Die Regale sind voll – und die Kunden greifen eifrig zu: Der Markt mit Tierfutter ist riesig. Doch was ist eigentlich darin enthalten? Diese Frage beantwortet Tierheilpraktikerin Miriam Steinmetz in ihrer Praxis und in Vorträgen wie kürzlich bei der Vhs Kitzingen.

Frage: Warum ist es wichtig zu wissen, was im Tierfutter ist?

Juckreiz, Entzündungen, Durchfall: Was das falsche Futter verursachen kann

Miriam Steinmetz: Weil inzwischen ganz viele Tiere mit dem Fertigfutter Probleme haben, seien es Futtermittelunverträglichkeiten oder Futtermittelallergien. Beides kann sich durch Beschwerden im Magen-Darm-Bereich äußern, aber auch durch Juckreiz, Hautprobleme oder Ohrenentzündungen.

Welche Inhaltsstoffe rufen diese Reaktionen hervor?

Steinmetz: Ganz verschiedene. Zum Einen können Hunde und Katzen, wie der Mensch auch, auf jedes Lebensmittel reagieren. Auf Rindfleisch, Reis, eine Gemüsesorte... Um Trockenfutter herzustellen, braucht es Kohlenhydrate im Futterteig, damit dieser beim Extrudieren zusammenhält. Häufig wird dafür Getreide verwendet und Sorten wie Weizen oder Mais sind Allergieauslöser Nummer eins. Soja als Hülsenfrucht ist ebenfalls besonders problematisch.

Und zum Zweiten?

Steinmetz: Weil Tierfutter haltbar gemacht werden muss, sind auch Antioxidantien und Konservierungsmittel enthalten, dazu Bindemittel, Gerinnungshilfsstoffe oder Farbstoffe. Auch darauf können Tiere reagieren. Es ist oft ein langer Weg, bis ein Tierbesitzer herausfindet, was der Auslöser für die Probleme ist.

Enthält das Futter auch Stoffe, die gefährlich für die Gesundheit von Hund oder Katze sind?

Zucker und Karamell enthalten: Macht manche Tiere "direkt süchtig"

Steinmetz: Nicht direkt gefährlich. Aber beispielsweise auf Konservierungsmittel wie E320 oder E321 wird gerne allergisch reagiert, oft mit Durchfall oder weichem Kot.

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Wie sieht es mit ungesunden Bestandteilen aus?

Steinmetz: Es gibt Futter, das Zucker oder Karamell enthält. Das brauchen Tiere nicht, das ist nur für das Aussehen und den Geschmack nach Röstaromen enthalten. Manche Tiere sind direkt süchtig danach. Es ist schwer, sie wieder davon wegzubekommen. Wenn sie diesen Tieren gesundes Futter hinstellen, fressen sie es einfach nicht.

Sie warnen nicht nur vor verstecktem Zucker, Sie kritisieren auch das 4%-Märchen. Was steckt dahinter?

Steinmetz: Sie haben es bestimmt schon selbst gesehen: Gerade vor Weihnachten wird oft Nassfutter für Hunde und Katzen beworben, das Reh, Hirsch, Ente oder Gans enthält. Nach dem Motto, man solle dem Tier doch zum Fest auch mal etwas Besonderes gönnen. Auf der Packung steht dann, dass mindestens vier Prozent der jeweiligen Sorte enthalten seien. Diese vier Prozent beziehen sich aber nicht auf den Gesamtinhalt der Dose, sondern nur auf den Anteil von „Fleisch und tierischen Nebenerzeugnissen“ in der Dose. Angenommen, die Dose beinhaltet 50 Prozent Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse und den Rest Getreide, Kartoffeln und Gemüse, dann sind das bei einer 800-Gramm-Dose gerade mal 16 Gramm der beworbenen Sorte. Welche Teile vom zum Beispiel Reh dann schließlich verwendet wurden, erfahren Sie nicht; es kann Fleisch, aber genauso gut Herz, Milz oder auch nur Darm sein. Wenn also 16 Gramm Reh enthalten sind, ist die Vorgabe schon erfüllt – bei 800 Gramm ist das nicht einmal zu schmecken.

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Was in Tierfutter enthalten sein darf, ist sicherlich geregelt, wie bei Lebensmitteln für Menschen auch?

