Mit Günther Jauch ist sie per Du, auf dem Hradschin in Prag ist sie immer wieder einmal persönlicher Gast des Präsidenten, am Donnerstag, 9. November, kommt sie auf Einladung des Fördervereins ehemalige Synagoge Kitzingen in die Alte Synagoge: Eva Erben, Überlebende der Shoah, und eine außergewöhnliche Persönlichkeit, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Eva Erben (Jahrgang 1930) stammt aus dem Sudetenland. Ihre Eltern, Jindrich und Marta Löwidt, beschlossen 1936, in die tschechoslowakische Hauptstadt Prag zu ziehen. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht am 15. März 1939 änderte sich das Leben der Arztfamilie schlagartig. Im Dezember 1941 wurden die Löwidts in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Der Vater wurde 1944 nach Kaufering verschleppt und ermordet.

Eva und ihre Mutter kamen nach Auschwitz-Birkenau, dann in ein Außenkommando des Konzentrationslagers Groß-Rosen. Im Februar 1945 trieb die SS sie auf einen Todesmarsch, den die Mutter nicht überlebte. Eva gelang die Flucht und sie wurde von einer tschechischen Familie versteckt. 1948 wanderte sie mit ihrem Ehemann, dem sie als Kind bereits in Theresienstadt begegnet war, über Frankreich nach Israel aus.

Für den Sohn geschrieben

Ihr Buch „Mich hat man vergessen. Erinnerungen eines jüdischen Mädchens“, ursprünglich für ihren jüngsten Sohn geschrieben, führte sie um die Jahrtausendwende zusammen mit einer Ausstellung schon einmal nach Kitzingen. Die kürzlich verstorbene Cordula Kappner hatte die Stationen des Todesmarsches akribisch nachvollzogen und in der Ausstellung dokumentiert.

Eva Erbens zweites Buch „Fluchten“ wurde von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas herausgegeben. Ihr lebensgeschichtliches Interview in Wort und Bild ist Teil des Berliner Mahnmals.

Am 9. November – um 10 Uhr für Schulklassen und um 20 Uhr für die interessierte Öffentlichkeit – gibt Eva Erben im Gespräch, mit einer Lesung und einem Film Einblick in helle und dunkle Stunden ihres Lebens. „Eva Erben zeigt uns, was Unmenschlichkeit in unserer Welt bedeutet und wie man selbst . . . nicht für immer verbittert.“ (Günther Jauch).

In der Abendveranstaltung spricht Eva Erben mit Pfarrer Burkhard Hose von der Christlich-jüdischen Gesellschaft Würzburg, die anlässlich des 79. Jahrestags der Pogromnacht in Kitzingen zu Gast ist.

Kranzniederlegung

Um 19 Uhr legt Oberbürgermeister Müller vor der Alten Synagoge zur Erinnerung an die ehemaligen Kitzinger Juden einen Kranz nieder. Anschließend sind alle zum Gebet und Gedenken in die „Synagoge in der Synagoge“ eingeladen. Musikalisch begleitet das Bläserensemble „Well-Blech“ der Dekanate Kitzingen/Uffenheim unter Leitung von Tanja Tröge.

Vorschaubild: © Foto: Silvia Gralla