Das Herz ist ein Schwerstarbeiter: Bis zu 7000 Liter Blut pumpt es täglich durch den Körper. Wenn die Adern dicht machen, wird's lebensbedrohlich. Auslöser sind meist die „stillen Killer“ – Bluthochdruck, Diabetes und ein hoher Cholesterinspiegel. Mit diesen Risiken befasst sich das 23. Arzt-Patienten-Seminar in der Klinik Kitzinger Land am Samstag, 12. November, von 9 bis 12 Uhr.

Die schleichende Gefahr

„Man muss die Bevölkerung wachrütteln“, sagt Chefarzt Dr. Wolfgang Karmann bei einem Pressegespräch. Dazu passt sein Beispiel: Blutgefäße seien wie die Wurzeln eines Baumes. Wenn die keinen Saft mehr durchlassen, stirbt der Baum. Beim Menschen sei das ein schleichender Prozess. Nichts tut weh, selbst wenn die Arterien krank sind. Die Folge im Extremfall: Herzinfarkt, Schlaganfall, plötzlicher Herztod.

Bluthochdruck: eine Frage der Einstellung

Ein Angriff auf die Blutgefäße kommt vom Bluthochdruck. Laut Infoblatt leidet jeder Vierte in Deutschland daran. Viele wüssten nichts davon nur 40 Prozent der Patienten seien medikamentös eingestellt, so Karmann. Dabei lasse sich der Hochdruck mit Medikamenten in den Griff kriegen – und einer Änderung des Lebensstils. Rauchen, zuviel Alkohol, Übergewicht und Bewegungsmangel trieben die Werte und damit das Herzinfarktrisiko steil nach oben.

Eine „unheilvolle Allianz“

Falsche Ernährung, Übergewicht und fehlende Bewegung öffnen einem weiteren „stillen Killer“ den Weg zum Herzen – Diabetes. Auch hier beginnt alles mit geringfügigen Symptomen. Nur: Mit der Krankheit steigt die Schädigung der Gefäße und damit das Herzinfarktrisiko. Über diese „unheilvolle Allianz“ spricht Dr. Katrin Müller. Die Diabetologin der Klinik will mit praktischen Tipps auch über eine medikamentöse Einstellung informieren.

Neue Medikamente, die die Diabetes „bei der Wurzel packen“, will Müller ebenfalls vorstellen. Mit den Mitteln werde der überschüssige Zucker weitgehend ausgeschwemmt, was bei den Patienten einen schönen Nebeneffekt habe: Das meist vorhandene Übergewicht werde reduziert.

Wenn das Cholesterin schlecht ist

Ein Feind des Herzens ist auch das Cholesterin, genauer gesagt das „schlechte“ LDL-Cholesterin. Das entdeckt nur der, der seine Blutwerte regelmäßig checken lässt. Das Problem auch hier: Es gibt keine Beschwerden, selbst wenn Werte extrem überhöht sind und Blutgefäße sich mit Ablagerungen zusetzen.

Eine frühzeitige Erkennung des Problems, das häufig vererbt wird, ist schon wegen des Herzinfarktrisikos besonders wichtig. Medikamente, die die hohen Werte dauerhaft senken, gibt es laut Stefanie Held. Die Oberärztin in der Kardiologie weiß aber auch: „Man muss den Patienten überzeugen, dass er Medikamente nimmt.“ Durch eine Ernährungsumstellung sei das Problem „nur bedingt zu beeinflussen“.

Spritze hilft bei extremen Werten

Außergewöhnliche Erfolge zeige eine neues Medikament, über das sie beim Patientenseminar sprechen will. Das sei passgenau für Menschen mit extremen Cholesterinwerten oder die Patienten, die auf herkömmliche Mittel nicht ansprechen. Das Mittel werde alle zwei bis vier Wochen gespritzt.

Wie wichtig das Ärzte-Patienten-Seminar ist, zeigen einige Zahlen: 400 Schlaganfälle werden jährlich in der Kitzinger Klinik behandelt, 800 bis 1000 Patienten kommen mit einer Durchblutungsstörung, gut die Hälfte – so Karmann – treibe das Risikopaket (Diabetes, Hochdruck, Cholesterin) ins Krankenhaus.

Übrigens: Wer zum Seminar kommt, kann dort – in der Pause – sein Herzinfarktrisiko selbst testen. Dazu gibt es die Möglichkeit, den Blutdruck messen zu lassen.