Er lacht viel und oft am Telefon. Thomas Dauenhauer ist guter Dinge. Das war in den letzten Monate nicht oft der Fall.

Die Ankündigung des Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder vom letzten Montag ist der Grund für den Stimmungswandel des Dettelbacher Unternehmers und Bezirksvorsitzenden des Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA). Ab dem 10. Mai soll die Außengastronomie im Freistaat wieder zugelassen werden, ab dem 21. Mai sollen Gäste wieder in Hotels und Pensionen beherbergt werden dürfen. Überfällig nennt Dauenhauer diesen Schritt. Jetzt gelte es, die entsprechenden Verordnungen schnell zu erstellen und umzusetzen.

Die Zeit wird knapp

Ganz so einfach ist die lang ersehnte Eröffnung der Außengastronomie nicht. Die zuständigen Landratsämter müssen eine Allgemeinverfügung erlassen – dafür brauchen sie allerdings die Richtlinien aus München. Die werden frühestens am Freitagabend erwartet. Die verbleibende Zeit bis zu einem möglichen Start am Montagfrüh ist äußerst knapp. Thomas Dauenhauer stört das nicht. „Es gibt ja keinen Zwang, am Montag aufzumachen“, sagt er.

Spätestens am 13. Mai, dem Feiertag Christi Himmelfahrt, sollten die Menschen wieder in die Biergärten strömen und die Tische in der Außengastronomie nutzen können. Ganz so optimistisch sieht Frank Gimperlein die neueste Entwicklung nicht. Realitätsfern sei diese Art der Politik, kritisiert der Vorsitzende des Stadtmarketingvereins in Kitzingen. Schließlich bräuchten die Betriebe einen gewissen Vorlauf.

„Es gibt ja keinen Zwang, am Montag aufzumachen.“
Thomas Dauenhauer, Bezirksvorsitzender DEHOGA

Personal muss eingestellt werden, Lieferketten müssen berücksichtigt werden. Vor allem bedürfe es einer klaren Regelung. Das sieht auch Katrin Hofknecht vom Bayerischen Hof in Kitzingen so. „Es gibt mehrere offene Fragen“, sagt sie. Wer darf kommen? Ist ein negativer Corona-Test nötig? Wie entwickeln sich die Inzidenzen? Das schlimmste Szenario wäre es, wenn die Außengastronomie nach ein paar Tagen wieder schließen müsste. „Was wir jetzt vor allem brauchen, ist Konstanz“, sagt sie.

Keine inzidenzunabhängige Öffnung

Eine inzidenzunabhängige Öffnung der Betriebe hätte sich auch der Verband DEHOGA gewünscht. „So wie in Österreich, Südtirol oder auf Mallorca“, sagt Thomas Dauenhauer. Bis Ende Juni bleibt die Inzidenz in Bayern aber das Maß aller Regelungen. Übernachtungsgäste sollen sich alle 48 Stunden neu auf Corona testen lassen. Mit vollen Zimmern zu Pfingsten rechnet Dauenhauer deshalb auch nicht – selbst wenn die Nachfrage in dieser Woche bereits angezogen hat. „Aber die Biergärten werden ab Christi Himmelfahrt voll sein“, prophezeit er. Vorausgesetzt, sie öffnen.

Im Woodland Inn im Kitzinger Corlette-Circle will man noch abwarten. Der Biergarten müsse noch hergerichtet werden, Personal müsse eingestellt werden. „Wir warten erst mal ab, ob die Regelungen überhaupt umsetzbar sind“, sagt Philipp Maier. Zumal der Wetterbericht für die kommende Woche nicht gerade Sonnenschein meldet.

Ohne Vorlauf keine Öffnung

„Wir sitzen auf Kohlen“, sagt Franka Sauer vom Gasthof Schiff in Köhler. Sobald wie möglich möchte sie die Außengastronomie mit Blick auf den Altmain aufmachen. „Aber wir müssen schon wissen, wie.“ Dass die Verordnungen aus München so kurzfristig kommen, sei nicht nachvollziehbar, ärgert sie sich. Wie beim ersten Lockdown gehe es plötzlich alles sehr schnell. Dabei müssten Einkäufe getätigt, das Personal wieder eingestellt werden. „Wir arbeiten viel mit Aushilfen“, erklärt sie. Einige haben sich in den letzten Monaten des Lockdowns andere Jobs gesucht. Ein gewisser Vorlauf sei notwendig. Das sieht auch Monika Hirsch-Günther vom Römerhof in Kitzingen so.An Warenbestand sei nach den Monaten des Lockdowns nichts mehr vorhanden, Mitarbeiter müssten erst mal wieder aktiviert werden. „Das ist nicht so einfach, wie sich das alle vorstellen.“

