„Wir verlieren eine Woche“, sagt Frank Gimperlein. Und begeistert klingt er nicht. Nach Ansicht des Vorsitzenden des Stadtmarketingvereins (STMV) in Kitzingen hätten die meisten Geschäfte auch schon am 20. anstatt am 27. April wiedereröffnen können. Die Entscheidung der bayerischen Politik bezeichnet er als „halb gar“.

In Bayern sollen Geschäfte später öffnen als in anderen Bundesländern. Das hat Markus Söder am Donnerstagnachmittag verkündet. Am 20. April dürfen zunächst Baumärkte, Gärtnereien und Gartencenter öffnen. Eine Woche später sollen Läden mit einer Größe von maximal 800 Quadratmetern öffnen dürfen. Kaufhäuser und Einkaufszentren bleiben weiter geschlossen.

„Wir haben die komplette Frühjahrssaison verloren.“
Lorette Konrad, Geschäftsinhaberin Mode am Markt

„Es stört mich, dass es deutschlandweit keine einheitliche Linie gibt“, sagt Gimperlein. Tatsächlich hatten Baumärkte in Baden-Württemberg auch in den letzten Wochen geöffnet. Kleinere Läden dürfen dort am kommenden Montag wieder ihre Kunden empfangen. Lorette Konrad profitiert davon, hat sie doch neben dem Kitzinger Geschäft „Mode am Markt“ auch zwei ähnliche große Läden in Tauberbischofsheim. „Natürlich bin ich froh, dass wir dort wieder öffnen können“, sagt sie. Mit einem großen Ansturm der Kunden rechne aber weder sie noch die anderen Kollegen. Etwa ein Drittel des normalen Umsatzes werde wohl in den nächsten Wochen erreicht, schätzt Konrad. Immerhin etwas – nach dem Komplettausfall der letzten, normalerweise so wichtigen Wochen. „Die komplette Frühjahrssaison haben wir verloren“, sagt Konrad. Sie weiß: Dieses Geschäft wird sich nicht wieder gut machen lassen.

„Ein bisschen was“ ist bei Klaus Amendt in seinem „Haus der schönen Dinge“ in Kitzingen gelaufen. Über Email-Bestellungen und den Postversand hat er wenigstens ein paar Waren an den Kunden bringen können. Amendt hatte eigentlich damit gerechnet, am 20. April wiedereröffnen zu können. Das wäre für die Einzelhändler auch nötig gewesen. „Es wird höchste Zeit, dass es wieder losgeht“, sagt er.

Frank Gimperlein sieht das ähnlich. „Wir hätten am kommenden Montag starten können“, versichert er. Genug Informationen seien geflossen. Über den Bayerischen Handelsverband sind die Meinungen im Freistaat abgefragt und an die Staatsregierung weitergetragen worden. Auch der Stadtmarketingverein in Kitzingen hat sich daran beteiligt. „Eigentlich müsste die Regierung genug Informationen haben, um eine Öffnung steuern zu können“, sagt er.

Stattdessen fehlen nach wie vor genaue Vorgaben und Verordnungen für die Einzelhändler. Welche Schutzmaßnahmen müssen sie ergreifen? Warum gibt es keine Maskenpflicht in den Geschäften? Wie viele Kunden dürfen gleichzeitig in einem Geschäft sein? Wenn die Politik keine detaillierten Vorgaben macht, müsse man den Händlern einen gewissen Freiraum zugestehen. „Bei den Bäckern und den Metzgern hat das in den letzten Wochen auch geklappt“, erinnert er.

Gimperlein kann sich auch vorstellen, dass die kleinen Kinos wieder öffnen dürfen. Mit klar geregelten Beschränkungen sei ein Betrieb machbar. „Ich sehe ein, dass es keine Großveranstaltungen geben soll“, sagt er. „Aber im Kleinen muss die Politik möglichst schnell nachjustieren.“ Wobei: Auch im Großen hat Gimperlein noch eine Frage an München: Wie genau wird eine Großveranstaltung definiert? Und wann kommen klare Ansagen bezüglich der Gastronomie?

Die muss aller Voraussicht nach am längsten unter den Restriktionen leiden. Mit ein bis zwei Geschäfts-schließungen rechnet Gimperlein nach der Corona-Zeit in der Kitzinger Innenstadt. „Der größte Faktor ist das Personal“, erklärt er. Je kleiner die Betriebe, desto leichter hätten es sie. Hans-Dieter Sauerbrey dürfte das bestätigen. Die Entscheidung, die Läden eine Woche länger zu schließen, hält er für vollkommen richtig.

„Im Kleinen muss die Politik möglichst

schnell nachjustieren.“

Frank Gimperlein, Vorsitzender Stadtmarketingverein

„Die Gesundheit hat oberste Priorität.“ Dank der Solidarität der Kunden habe er mit seinem Buchladen am Markt auch in den letzten Wochen einiges zu tun gehabt. „An jedem Vormittag haben wir ein paar Stunden lang Päckchen gepackt“, freut er sich. Dennoch wird die Corona-Zeit eine Zäsur im deutschen Handel markieren. „Die Großen, wie Amazon, werden profitieren“, prophezeit er. „Die Innenstädte werden sich weiter verändern.“

Davon geht auch Lorette Konrad aus. „Die Innenstädte werden kahler“, befürchtet sie. Nicht jeder wird die Corona-Krise überstehen. „Es braucht einen langen Atem, bis sich die Geschäfte wieder normalisieren“, weiß sie. Frank Gimperlein appelliert deshalb an die Konsumenten vor Ort. „Sie müssen verstehen, wie wichtig der regionale Handel ist.“ Wer vor Ort einkauft, der sichert letztendlich auch die Arbeitsplätze in seiner Stadt. Auch deshalb wäre eine schnellere Wiedereröffnung der Geschäfte der bessere Weg gewesen.