Öffentliche Bauten auf privatem Grund – das geht oft nicht allzu lange gut. Eine "Drossel" und ein Regenrückhaltekanal auf dem Gelände der Familie Wagner in Michelfeld waren das Ziel des Marktstefter Stadtrats am Dienstagabend, um eben solche Probleme gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Es war wohl im Jahr 1977, Flurbereinigung in Michelfeld, als zum Abführen des Kanalwassers ein größerer Regenüberlauf gebraucht wurde. Denn bei Starkregenereignissen sollte das Oberflächenwasser erst einmal zurückgehalten werden, um die Kläranlage nicht zu überfluten.

Die Idee damals: Ein großer Kanal mit 1,80 Metern Durchmesser und einer Länge von rund 30 Metern sollte eben dieses Wasser sammeln und über ein gesondertes Bauwerk, eine „Drossel“ nach dem Regen nach und nach in die Kläranlage ablassen. Sollte es so stark regnen, dass der Sammler das Wasser nicht fassen kann, wurde etliche Meter weiter, auf einem anderen Privatgrundstück, ein Überlauf in den nahe fließenden Bach gebaut.

Regelmäßige Wartung und Starkregenereignisse

Beide Bauwerke gehören natürlich zur öffentlichen Wasserentsorgung, müssen regelmäßig gewartet und zusätzlich nach Starkregenereignissen kontrolliert werden. Dazu müssen städtische Mitarbeiter immer wieder Privatgrund betreten, notfalls auch mit größerem Gerät, falls die Anlage gespült werden muss. Dafür sind keine Regeln festgelegt: Weder gibt es eine Grunddienstbarkeit für die Anlage, noch ist geklärt, wer, wann und wie das Grundstück betreten werden darf.

„Die Drossel springt an, wenn es mehr als 20 Liter pro Stunde regnet“, sagte Grundeigner Ralf Wager und das passiere im Schnitt zwei Mal im Jahr. Muss die Stadt mit Gerät anrücken, dann gibt es einen Feldweg, der allerdings rund um einen Acker und am Bach entlang führt – nach einem Regen fast nicht befahrbar. Klar war. Das alles braucht einen Vertrag und Regeln. Darüber wollen sich Stadt und Ralf Wagner nun Gedanken machen, diese zusammenfassen und von der Verwaltung fixieren lassen.

Geprüft wird auch der Vorschlag von Dirk Albrecht: Drossel und Überlaufschacht einfach verlegen und im anschließenden Feldweg neu bauen. Das soll nun ein Ingenieurbüro prüfen. Denn auch wenn Michelfeld künftig wohl keine eigene Kläranlage mehr haben wird und wie Marktsteft nach Kitzingen anschließt – die Regenrückhaltung wird auch weiter benötigt.

Noch keine Zahlen zur Kläranlage

Nachdem der Hauptpunkt für die öffentliche Ratssitzung, die Vorstellung der Ergebnisse und die weitere Vorgehensweise zu eben dieser Kläranlage in Michelfeld entfiel, weil das Büro noch nicht alle Zahlen hatte, war die dem Ortstermin folgende Sitzung in der Marktstefter Mehrzweckhalle nur kurz. Dabei gab Bürgermeister Thomas Reichert bekannt, dass für den Verkauf der Grundstücke im Gewerbegebiet Marktbreiter Straße nun Anzeigen geschaltet werden.

Für den neuen N-ergiestandort in eben diesem Gewerbegebiet will die Firma Wärmesonden in über 40 Metern Tiefe verankern. Auch wenn dies in der Trinkwasserschutzzone passiert, hatten die zuständigen Behörden keine Bedenken, so dass Reichert das Vorhaben genehmigen konnte. Von der Trafostation bei Hohenfeld aus werden derzeit Steuerkabel zum neuen Gelände in Marktsteft verlegt.

„Das wird uns wohl nun öfters beschäftigen“, sagte der Bürgermeister, als er an die Räte Infomaterial über „Tiny-Houses“ verteilte.