Das große Favoritensterben

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„Glücklich und ein wenig stolz“, war Udo Braun, Trainer der TSV Nordheim/Sommerach (in Weiß), dass sein Team zur Bezirksmeisterschaft nach Aschaffenburg fahren darf ...
Foto: Guido Chuleck
Da nutzten alle Verrenkungen nichts: Der FC Geesdorf schied bei der Kreismeistersschaft in Schweinfurt schon nach der Vorrunde aus.
Foto: Chuleck

Geesdorf und Schweinfurt nach Vorrunde raus. Finalspiel der Kreismeisterschaft vor Geisterkulisse.

Es war nicht unbedingt der Tag der Favoriten. Bei der Futsal-Meisterschaft des Kreises Schweinfurt siegte mit den Sportfreunden Steinbach ein Kreisligist aus dem äußersten Osten Unterfrankens. Ferner qualifizierten sich mit dem zweitplatzierten TSV Nordheim/Sommerach sowie der SG Oberschwarzach/Wiebelsberg auf Rang drei zwei weitere Teams für die Bezirksmeisterschaft am Samstag, 20. Januar, in Aschaffenburg, die zuvor nicht alle auf dem Zettel gehabt hatten. Nur knapp verpasste die DJK Altbessingen das Weiterkommen, nachdem der Kreisligist das Spiel um Platz drei gegen Oberschwarzach/Wiebelsberg mit 1:3 verloren hatte.

Sieben Punkte nach vier Spielen

„Endstation Vorrunde“ hieß es hingegen für den Titelverteidiger FC Geesdorf. Sieben Punkte nach vier Gruppenspielen waren zu wenig für den Bezirksligisten, ein 0:0 gegen den späteren Sieger Steinbach sowie das 1:2 gegen Oberschwarzach kosteten das Team um Spielertrainer Hasan Rhmeithi den Einzug ins Halbfinale. Dieses Spiel war eines der am meisten umkämpften des gesamten Turniers. Die SG-Führung glich der FC noch aus, aber in den letzten Sekunden der letzten Spielminute glückte der SG der Siegtreffer. „Das war ein Drei-Phasen-Spiel“, so Rhmeithi, „zwei gute, davon eine wegen des Ausgleichs, und eine nicht so gute am Ende.

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“ Er hatte, wie er zugab, auf die „falsche Variante“ gesetzt, nämlich den unbedingten Sieg. „Wir hätten das 1:1 ruhig zu Ende spielen müssen und wären damit weiter gewesen“, sagt er, „aber dann standen wir viel zu hoch, und die machen das Ding rein.“

"Glücklich und stolz"

Dass der TSV Nordheim/Sommerach nach Aschaffenburg fahren darf, „das macht mich glücklich und ein wenig stolz“, sagt Trainer Udo Braun. Waren seine Spieler früher in Turnieren immer zeitig ausgeschieden, so zeigten sie sich in Schweinfurt sehr stabil und ließen „sich auch durch blöde Gegentore nicht aus dem Konzept bringen.“ In der Vorrunde stellte das Team mit Siegen gegen die FT Schweinfurt und den TSV Gochsheim die Weichen fürs Halbfinale, in dem es dem Bezirksligisten SG Oberschwarzach/Wiebelsberg die Stirn geboten und das Sechs-Meter-Schießen für sich entschieden hatte.

Dabei stand das Bezirksfinale gar nicht auf dem Zettel von Braun: „Wir wollen seriös und sauber spielen, waren anfangs etwas zu naiv, haben uns dann aber gesteigert und gegen gute und starke Gegner gewonnen.“ Mit der mittlerweile gereiften Truppe („Wir haben viel dazugelernt“) dürfte es ihm im Bezirksfinale auch nicht Bange vor Gegnern wie Bayernligist FC Sand sein.

Bei den Freien Turnern war die Enttäuschung über das Ausscheiden groß. Mit einer gehörigen Portion Sarkasmus „lobte“ Trainer Adrian Gahn seine Spieler: „Wir waren gute Gastgeber und haben fleißig Punkte an die Gäste verschenkt.“ Trauriger Höhepunkt war das 0:1 gegen den TSV Gochsheim, mit dem sich die FTS endgültig aus dem Turnier verabschiedete. Auf der Gegenseite gab Ralf Habl, Betreuer der Gochsheimer, mit diesem Sieg an. „Vorige Woche hat unsere Erste gegen die FTS verloren, jetzt gewinnt hier die Zweite – ein sehr schönes Gefühl und eine kleine Genugtuung“, freute sich Habl diebisch über den einzigen TSV-Sieg.

"Etwas enttäuscht"

Obwohl es für die SG Oberschwarzach/Wiebelsberg nach Aschaffenburg fährt, war Spielertrainer Simon Müller „doch etwas enttäuscht“. Es hatte in einem spannenden Halbfinale gegen den TSV Nordheim/Sommerach nicht gereicht, dem 0:0 in regulärer Spielzeit folgte das Sechsmeter-Schießen. Das ging mit 2:1 an den TSV, auch dank dessen Torhüter, der zwei Sechsmeter pariert hatte. Im Spiel um Platz drei bezwang die SGO dann allerdings das Überraschungsteam aus Altbessingen, das als einziges verlustpunktfrei ins Halbfinale eingezogen war, dort aber ebenso unterlag wie später im Spiel um Platz drei.

Irgendwie sind schließlich die Sportfreunde Steinbach ein „Turniersieger wider Willen“ geworden. Zumindest, wenn man den Worten des Spielertrainers Stefan Seufert Glauben schenken kann. Klar wollen Fußballer, wenn sie antreten, so viel Spiele wie möglich gewinnen, sagte er. Und das Finale gegen Nordheim/Sommerach gehörte zu einem der besten Spiele des Turniers. Steinbach war dem TSV auf 3:1 davon gezogen, der Anschluss kurz vor Schluss zum 2:3 reichte aber nicht mehr, den Pokal nahmen die Sportfreunde mit. Auf Seufert und sein Team kommt nun die „Wahnsinnsfahrt“ zur Bezirksmeisterschaft zu.

„Es passt mir gar nicht, nach Aschaffenburg fahren zu müssen. Wir haben Winterpause, und da haben wir alles andere zu tun“, so der Trainer. Dennoch werden die Sportfreunde antreten.

Vielleicht sind in Aschaffenburg ein paar Zuschauer mehr in der Halle. Nach dem Ende der Vorrunde leerten sich die Tribünen schnell, ihre Finalspiele trugen die Fußballer vor einer Geisterkulisse aus. Als einziges Team fuhr A-Klassist SSV Gädheim mit vier Niederlagen im Gepäck heim.