Steinmetz: Tierfutter enthält auch Bestandteile, die nicht in Lebensmitteln für Menschen enthalten sein dürfen. Zum Beispiel das synthetisch hergestellte Vitamin K3. Vitamin K ist ein fettlösliches Vitamin, das verschiedene Funktionen hat, vor allem aber für die Blutgerinnung wichtig ist. K1 und K2 kommen in der Natur vor, K3 wird im Labor hergestellt. Es steht im Verdacht, krebserregend zu sein und darf für humane Lebensmittel seit Jahren nicht verwendet werden.

Steht es denn nicht auf der Verpackung, wenn Vitamin K3 enthalten ist?

Steinmetz: Vitamin K ist zum einen nicht deklarationspflichtig, zum anderen kann es sich auch hinter der alternativen Bezeichnung Menadion verbergen.

Man muss also nicht nur die Zusammensetzung auf der Packung lesen, sondern sich auch vorher informieren.

Steinmetz: Ich sage meinen Kunden und den Besuchern der Vorträge immer: „Wenn Sie die Zusammensetzung lesen und nicht verstehen, stellen Sie die Dose zurück.“ Am besten ist es, wenn auf der Verpackung genau steht, wie viel Prozent wovon enthalten ist. Steht dort „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ kann das alles und nichts sein.

Was ist überhaupt unter „tierischen Nebenerzeugnissen“ zu verstehen?

Steinmetz: Dazu gehören Innereien, aber auch Hühnerfüße, Schnäbel oder Federn. Diese Produkte sind nicht per se schlecht. Wenn das ganze Tier verarbeitet wird, ist das völlig okay. Werden aber die hochwertigen Bestandteile wie Hühnerbrust oder Schenkel für die Menschen genutzt und nur die Reste zu Tierfutter verarbeitet, sieht es anders aus, weil das Verhältnis nicht mehr stimmt.

Wie soll der Verbraucher angesichts des riesigen Angebots in Supermärkten und Fachgeschäften den Überblick behalten?

Steinmetz: Tierfutter ist ein sehr großer Markt, wir reden da jährlich von mehreren Milliarden Euro, die mit Katzen- und Hundefutter umgesetzt werden. Wer hochwertiges Futter will, ist meiner Ansicht nach bei kleineren Anbietern besser bedient. Große Konzerne, die Lebensmittel für den humanen Bereich anbieten, haben oft auch Tierfutter im Angebot – da ist die Gefahr viel größer, dass man das, was man bei den Menschen nicht unterbringt, zu Tierfutter verarbeitet.

Bieten Testergebnisse, wie zum Beispiel von der Stiftung Warentest, eine Orientierung?

Steinmetz: Die Stiftung Warentest testet Werte und Zahlen. Also ob genug Fett, Vitamine und so weiter enthalten sind. Sie testet aber nicht die Qualität – woher die Zutaten kommen, ob das enthaltene Eiweiß gut verwertbar ist... Man kann durchaus mit schlechten Zutaten passende Werte erreichen. Dadurch wird auch minderwertiges Futter gut bewertet – und die Leute verlassen sich auf die Testergebnisse.

Also lieber selbst kochen?

Steinmetz: Natürlich kann man das machen. Voraussetzung ist zu wissen, was das Tier braucht, um Überversorgung oder Mangelernährung zu vermeiden. Es gibt nicht viele Tierhalter, die ihr Futter selbst kochen. Viel verbreiteter ist das Barfen.

Das müssen Sie erklären.

Steinmetz: BARF ist ein Akronym und steht in Deutschland für Biologisch Artgerechtes Rohes Futter. Dabei werden Fleisch, Innereien und Knochen gemeinsam mit Gemüse und Obst, teils auch mit Getreide, roh verfüttert.

Bei ihren Vorträgen, wie kürzlich an der Vhs in Kitzingen, bieten Sie an, mitgebrachtes Tierfutter unter die Lupe zu nehmen. Wie wird das Angebot angenommen?

Steinmetz: Sehr gut. Wir schauen anhand meiner Ausführungen die Inhaltsstoffe durch. Es kommt immer wieder vor, dass Besucher dann mit der Erkenntnis nach Hause gehen: „Künftig kaufe ich doch lieber ein anderes Futter.“

Info: Die Vhs Kitzingen hat regelmäßig Vorträge rund um die Tiergesundheit im Programm, auch im kommenden Herbst-/Wintersemester. Tierheilpraktikerin Miriam Steinmetz aus Kürnach gehört zu den Referentinnen.

 

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