„Wir warten erst mal ab, ob die Regelungen überhaupt umsetzbar sind.“
Philipp Maier, Woodland Inn

Hinzu kommen viele offene Fragen – vor allem, wie sich eine etwaige steigende Inzidenz auf die Regelungen auswirkt. „Das ewige Hin und Her ist doch keine Basis“, ärgert sie sich. Vor drei Jahren hat sich der Römerhof auf Hochzeitsfeiern spezialisiert. Lediglich vier konnten im letzten Jahr veranstaltet werden, für dieses Jahr liegen neun Anmeldungen vor – von ursprünglich 30. Vor Juli rechnet Monika Hirsch-Günther nicht mit einer Erlaubnis. Eine Öffnung des Biergartens für kleinere Gruppen, um doch wieder ein wenig Umsatz zu generieren, kommt für sie dennoch nicht in Frage. Ein halbes Jahr haben sich die Betriebe mit Lieferservice und „To-Go-Angeboten“ über Wasser gehalten. Trotz der langen Durststrecke scheinen die meisten über die Runden gekommen zu sein. Thomas Dauenhauer ist jedenfalls kein Kollege bekannt, der schließen musste – selbst wenn die Branche lange auf die zugesagten finanziellen Hilfen warten musste. Die so genannte November-Hilft traf in der zweiten März-Hälfte ein, die Dezember-Hilfe im April. Die Überbrückungshilfe 3 ist noch nicht ausbezahlt. Dauenhauer wundert sich, dass die IHK in München mit der Prüfung der Betriebe in ganz Bayern beauftragt wurde. Intensive Einblicke, beispielsweise in die fränkische Gastronomie, könnten gar nicht vorhanden sein. Die Hauptfrage der Mitarbeiter lautete denn auch, ob die Konto-Nr. im Antrag stimme. Wie auch immer: Die Hilfe für notleidende Betriebe müsse weitergehen. Gerade diejenigen Hotels, die sich auf Busreisegruppen oder (internationale) Tagungen spezialisiert haben, werden auch in diesem Jahr große Probleme haben, prophezeit Dauenhauer. „Da werden nicht viele Gäste kommen.“ In die Biergärten und Außengastronomie schon. Davon ist Thomas Dauenhauer – trotz aller Widrigkeiten – überzeugt. Landrätin Tamara Bischof und Landtagsabgeordnete Barbara Becker will er zur Eröffnung der Saison einladen. Möglichst schon Anfang der kommenden Woche. Beim Ausblick auf diesen Termin kann sich der Dettelbacher ein freudiges Lachen nicht verkneifen.

Warten auf Anweisungen

Öffnung: Unter bestimmten Voraussetzungen, die derzeit noch genauer vom bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege präzisiert werden, kann die Außengastronomie ab 10. Mai wieder öffnen. Natürlich geht dies nur mit Hygienekonzept, betont das Landratsamt in einer Pressemitteilung. Das Hygienekonzept soll noch durch Rahmenkonzepte des Ministeriums festgelegt werden.

Voraussichtlich wird eine Tischreservierung nötig sein, wer sich mit Menschen außerhalb seines Hausstandes trifft, braucht wohl einen Test. Wie die Kontaktnachverfolgung aussieht, ist noch offen. Sollte die Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100 steigen, müsste die Außengastronomie wieder schließen.

Unbürokratische Regelungen: Gastronomen, die ihre Außenfläche wegen der geforderten Mindestabstände erweitern möchten – ohne die Gesamtzahl der Tische zu verändern, können dies ohne gaststättenrechtliche Genehmigung tun. Nur wenn mehr Tische und Stühle aufgestellt werden, ist weiterhin eine gaststättenrechtliche Genehmigung erforderlich. Die werde aber unbürokratisch erteilt, kündigt das Landratsamt an.

In einer jüngsten Nachricht aus dem Wirtschaftsministerium heißt es darüber hinaus, dass Anträge von Festwirten, die dezentrale Biergärten in Gemeinden errichten wollen, unter Einhaltung der gesetzlichen Voraussetzungen wie Immissionsschutz, wohlwollend geprüft werden sollen.