Mit dem Einrad zur Weltmeisterschaft

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Lena Dickmeis.
Lena Dickmeis.

Die 14-jährige Lena Dickmeis fährt am liebsten mit nur einem Rad unter dem Sattel. Dieses Jahr schafft sie es sogar bis zu den Einrad-Weltmeisterschaften.

Kitzingen — Hinten festhalten, anschieben, hinterher rennen, los lassen. Welcher Papa kennt das nicht? Fast jedes Kind lernt so das Radfahren. Was aber, wenn es keinen Gepäckträger zum Anschieben gibt? Was, wenn das Lenkrad fehlt? Und überhaupt gibt es nur ein Rad!
Das fragte sich wohl auch Lenas Papa, als er seiner Tochter das Losfahren erleichtern wollte. Denn Lena fährt Einrad. Und das mit Leidenschaft. Mit sechs Jahren schwang sich die Schülerin das erste Mal auf ihr halbes Fahrrad. Mit einer kleinen Gruppe von Einradfahrerinnen übte Lena erst einmal, überhaupt oben sitzen zu bleiben.
Als Lena ins Gymnasium kam, begann sie richtig zu trainieren. Regelmäßig übte sie unter der Aufsicht ihres Sportlehrers Herrn Zörner ihre Tricks. "Ein Mal in der Woche darf ich in der Schulhalle fahren", erzählt Lena. Die einzelnen Tricks werden nach und nach zu kompletten Aufführungen zusammengefügt.
Einen richtigen Trainer hat sie nicht. Ihr Lehrer kann zwar auch Einrad fahren, bei den schwierigen Tricks kann er ihr jedoch auch nicht weiterhelfen. "Ich bringe mir alles selbst bei. Manchmal gewöhne ich mir auch falsche Bewegungen an und habe dann bei anderen Tricks Schwierigkeiten." Dennoch kann sich die 14-Jährige gegen Konkurrenten behaupten. Die Aufnahmeprüfung für den Bayernkader hat sie Anfang des Jahres geschafft. Hier hat sie die Möglichkeit, auch mal unter den Augen von Profis zu trainieren, sich verbessern zu lassen und den einen oder anderen Tipp zu bekommen.

Sie fährt zur WM


Doch das Training im Kader hat auch noch andere Vorteile. Die Belohnung für ihren Einsatz und Fleiß: die Teilnahme an der Einradweltmeisterschaft 2012. Mit ihrer Kader-Gruppe fährt Lena dieses Wochenende nach Brixen in Italien zur sogenannten Unicon. Nach ihren Einzelerfolgen bei den Deutschen und Bayerischen Meisterschaften und ihrem Titel "Fränkische Meisterin" fährt Lena bei der WM eine Gruppenkür zusammen mit 24 Kaderatlethen. Die Schülerin rechnet sich bei der Meisterschaft gute Chancen aus. "Japan und China kommen nicht", freut sie sich. "Ich denke wir schaffen's ins gute Mittelfeld."
Bei ihrer Kür müssen die Einradler zwei Jurys überzeugen. Die Trickjury beurteilt, wie schwierig die Tricks sind. Die Präsentationsjury achtet auf die Kostüme und Bewegungen der Gruppe. Hier sind Kreativität und Synchronität gefragt.
Erfolge bei Meisterschaften sind Lena jedoch nicht so wichtig. "Auch wenn alle denken, ich wäre so gut, bin ich eigentlich nur eine Amateurfahrerin", erklärt sie. Viel mehr reizt sie die Exklusivität ihres Sports. "Es ist ein Sport, den nicht jeder macht." Die Schülerin findet es schade, dass der Einradsport so unbekannt ist. "Wenn ich erzähle, dass ich zur Einrad-WM fahre, ist meist die erste Reaktion: Wie? Einrad-WM? Sowas gibt's?" Das möchte die ehrgeizige Sportlerin mit ihrem Engagement ändern. Immerhin weiß nun auf ihrem Gymnasium jeder von dem Einradsport.

Sieben Einräder zu Hause


An ihrer Schule sorgt Lena auch weiterhin dafür, dass das Einrad nicht vergessen wird. Einigen jüngeren Schülern zeigt sie jede Woche ihre Tricks und übt mit ihnen Aufführungen ein. Lena hofft, dass ihre Schüler nicht so schnell die Lust verlieren. "Viele hören mit dem Einradfahren auf, weil es ihnen peinlich ist. Dabei ist es ein richtig cooler Sport", findet die Neuntklässlerin.
Für ihre Tricks und zu verschiedenen Gelegenheiten hat Lena jeweils ein passendes Einrad. "Zum Üben in der Halle habe ich ein Rad mit weißem Reifen, damit es mit dem Hausmeister keine Probleme gibt", beginnt sie. "Dann gibt es dicke oder dünne Reifen, große oder kleine. Zum Wheel-walk, dem Radlauf, brauche ich eine eckige Gabel, um meine Füße abzustellen. Bei Einrädern mit kürzeren Kurbeln an den Pedalen muss ich ganz schnelle und kleine Tritte machen", sprudelt es aus der Einradlerin heraus. Sieben Stück hat sie zu Hause stehen. "Mit dem Einrad kann man viel mehr machen als man denkt." So fährt die 14-Jährige auch gerne mal mit dem Sattel in der Hand statt unterm Po. Oder sie stellt sich mit einem Fuß auf die Gabel und treibt mit dem anderen den Reifen an, ein sogenannter Standup. "Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie vielfältig der Einradsport ist."