Das Geschäftsmodell des Start-up-Unternehmens Mr. Timber CharakterHolz GmbH ist einfach, aber gut: Die Firma handelt mit Altholz und fertigt daraus auch Produkte. In Zeiten, in denen immer mehr von Nachhaltigkeit gesprochen wird, ist das Unternehmen mit Sitz in Iphofen auf Erfolgsspur.

Die Firma bereitet hierfür alte Balken und Bretter auf, die beim Abriss von alten Scheunen, Bauernhäusern und Berghütten ausrangiert wurden. Der Großteil kommt aus Oberbayern und Österreich. Jeder Balken ist meist etwa 100 Jahre alt und weist durch die damaligen Bearbeitungsverfahren und durch die Jahrzehnte langen Umwelteinflüsse einzigartige Oberflächen und Strukturen auf. Doch wie kommt Firmengründer Tim Schröder an das Holz? Schließlich bekommt er in Franken nicht mit, wann und wo in Oberbayern eine Scheune abgerissen wird.

Mittlerweile hat sich Mr. Timber einen Namen in der Branche gemacht und Altholz wird der Firma angeboten. "Wir bekommen aber nicht viel Material, die Nachfrage übersteigt das Angebot", erklärt Schröder. "Aber: Für unsere Produkte muss kein einziger Baum gefällt werden." Im Programm sind Balken und Bretter aus Eiche sowie die Weichhölzer wie Kiefer, Fichte und Tanne. Die Kunden sind Architekten, Schreiner und Endverbraucher. Auf deren Wünsche gehen Schröder und seine Mitarbeiter gerne ein. Da kann es dann schon mal sein, dass ein Camping-Bus mit Altholz ausgekleidet wird –laut Schröder der bisher außergewöhnlichste Kundenwunsch.

Aus Liebe zu Holz und Handwerk

Vor zwei Jahren wurde der 24-jährige Schröder zu Mr. Timber und gründetet das Unternehmen. Der gebürtige Wiesbadener entdeckte während seiner Lehre am Tegernsee seine Begeisterung für Altholz. Mit 22 Jahren hatte der ambitionierte Schreiner seinen Meisterbrief und den Betriebswirt des Handwerks in der Tasche. Aus der Liebe zum Handwerk und zum Rohstoff Holz wagte er dann den Schritt in die Selbstständigkeit. 2018 startete der Jungunternehmer den Altholzhandel in einer kleinen Lagerhalle und konnte schon bald mit seinen Produkten erste Erfolge feiern. Neben dem Vertrieb von bietet das Unternehmen auch Schreinerkurse an, um den Kursteilnehmern den traditionellen Rohstoff und die Verarbeitung von (Alt-)Holz näher zu bringen.

Mr. Timber – Timber ist das englische Wort für Bauholz – vertreibt dank E-Commerce die nachhaltigen Produkte europaweit. Im eigenen Webshop, sowie auf Ebay und Amazon, können die Kunden eine Vielzahl an Balken oder Deko-Gegenständen aus Altholz wählen. Neben den standardisierten Webshop-Produkten, bei denen eine schnelle Kaufabwicklung gewährleistet werden kann, kann in der eigenen Schreinerei auch auf individuelle Kundenwünsche eingegangen werden –es muss ja nicht immer gleich ein umgebauter Bus sein.  

Nach Unterfranken kam der Hesse durch die Meisterschule in Würzburg und nach einer Online-Immobilenanzeige landete er in Iphofen. 2019 erweiterte Schröder sein Leistungsspektrums, als die jungen Schreinermeister David Kolmstetter und Florian Ittner in den Betrieb einstiegen. Kennengelernt hat er sie, als er in einer Werkstatt in Giebelstadt sein Meisterstück fertigte. 

Das Versand- und Rohmateriallager befindet sich im Iphöfer Gewerbegebiet. Die Kurswerkstatt und die eigentliche Werkstatt und das Büro von Mr. Timber sind in Markt Einersheim. Dort reaktivierte das Trio die ehemalige Schreinerei Ittner von Florian Ittners Opa. Neben der Veredelung von Altholz und der Umsetzung von individuellen Kundenprojekten, soll zukünftig der Bereich der klassischen Schreinerei, wie die Fertigung von Möbeln, Küchen, Türen oder Innenausbau, weiter ausgebaut werden. "Dadurch haben wir ein zusätzliches Standbein und eine Umsatzsteigerung", erklärt Schröder die Strategie. Mittlerweile hat die Firma sechs Mitarbeiter und ist mit der Entwicklung der Geschäftsidee sehr zufrieden.

Geplant ist, das Leistungsspektrum kontinuierlich auszubauen. Neben neuen Produkten, wie beispielsweise dekorativen Leuchten und Tischen aus Altholz, sollen zukünftig auch ganzheitliche Raumkonzepte für Kunden angeboten werden. Langfristig soll an einem neuen Standort in der Region das Versand- und Materiallager, die Kurswerkstatt und die Schreinerei mit Büro und Showroom vereinigt werden.