Hier lässt es sich aushalten. Im ersten Stock des Iphöfer Feuerwehrhauses haben sich die Jugendlichen einen gemütlichen Raum eingerichtet: Sitzecken, Dart, Kicker, Kühlschrank. „Alles selbst organisiert und renoviert“, sagt Nico Birnack und grinst. Aus einem Rohbau ist ein Schmuckstück geworden – und ein Symbol für die Tatkraft der Iphöfer Jugendfeuerwehr. Die ist jetzt für den Deutschen Engagementpreis nominiert worden.

Spaß und Teamgeist

Nico Birnack ist mit zwölf Jahren zur Jugendfeuerwehr gekommen. Sechs Jahre später spricht er immer noch von der richtigen Entscheidung. Ein Kumpel hat ihn damals animiert, mitzugehen. Seither ist er so gut wie jeden Dienstagabend zu den Übungsstunden gekommen. „Wir lernen hier die Grundlagen kennen“, erklärt Joshua Dennerlein, der mit 14 Jahren einer der Jüngsten im Team ist. Wie funktioniert der Funk? Welche Schutzausrüstung ist für welchen Einsatz nötig? Wie bedient man Schere und Spreizer? An schrottreifen Fahrzeugen probieren die Jugendlichen auch schon mal, das Dach aufzuschweißen. Natürlich alles unter Aufsicht.

Doris Seidel und Alexander Holfelder sind die Jugendwarte in der Feuerwehr. Sie leiten die Jungen und Mädchen zwischen zwölf und 18 Jahren an, bereiten die theoretischen und praktischen Übungsstunden vor.

Soziales Engagement

Ihr Engagement hat sich damit aber noch lange nicht erschöpft. 24 Stunden-Schwimmen, Spiele ohne Grenzen, ein Zeltlager oder Wettkämpfe mit anderen Jugendfeuerwehren werden organisiert und stärken den Teamgeist. „In diesem Jahr war das natürlich nicht möglich“, bedauert Holfelder. Nach wochenlanger und Corona bedingter Pause hat die Jugendgruppe vor kurzem wieder ihre Räumlichkeiten geöffnet. „Wir waren ganz überrascht, dass drei neue Anwärter vor der Tür standen“, freut sich der 25-Jährige. Der Spaß und der Teamgeist haben sich in Iphofen anscheinend herumgesprochen. Nachwuchssorgen gibt es bei der Iphöfer Jugendfeuerwehr nicht. Im Moment gibt es neun Mitglieder. Immer wieder schauen neue Kinder und Jugendliche herein. „Das erste Mal wird man in der Regel überredet, zu kommen“, sagt Joshua. „Aber dann bleiben die meisten dabei.“ Warum er einen Teil seiner Freizeit für die Feuerwehr opfert? Der 14-Jährige muss nicht lange überlegen. „Weil es cool ist, Menschen zu helfen.“ Jetzt ist die Jugendabteilung der Freiwilligen Feuerwehr für den Deutschen Engagementpreis nominiert worden. In der Begründung heißt es unter anderem: Die Jugendlichen unterstützen verschiedene Veranstaltungen wie die Christbaumsammelaktion, das Maibaumaufstellen, den Martinsumzug und viele mehr. Das soziale Engagement ihrer Schützlinge ist den Jugendwarten wichtig – neben der gründlichen Vorbereitung auf mögliche Einsätze im Erwachsenenalter.

Ab dem vollendeten 16. Lebensjahr können die Jugendlichen bei Einsätzen mitfahren. Nico kann sich noch gut an seinen ersten Alarm erinnern. In kurzer Hose und T-Shirt ist er bei strömendem Regen so schnell wie möglich zum Feuerwehrhaus geradelt. Touristen hatten von einer Überschwemmung berichtet. Schnell ist er im Gerätehaus in die Uniform geschlüpft und mit den Erwachsenen im Feuerwehrauto zum Einsatzort gefahren. „Der Tatort war die Wiese, die für solche Regengüsse als Überschwemmungszone vorgesehen ist“, erzählt er und muss lachen. „Ein typischer Fehlalarm.“

Ernsthafte Einsätze wird Nico Birnack noch mehr als genug haben. Seit ein paar Wochen ist er Mitglied der Erwachsenenwehr. Dass er bei der Feuerwehr bleibt, stand für ihn außer Frage. „Das macht hier einfach richtig Spaß.“

Engagementpreis

Preis: Der Deutsche Engagementpreis ist der Dachpreis für bürgerschaftliches Engagement in Deutschland. Er würdigt das freiwillige Engagement von Menschen in diesem Land.

Abstimmung: Am 15. September startete die Abstimmung über den Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises. Bis zum 27. Oktober sind alle eingeladen, auf www.deutscher-engagementpreis.de für ihre Favoriten abzustimmen. 383 engagierte Personen und Initiativen haben die Chance, die bundesweit renommierte und mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung zu erhalten – 59 davon kommen aus Bayern, zwei aus dem Landkreis Kitzingen.

Die Nominierten: Neben der Jugendfeuerwehr in Iphofen ist Frank Stierhof nominiert. Er bringt Kindern in verschiedenen Formen die Kreisläufe der Natur bei. In Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring organisiert er zum Beispiel ein Naturerlebniszeltlager und ein Vater-Kindcamp. Des Weiteren bietet er für Kindergärten und Grundschulen Biber- und verschiedene andere Naturführungen an. Mit Jugendgruppen von Behinderteneinrichtungen, Vereinen und Verbänden arbeitet er ebenfalls eng zusammen. Als Naturschutzwächter, Biberberater und Muschelberater ist er auch noch im südlichen Landkreis Kitzingen tätig.