Er hat viel dazugelernt in den letzten Wochen und Monaten, einige Überraschungen erlebt und etliche gute Gespräche geführt. Richard Arndt-Landbeck hat das erste Mal beruflich ein Bauvorhaben begleitet. Und das hatte es gleich in sich: Die Alte Synagoge in Kitzingen wird seit Anfang Mai aufwändig saniert.

Seit 2010 ist der Leiter der Volkshochschule in Kitzingen auch verantwortlich für das Kulturleben in der Alten Synagoge. Er hat sich eingelesen in die Geschichte des markanten Gebäudes am Kitzinger Mainufer, das 1993 nach einem Komplettumbau und Gesamtkosten von rund neun Millionen Mark eröffnet worden war. Nach rund 20 Jahren Nutzung als kulturelles Zentrum war ihm schnell klar, dass einiges verändert werden muss – dass es gleich so viel werden würde, hat nicht nur ihn überrascht.

Mit der Erneuerung der Ton- und Lichtanlage vor vier Jahren fing der Umbau schleichend an. Mit einer Prüfung durch den TÜV und später durch die städtische Bauaufsicht nahm er dringliche Züge an. „Mehr als 40 Mängel hat die Aufsicht festgestellt“, erinnert sich Arndt-Landbeck. Deren Empfehlung war ein Schock: „Sofort schließen.“ Die Argumente: Kein ordnungsgemäßer Brandschutz, keine zweiten Fluchtwege, kein ausreichendes Sicherheitskonzept. Fast drei Jahre ist diese niederschmetternde Diagnose alt. Das Kulturleben ging trotzdem seinen Gang – allerdings unter strengen Auflagen.

Bei Veranstaltungen mit mehr als 100 Besuchern musste eine Brandschutzwache von der Feuerwehr gestellt werden. Alle Räume mussten vor und nach der Veranstaltung inspiziert werden, während der Veranstaltung musste die Wache natürlich auch präsent sein. Keine einfache Zeit. Weder für Arndt-Landbeck noch für die Kitzinger Wehr. 100 bis 150 Veranstaltungen finden jährlich in der Synagoge statt. Ein Großteil lockt mehr als die besagten 100 Besucher an.

Dem Oberbürgermeister und dem Stadtrat war klar: So kann es auf Dauer nicht weitergehen. Ein Konzept musste her, der Brandschutz auf ganz neue Beine gestellt werden. 2015 sind die Pläne erstellt worden, im Mai diesen Jahres konnten die Arbeiten beginnen. Trotz mancher unvorhergesehener Entwicklung liegen sie im Zeitplan. Das ist auch dringend notwendig. Am 9. November muss alles fertig sein. Dann lädt der Förderverein ehemalige Synagoge Kitzingen traditionell zur Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht inklusive Kranzniederlegung ein.

Die Arbeiten hatten es bislang in sich. Stühle, Tische, Bühne: Alles musste im Mai ausgeräumt und im Bauhof eingelagert werden. Dann ging es an die handwerklichen Arbeiten: Decken öffnen, Brandschutzvorrichtungen einziehen, gleichzeitig Netzwerkkabel für die digitale Technik legen. Alle Holztüren mussten durch Stahltüren ersetzt werden, überall wurden zusätzliche Notbeleuchtungen und Rauchmelder installiert. In den Turmfenstern gibt es jetzt Öffnungen, die im Brandfall automatisch aktiviert werden, damit der Rauch abziehen kann. Moderne Technik hilft den Einsatzkräften, im Notfall schneller und gezielter einzuschreiten. Im Foyer wird eine Konsole angebracht, die den Feuerwehrleuten einen Hinweis gibt, an welcher Stelle der Brand entstanden ist.

