewechselt. Der Schiedsrichter habe sich einverstanden mit der Fortsetzung gezeigt und beide Spielführer an die Mittellinie gebeten, um mit ihnen zu reden. „Daraufhin kam ein Casteller Verantwortlicher und sagte: „Nein, wir spielen nicht weiter.“