Milchbauern schöpfen Hoffnung

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Werner Schwanfelder, Betriebswirtschaftsberater beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit den beiden Milchbauern Bruno Scheller und Ernst Drobek (im Bild von links), die positive ...
Foto: Svenja Kloos

Die Preise für Butter und Käse steigen wieder. Zum jetzigen Zeitpunkt von einem Ende der Milchkrise zu sprechen, wäre allerdings zu früh.

Gut zwei Jahre lang waren die Milchpreise im freien Fall. Viele Höfe mussten schließen oder sich einen anderen Betriebszweig suchen. Im Landkreis gibt es aktuell 141 Milchviehbetriebe – das ist ein Drittel weniger als noch 2013. Doch nun steigen die Preise für Käse und Butter langsam wieder. Haben die Landwirte die Krise überstanden?

Für Milchviehhalter Ernst Drobek aus Willanzheim wäre das zum jetzigen Zeitpunkt noch zu viel gesagt, „aber wir sehen ein Licht am Ende des Tunnels“. Als der Tiefpunkt im Februar dieses Jahres erreicht war, hat Drobek nur noch 24 Cent für einen Liter Milch bekommen. Im vergangenen Monat waren es immerhin 26. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, wären 40 Cent nötig. Heißt momentan: Keine Neuinvestitionen, kein Kapital zur Seite legen.

Ähnlich sieht es bei Bruno Scheller aus, der einen Hof in Euerfeld betreibt. „Man weiß nie, ob der Aufwärtstrend weitergeht, aber es gibt positive Zeichen“, sagt er.

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So sei der Literpreis auf dem Spotmarkt, auf dem die Molkereien untereinander handeln, rasant gestiegen. Im Moment liege er wieder bei über 30 Cent. Bis das bei den Bauern ankommt, kann es jedoch noch gut zwei Monate dauern.

EU-Programm fördert Reduktion

Für die Milchwirtschaft weiterhin problematisch ist laut Gerd Düll, dem Leiter des Kitzinger Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), das Russland-Embargo. Dass es dennoch bergauf geht, liege einerseits daran, dass China sich von der Wirtschaftskrise erhole und wieder mehr Butter und Käse kaufe.

Außerdem sei die produzierte Milchmenge weltweit gemindert worden. Das Überangebot, das auf die Preise drückt, nähert sich also langsam wieder der bestehenden Nachfrage an.

Um diesen Punkt weiter zu fördern, hat die EU nun ein weiteres Reduzierungsprogramm mit 150 Millionen Euro auf den Weg gebracht: Aus dem Landkreis haben 21 Landwirte einen Antrag eingereicht, berichtet Werner Schwanfelder, Betriebswirtschaftsleiter am AELF. Sie bekommen für jeden Liter Milch, den sie von Oktober bis Dezember weniger an die Molkereien liefern, 14 Cent Förderung.

Für Ernst Drobek und Bruno Scheller kommt eine Teilnahme jedoch nicht infrage. „Ich halte das für ein Sterbehilfeprogramm“, sagt Scheller. 14 Cent seien im ersten Moment zwar reizvoll. Allerdings lasse sich die Milchproduktion nicht einfach so zurückfahren – zumindest nicht ohne absehbare Konsequenzen.

Weniger Produktion birgt Risiken

Landwirte müssten ihre Kühe entweder an den Schlachter verkaufen oder die Fütterung so umstellen, dass die Tiere weniger Milch geben. Läuft das Programm dann aus, würden die Bauern im ersten Fall mit weniger, im zweiten Fall mit leistungsschwächeren Kühen dastehen. Ein Verlustgeschäft. „Wer nur ein Standbein hat und weitermachen will, kann es sich deshalb kaum erlauben, weniger zu produzieren“, sagt Scheller.

Im Gegenteil: Die beiden Milchbauern mussten ihre Produktionsmenge über Jahre steigern, um wirtschaften zu können. Auch Werner Schwanfelder erwartet, dass gut die Hälfte der Höfe aus dem Landkreis, die EU-Gelder beantragt haben, mit der Milchviehwirtschaft aufhören werden.

Nur: Wer einmal aufhört, fängt nicht wieder an. „Wir haben die Betriebe gebaut, um etwas für die Zukunft zu haben“, sagt Ernst Drobek. „Da will man nicht bei jeder Krise auf etwas Neues aufspringen.“

Beide Landwirte werden ihre Arbeit fortsetzen. Sie sind überzeugt, dass die 40 Cent für einen Liter Milch wieder erreicht werden können – vielleicht nicht sofort, aber zumindest langfristig.