Nachdem die Decken schon mal abgehängt waren, sollte man auch gleich energiesparende LED-Leuchten einbauen. Eine gute Idee, die bei einer der wöchentlichen Baubesprechungen aufkam. Aber woher das Geld nehmen? Der Architekt wollte der billigsten Lösung jedenfalls nicht zustimmen. Das Licht müsse zum besonderen Charme des Gebäudes passen. Die Kosten für die Leuchten wurden schließlich aus dem Budget der Alten Synagoge bestritten. Genauso wie zusätzliche Verkabelungen, der Umbau der Steuerung für die Saalbeleuchtung, die Verdunkelung und die Akustiksegel. Dafür muss Arndt-Landbeck wünschenswerte Anschaffungen streichen, die er für ein qualitativ hochwertiges Veranstaltungsangebot als absolut notwendig erachtet: ein digitales Tonpult beispielsweise oder eine richtig große Leinwand für die Diashows.

Auch beim Umbau konnten nicht alle Wünsche erfüllt werden. Einen barrierefreien Zugang wird es geben, eine Klimaanlage war nicht mehr drin. „Dabei wäre die im Sommer Gold wert“, sagt Arndt-Landbeck. Immerhin: Eine neue Lüftungssteuerung ist eingebaut worden – die Ersatzteile für die alte mussten bislang aus Tschechien bestellt werden. Eine neue Klimaanlage kann damit relativ einfach nachgerüstet werden – sollte der Stadtrat den rund 200 000 Euro Kosten irgendwann zustimmen.

Mit rund 700 000 Euro rechnet das Bauamt für die gesamten Brandschutzmaßnahmen. Dazu kommen die Kosten für einen barrierefreien Zugang, der gleichzeitig als zweiter Fluchtweg genutzt werden kann. Er entsteht am Seitenflügel der Alten Synagoge, am derzeit gesperrten Fußweg Richtung Mainufer. Der richtige Platz für einen Fluchtweg aus dem Gebäude, das bei einer vollen Belegung rund 400 Menschen fasst, war jedoch lange heiß diskutiert und umstritten. Eine Außentreppe Richtung Main? Der Denkmalschutz lehnte ab. Ein Fluchtweg über die Terrasse zwischen den beiden Türmen? Die Feuerwehr sagte Nein. Ein zusätzliches Treppenhaus, das vom großen Saal über drei Etagen an eine bislang zugemauerte Tür führt? Diese Lösung wurde favorisiert, bis ein neu bestellter Brandschutzgutachter plötzlich die ganz neue Lösung ins Spiel brachte.

Flexibel sein, neue Lösungswege suchen und in der montäglichen Runde besprechen. Immer wieder zahlte sich dieses Vorgehen aus. Die großen hölzernen Eingangstüren sollten beispielsweise aus Brandschutzgründen während den Veranstaltungen geöffnet bleiben. Arndt-Landbeck wehrte sich, jeder Luftzug im Saal sei einer zu viel. Dank eines innovativen Schreiners bleiben die Türen nun doch zu. Sie öffnen sich künftig nach außen – der Fluchtplan wird damit erfüllt.

Rund sieben Monate wird die Alte Synagoge für die gesamte Maßnahme geschlossen sein, ab Ende Oktober wird sie wieder eingeräumt, vorher muss der TÜV die neuen Anlagen abnehmen und die Betriebsgenehmigung erteilen. „Am 5. November soll alles wieder eingebaut sein“, sagt Arndt-Landbeck. Er weiß: Der Zeitplan ist eng, es gibt keinen Puffer. Ab dem 12. November starten wieder die Kulturveranstaltungen – drei bis vier in der Woche.

Bis zu 150 Veranstaltungen sollen auch im kommenden Jahr im sanierten Schmuckstück der Stadt über die Bühne gehen. Arndt-Landbeck erhofft sich neue Möglichkeiten durch die modernen Licht- und Tonanlagen. In Sachen a capella will er künftig beispielsweise die „Bundesliga“ nach Kitzingen holen. „Aber das geht nur mit moderner Technik“, sagt er. Und erst dann, wenn alle Sicherheitsvorschriften erfüllt sind.