Wenn eine 15-jährige Schülerin immer müde ist, hat sie nachts vielleicht zu lange auf ihrem iPhone herumgedrückt oder mit ihrem Freund telefoniert. Bei der 15-jährigen Laura (Name geändert) dachte ihre Mutter das zuerst auch. "Aber dann habe ich bei ihr ganz andere Veränderungen bemerkt und einen Schwangerschaftstest in der Apotheke besorgt", erzählt Mutter Stefanie (Name geändert).

Als Lauras Schwangerschaft entdeckt wurde, war sie bereit am Ende des sechsten Monats. Ein großer Schock für die Schülerin und die ganze Familie aus dem Landkreis Kitzingen.

"Ich hatte so gut wie nichts zugenommen und noch leichte Monatsblutungen. Mir kam echt nicht der Gedanke an eine Schwangerschaft", sagt die heute 16-Jährige.

Vor siebeneinhalb Monaten brachte Laura ihren Sohn zur Welt.
Es war eine normale Geburt, etwa elf Stunden lang - für die erste Entbindung keine ungewöhnliche Dauer. Sie habe körperlich alles gut verkraftet, versichert die Schülerin. Gestillt habe sie nicht, weil das beim Schulbesuch zu kompliziert geworden wäre.

Rücksichtsvolle Umgebung

In der Familie habe es viele Tränen und Diskussionen gegeben. Freunde, Mitschüler oder Nachbarn hätten zum Glück rücksichtsvoll reagiert und sich nicht das Maul über die frühe Mutterschaft zerrissen, loben Laura und ihre Mutter ihr Umfeld. "Wir alle mussten erst mal begreifen, dass wir in wenigen Wochen ein neues Familienmitglied bekommen", erinnert sich Stefanie.

Sie weiß, wovon sie spricht, denn sie hat die gleiche Situation selbst erlebt. Sie war noch jünger als ihre Tochter, als sie merkte, dass sie ein Kind erwartet: "Ich habe Laura deswegen oft gewarnt. Denn als so junge Mutter hat man keine Jugendjahre mehr", sagt Stefanie.

Wenn ein junges Mädchen ein Kind bekommt, befinden sich oft auch dessen Eltern in einer Ausnahmesituation. Das erfährt Beate Schlett-Mewis, die Leiterin der Schwangerschaftsberatung bei pro familia in Würzburg, immer wieder. 2012 kamen 204 Frauen in die Beratungsstelle in der Semmelstraße 6. Eine Jugendliche war unter 16 Jahre, sechs zwischen 17 und 18 Jahren alt. "Diese Zahl der minderjährigen Schwangeren ist seit Jahren relativ konstant", sagt Schlett-Mewis.

Ihre erste Frage sei: Ist schon eine Entscheidung gefallen, wie es weitergehen soll? Denn bis zum Ende der zwölften Woche nach der Empfängnis ist ein Abbruch möglich. Schlett-Mewis lässt die Minderjährigen von ihrem Leben erzählen und fragt, wie deren Partner zur Schwangerschaft stehe, ob er überhaupt informiert sei, ob die Eltern Bescheid wüssten oder wie sie reagiert hätten.

Die Sozialpädagogin lotet im Gespräch aus, welche Art von Unterstützung die jungen Frauen brauchen. Zum Beispiel, einem Mädchen die Angst zu nehmen, sich ihren Eltern gegenüber zu öffnen. Oder ihr klar zu machen, dass sie es schaffen kann, ein Kind zu bekommen und großzuziehen. "Niemand kommt als perfekte Mutter auf die Welt. Mutter und Kind müssen sich miteinander vertraut machen", sagt Schlett-Mewis.

Weil ihr die Situation vertraut war, wusste Stefanie, was zu tun ist. Die superjunge Großmutter begann, alles zu organisieren. Sie informierte die Eltern des ebenfalls minderjährigen Vaters, sprach mit der Schulleitung, machte Termine aus, nahm Kontakt zu Behörden auf und kümmerte sich um die Erstausstattung für das Baby.

Meldung an das Jugendamt

Stefanie suchte auch das Jugendamt auf. Normalerweise erfährt die Behörde spätestens nach der Entbindung von der Mutterschaft. Generell bekommt das Jugendamt von jeder Frau, die nichtehelich entbindet, eine Geburtsmeldung. Zum einen geht es um die Vaterschaftsanerkennung, zum anderen bietet das Jugendamt Beratung und Unterstützung an, zum Beispiel zu Unterhaltsfragen.

"Wenn in Deutschland eine Minderjährige entbindet, ist automatisch das Jugendamt der Vormund bis zum 18. Lebensjahr der Mutter", erkärt Corinna Petzold, Pressesprecherin des Landratsamtes. So laute die gesetzliche Regel.

Das Enkelkind ist lebhaft. Wenn Stefanie ihren Enkel anblickt, hat sie das Gefühl, als wiederhole sich ihre eigene Geschichte. Damit ihre Tochter regelmäßig zur Schule gehen konnte, stand die Oma in der ersten Zeit nachts auf. Wenn der Kleine schrie, gab sie ihm das Fläschchen. Auch jetzt, einige Monate nach der Geburt, kümmert sich die Großmutter um das Kind.

Mit Gleichaltrigen unterwegs

Laura ging Anfang dieses Schuljahres in Mutterschutz. Sie hat einiges verpasst, mittlerweile aber den meisten Lernstoff wieder nachgeholt. Am Wochenende kann sie sich mal mit ihren Freundinnen treffen und das Leben als normaler Teenager genießen. Ihre Eltern kümmern sich währenddessen um den kleinen Sohn.

Stefanies Tochter Laura war bei der Schwangerenberatung des Gesundheitsamtes. Dort ist es darum gegangen, wo man welche Unterstützung bekommt, auch finanziell. Laura und ihre Mutter fühlten sich gut beraten. "Man sollte sich professionelle Hilfe holen und sich nicht scheuen nachzufragen", rät Stefanie - nicht zuletzt aus eigener Erfahrung.