Endlich wieder Musik und Kultur in Wiesentheid: Auf dem Gelände hinter dem Rathaus bat der Musik- und Gesangverein sein zum ersten Konzert seit langer Zeit. Als "fast schon historisch", bezeichnete der Vorsitzende des Vereins, Heinz Dürner, das Ganze zu Beginn des Nachmittags.

Das rund 20-köpfige Orchester durfte zum ersten Mal seit Oktober wieder vor Publikum spielen. Der Kinder- und Jugendchor hatte wegen der Pandemie fast eineinhalb Jahre pausieren müssen. Die Freunde, dass es nun wieder los geht, wie auch ein wenig Erleichterung, war den Musikern und den Verantwortlichen anzumerken. "Wir sind wieder da und möchten euch und uns eine große Freude bereiten", leitete Dürner ein.

Die Musik erklang mitten im Ortskern, im Hof und auf der Wiese des Wiesentheider Rathauses. An einer Stelle, wo noch eine Woche zuvor völliges Land unter herrschte, angesichts des Hochwassers, das Wiesentheid ungewohnt kräftig getroffen hatte. Diesmal plätscherte der Sambach, der direkt neben dem Gelände fließt, jedoch recht ruhig in seinem Bett.

Stille für die Flutopfer

Drei Tage zuvor sei die Wiese noch recht sumpfig gewesen, da hätte man kein Konzert geben können, erzählte mit Wolfgang Lurati einer der Musiker. Ihn hatte es als Bach-Anlieger zuvor auch ganz schön erwischt. "Wenn man sieht, wie es woanders aussieht, dann relativiert es vieles. Wir hatten einfach Glück", meinte Lurati.

Vorsitzender Dürner, der als Moderator durch den Nachmittag führte, hatte auch darauf hingewiesen. Mit dem Konzert kehre ein Stück Normalität wieder zurück. Es müsse ja weiter gehen. Dürner bat die Besucher um einen kurzen Moment der Stille für die Opfer der Flutkatastrophe in Deutschland.

Das Orchester konnte im Vorfeld gerade dreimal gemeinsam proben, ansonsten sei seit Monaten nichts gewesen. "Die sind alle heiß und froh, das merkt man", blickte Lurati, der als Trompeter mitwirkt, auf seine Musiker-Kollegen.

Vom klassischen Marsch bis Abba

Eine noch längere Pause hatte der Kinder- und Jugendchor hinter sich, genau seit März 2020, wie Leiterin Petra Hergeth wusste. Abgesprungen sei keiner aus der Gruppe. "Das hat mich begeistert, die Kinder und Jugendlichen wollten alle wieder dabei sein", sagte sie.

Zwei Proben im Garten bei Petra Hergeth hatten im Vorfeld gereicht, die 19 Kids zeigten, dass sie nach wie vor Spaß am Singen haben. Zu ihren Stücken war auch eine Art Kanon nach dem Motto "Anstand halten, Corona muss weg."

Das Orchester setzte auf bewährtes, ein bunt gemischtes Programm vom klassischen Marsch über Tanzmusik, bis hin zu einem Abba-Medley erfreute das Publikum. Unter denen war auch Bürgermeister-Stellvertreterin Helma Schug. "Wir hatten auch den Keller unter Wasser, ich war letztes Wochenende im Einsatz daheim", sagte sie.

Endlich wieder Musik, statt Sandsäcke und Blaulicht. Dass sie nun an dieser Stelle dem Konzert lauschen könne, hätte nicht nur sie vor einigen Tagen nicht gedacht.