Der Gewinner des Tages sieht ein bisschen schlapp aus. Kein Wunder: Eine böse Erkältung plagt Reinhard Schweser. Doch gestern vergaß der Sulzfelder seinen Husten und Schnupfen zumindest für einige Zeit. Der 44-jährige Steuerfach-angestellte, der in seiner Freizeit gern auf die Jagd geht, hatte quasi ein Glücksschwein erlegt.

Hören und hoffen

Von A wie Autoreparatur bis Z wie Zahnarztkosten: Der Radiosender "Antenne Bayern" wirbt derzeit damit, dass er Rechnungen für seine Hörer bezahlt. Die Aktion kam Reinhard Schweser zu Ohren - und so schickte er dem Sender einen Beleg über 960 Euro, die er einem Landwirt für Schäden durch Wildsäue zu zahlen hatte. "Sobald man die Rechnung eingereicht hat, muss man nur noch Radio hören - und hoffen, dass der eigene Name im laufenden Programm genannt wird", erklärt der Sulzfelder.
"Wenn man daraufhin sofort im Studio anruft, zahlt der Sender das Geld."

Kurz nach 7 Uhr saß Schweser gestern in Sulzfeld an seinem Frühstückstisch, als er plötzlich realisierte: "Der Moderator meint mich!" Er blieb ganz cool, wählte die richtige Nummer in Ismaning - und darf sich nun freuen, dass der Wildschaden sein Jagdkonto nicht mehr belastet.

"Während ich mit den Leuten von Antenne Bayern gesprochen hab', haben alle möglichen Familienmitglieder und Freunde bei mir daheim angerufen. Sie alle wollten sichergehen, dass ich meine Chance auch ja nicht verpasse", erzählt der Waidmann und stahlt dabei übers ganze Gesicht.

Ob er aufgeregt war? "Dazu war gar keine Zeit. Die haben meinen Anruf gleich aufgezeichnet und ein paar Minuten später gesendet." Seltsam sei es allerdings gewesen, die eigene Stimme im Radio zu hören. "Ich war ganz erstaunt, dass ich mich gar nicht so blöd anhöre wie ich immer gedacht habe."

"Eigentlich kein Glückskind"

Und er konnte gleich noch mit einem weiteren Vorurteil aufräumen: "Eigentlich war ich nie ein Glückskind. Vielleicht habe ich mal fünf Euro oder auch mal acht Euro im Lotto gewonnen. Aber das war´s dann auch."
Diesmal aber sind es knapp Tausend Euro. "Super!", kommentiert auch Reinhard Schwesers 16-jährige Tochter Annalena den unerwarteten Geldsegen.

Dieser ist indirekt denen zu verdanken, die zunächst den Schaden verursacht haben: den Wildsäuen im Dornheimer Revier, das Reinhard Schweser zusammen mit seinem Bruder gepachtet hat. "Wenn Wildtiere auf Feldern oder Wiesen Unheil anrichten, sind wir Jäger verpflichtet, dem Landwirt Schadensersatz zu leisten", erklärt der Sulzfelder. "Es ist schwer, solche Schäden zu vermeiden, da man sich ja kaum 24 Stunden am Tag auf die Lauer legen kann." So griff der Jäger im Herbst, nachdem die Säue sich an Weizen und Mais gütlich getan hatten, tief in die Tasche.

"Wir Jäger wollen keinen Ärger mit den Land- und Forstwirten haben, sondern solche Sachen immer kameradschaftlich abhandeln." Mit der Rechnung für den letzten Schadensfall versuchte der Sulzfelder nun sein Glück bei der Radio-Aktion - und promt zog Morgenmoderator Wolfgang Leikermoser den eingereichten Beleg des Jägers. Dieser freute sich auch Stunden später - trotz Grippe - noch sehr: "So kann´s weitergehen", meinte er schmunzelnd. "Ich muss gleich mal Lotto spielen."