Immer mehr Menschen mit Handicap arbeiten dort, wo andere auch arbeiten
Der Stolz ist ihnen anzusehen. Sie haben einen Arbeitsplatz. Außerhalb der Mainfränkischen Werkstätten. Sie sind ein Teil der regulären Arbeitswelt geworden. Kein Wunder, dass Christoph Schmitt und Leonie Süßmeier übers ganze Gesicht strahlen.
Anfang Januar 2015 haben die Mainfränkischen Werkstätten GmbH ihr Projekt „INklusiv! Gemeinsam arbeiten“ gestartet. Das Ziel: Menschen mit Behinderung sollen dort arbeiten können, wo jeder arbeitet – bei den Betrieben vor Ort. Etwas mehr als vier Jahre später sind unterfrankenweit bereits rund 100 Kooperationen abgeschlossen worden. Arbeitgeber haben Menschen mit einem Handicap einen Arbeitsplatz gegeben. Weltweit operierende Firmen wie die Kindermann GmbH in Eibelstadt oder die Knauf PFT GmbH & Co. KG in Markt Einersheim sind dabei, aber auch mittelständische Unternehmen, die Stadt Würzburg sowie Gemeinden wie Rottendorf, Dettelbach und Thüngersheim. Auch in Kindergärten oder Sportvereinen wie dem Kitzinger Golfclub haben Menschen mit Handicap eine Anstellung gefunden.
„Natürlich sind erstmal Hemmschwellen da.“
Joachim Porzelt, Fertigungsleiter Kindermann GmbH
So wie Leonie Süßmeier. Sie wird bei Knauf PFT äußerst vielfältig eingesetzt. Waren annehmen, Gewinderohre zusammenstecken, Kartons schreddern, Werkzeugkästen herstellen: Süßmeier nimmt den Fachkräften einiges an Arbeit ab. „Sie hat sich sehr bewährt“, lobt Geschäftsführer Dr. York Falkenberg. „Sie ist in allen Bereichen anerkannt.“
Genau wie Christoph Schmitt. „Er ist voll integriert“, freut sich Fertigungsleiter Joachim Porzelt von der Kindermann GmbH. Neun Monate lang ist Schmitt bei einem Praktikum auf Herz und Nieren getestet worden. Eine wichtige Zeit. „Wir wollten sehen, was der Mitarbeiter tatsächlich leisten kann“, erklärt Porzelt. Die eigenen Mitarbeiter hat die Firma frühzeitig über die Pläne informiert. „Natürlich sind erstmal Hemmschwellen da“, weiß der Fertigungsleiter. Die haben sich aber schnell gelegt. „Unser Unternehmen profitiert von der Vielfalt“, versichert Geschäftsführer Timo Meißner.
Christoph Schmitt ist längst ein Teil der Belegschaft geworden. Auch bei den Festen, beim Neujahrsempfang oder beim Firmenlauf ist er mittendrin. „Die Abwechslung tut gut“, sagt er. Sein Wunsch für die Zukunft? „Den Arbeitsplatz erhalten.“
Die IHK und die Mainfränkischen Werkstätten warben jüngst bei einem Frühstücksgespräch für das Projekt. Max-Martin W. Deinhard, stellvertretender Hauptgeschäftsführer, bezeichnete die Integration als „unternehmerische Verantwortung“. Er forderte die Unternehmer in der Region dazu auf, die Türen noch weiter als bisher für Mitarbeiter mit Handicap zu öffnen und sich nicht abschrecken zu lassen. Inklusion sei ein großes Wort, bestätigte der Geschäftsführer der Mainfränkischen Werkstätten, Dieter Körber. Er habe dafür aber eine ganz einfache Definition: Jeder Mensch gehört ganz natürlich dazu.
Anfangs hatte Leonie Süßmeier noch befürchtet, dass ihre Leistungen nicht den Erwartungen entsprechen könnten. „Jetzt habe ich keine Bedenken mehr.“ Den Mitarbeitern in den Mainfränkischen Werkstätten kann sie einen Außenarbeitsplatz wie ihren nur weiter empfehlen. Genau wie Christoph Schmitt. „Ich bin voll integriert in den gesamten Arbeitsprozess“, versicherte er.