Kitzingen/Würzburg Dass sie mit gerade mal 24 Jahren schon Chefin sein würde, hätte sich Madeline Maag aus Kitzingen vermutlich nicht erträumen lassen. Leider trüben auch ein paar Argumente diese Tatsache: Sie ist es nur für ein Jahr und bringt am Monatsende auch keinen dicken Gehaltsscheck mit nach Hause. Hinter ihrem Unternehmen „Care to Go“ steckt eine Schülerfirma. Die handelt jedoch wie ein echtes Unternehmen und präsentiert nun stolz ihr erstes Produkt: ein hygienisches Handreinigungsgel.

Frage: Wie kam es dazu, dass an Eurer Schule so mal eben eine Schülerfirma gegründet wurde?

Madeline Maag: Das war tatsächlich von Beginn an so geplant (lacht). Dazu muss man wissen: Ich besuche die Fachakademie für Ernährungs- und Versorgungsmanagement an der Klara-Oppenheimer-Schule in Würzburg. Dort gibt es ein Unterrichtsfach, das sich „Existenzgründung“ nennt. In dessen Rahmen haben wir unsere Firma „Care to Go“ gegründet – und zwar für ein Geschäftsjahr. Das Ziel dahinter ist es, einen Überblick in den gesamten Geschäftsablauf eines Unternehmens zu gewinnen. Vor uns gab es an der Schule übrigens schon fünf andere Schülerfirmen, deren Geschäftsideen vom Flüchtlingskochbuch über Kaffeesatzseife bis hin zur Hanfschokolade reichten. Und bei uns dreht sich jetzt eben alles um ein Handreinigungsgel.

Wer genau steckt hinter diesem „uns“?

Madeline Maag: Wir sind 19 Studierende, die gerade eine Aufstiegsfortbildung zum Betriebswirt für Ernährungs- und Versorgungsmanagement absolvieren. Wir haben uns aufgeteilt auf fünf Abteilungen: Geschäftsleitung, Marketing, Finanzen, Verwaltung und Produktion – ich zum Beispiel bin eine von zwei Vorstandsvorsitzenden in der Geschäftsführung. Meine Aufgabe und die meiner Kollegin Annika Fuchs ist es, die Schülerfirma zu leiten, die Aufgaben der einzelnen Abteilungen zu kontrollieren, die Mitarbeiter zu motivieren, Sitzungen zu leiten und jede Menge mehr. Gemeinsam im Team haben wir unsere Geschäftsidee entwickelt und umgesetzt. Unterstützt und gefördert wurden wir von einem Schülerfirmenprogramm des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln Junior gGmbH.

Was hat Euch motiviert?

Madeline Maag: Unter anderem waren das die Erfolge der Schülerfirmen vor uns, an die wir unbedingt anknüpfen wollen. Bei Wettbewerben ist die Klara-Oppenheimer-Schule schon viermal beste Schülerfirma Bayerns geworden und hat dreimal am Bundeswettbewerb teilgenommen. Das muss auch diesmal drin sein.

Warum habt Ihr Euch ausgerechnet für Handreinigungsgel entschieden?

Madeline Maag: „Mit welchem Produkt können wir die Welt ein kleines bisschen besser machen?“ Mit dieser Frage hat uns unsere Lehrerin Beate Neuhaus-Krevert zu Beginn konfrontiert. Bei einem Besuch der Biofachmesse in Nürnberg haben wir uns inspirieren lassen und uns danach gegenseitig unsere Ideen vorgestellt. Am Ende fiel die Entscheidung auf das hygienische Handreinigungsgel.

In Zeiten von Corona sicherlich nicht die schlechteste Idee.

Madeline Maag: Die Entscheidung trafen wir im Juli. Da war noch nicht absehbar, wie sich die Covid-19-Pandemie entwickeln würde. Mittlerweile ist klar, dass uns das Thema Corona noch einige Zeit lang erhalten bleibt. Wir alle müssen in der momentanen Situation besonders auf unsere Hygiene achten. Weil nicht an jedem Ort ein Handwaschbecken zur Verfügung steht, ist man künftig mit unserem Produkt bestens ausgestattet. Es ist handlich und passt in jede Tasche.

Aber ist der Markt in dem Bereich nicht schon gesättigt?

Madeline Maag: Genau deshalb war uns wichtig, dass sich unser Produkt von den bereits erhältlichen Handreinigungsgels abhebt. Wir mussten aktuelle Trends aufgreifen, damit sich der Verbraucher für unser Produkt entscheidet. Am Ende haben wir ein Handreinigungsgel produziert, das folgende Eigenschaften aufweist: Es ist vegan, enthält keine Mikroplastikpartikel und keine Parabene, dafür aber pflegendes Aloe Vera. Es ist dermatologisch getestet und enthält weder tierische Bestandteile, noch wurden bei der Herstellung Tierversuche eingesetzt.

Obendrein tut man mit dem Kauf Eures Handreinigungsgels sogar noch Gutes.

Madeline Maag: Ganz genau. Wir kooperieren mit der Organisation „Share“. Diese ermöglicht es uns, dass für jedes verkaufte Produkt ein gewisser Betrag gespendet wird – und zwar in Hygienepakete, die an Familien in Flüchtlingslagern in Bangladesch gehen. Damit wollen wir gerade diese besonders gefährdeten Menschen in der momentanen Extremsituation unterstützen.

Wie seid Ihr an das Startkapital gekommen, um in die Produktion Eures Gels einsteigen zu können?

Madeline Maag: Wir haben Anteilscheine an unserer Firma in Höhe von 10 Euro verkauft. Zahlreiche Sponsoren, größtenteils aus den Landkreisen Kitzingen und Würzburg, haben hier dankenswerterweise „zugegriffen“. Auf Reserve haben wir aktuell noch einige Anteilsscheine für Bekanntheiten des öffentlichen Lebens zur Verfügung.

Wo ist das Gel erhältlich?

Madeline Maag: Wir verkaufen es direkt bei uns an der Schule – bald auch online auf unserer Website. Darüber hinaus kann man es aber auch bei zahlreichen Kommissionspartnern kaufen – die meisten davon in Würzburg, aber weitere Kommissionspartner sind angefragt und werden auf unseren Social-Media-Kanälen veröffentlicht. Auf Facebook findet man uns unter „Caretogo“ und auf Instagram unter „care.to.go“ . Eine Tube kostet übrigens 3,95 Euro.

Wenn der Firmenstart gut verläuft, kann es dann vielleicht sogar weitergehen? Mit weiteren Produkten? Vielleicht habt ihr auch schon andere Zukunftsversionen?

Madeline Maag: Wir sind mit 500 Geltuben gestartet – diese sind zum größten Teil bereits an Kommissionspartner, Familienmitglieder, Verwandte, Freunde, Schüler, Lehrer und Sponsoren verkauft beziehungsweise verteilt worden. In naher Zukunft können wir uns vorstellen, dass wir erneut Produkte bei unserem Hersteller anfordern. Damit wären wir nicht nur für den alltäglichen Verkauf ausgestattet, sondern auch für das kommende Weihnachtsgeschäft und für zukünftige Schülerfirmenmessen und Wettbewerbe. Unsere Schülerfirma ist dabei nicht auf Gewinn aus. Unser Ziel ist es, kostendeckend zu arbeiten und Erfahrungen als Unternehmer zu sammeln. Den Betrag, der am Jahresende übrig bleibt, möchten wir ebenfalls an eine gemeinnützige Organisation spenden.