Ein Jahr lang besteht noch Freiwilligkeit. Ab 2021 ist der Anbau von Zwischenfrüchten auch im Landkreis Kitzingen Pflicht. Das sieht die neue Düngeverordnung vor. Eine gewissen Verunsicherung im Berufsstand sei deshalb auch nicht zu leugnen, bestätigt Thomas Karl vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten (AELF) in Kitzingen. Dabei sei die Unsicherheit gar nicht nötig. Die Vorteile überwiegen nach seinen Worten bei weitem.

Das sieht auch Konstantin Röther so. Seit 2017 ist das Staatsgut Schwarzenau Demonstrationsbetrieb für die Wasserrahmenrichtlinie. Klingt sperrig, heißt aber nichts anderes, als dass hier besonders Gewässerschonend gewirtschaftet wird. „Und dazu gehört auch der Anbau von Zwischenfrüchten“, erklärt der zuständige Verwalter für den Pflanzenbau.

Vor Sommerkulturen müssen die Zwischenfrüchte ab dem nächsten Jahr, bis auf wenige Ausnahmen, verpflichtend ausgebracht werden. Kontrollen wird es stichprobenartig geben, kündigt der Leiter des AELF, Gerd Düll, an. In vier bis fünf Jahren wird die Überwachung per Satelliten Standard sein.

Die beste Zeit für die Aussaat ist jetzt, Ende August, Anfang September. Konstantin Röther hat auf seiner Demonstrationsfläche im Außenbereich von Schwarzenau bereits eine eigene Saatmischung aufgebracht. Fast zehn verschiedene Körner sind darin enthalten – Senf, Phazelie und Leguminosen beispielsweise. Der Vorteil: Die Pflanzen bilden unterschiedliche Wurzeln aus, durchlockern damit den Boden. „Dadurch dringt Oberflächenwasser leichter in die tieferen Bodenschichten ein“, erklärt Anton Lesch, Wasserberater am AELF. Gerade auf der trockenen fränkischen Platte ein gewichtiges Argument.

Idealerweise sterben die Zwischenfrüchte mit den Winterfrösten ab. „Durch die organische Masse auf den Feldern baut sich der Humus langsam auf“, erklärt Konstantin Röther. Von den 300 Hektar, die das Staatsgut bewirtschaftet, werden ein Drittel seit Jahren mit Zwischenfrüchten bestückt. Mehr Regenwürmer hat Röder im Erdreich ausgemacht, eine bessere Bodenstruktur. „Die Böden lassen sich besser bearbeiten“, sagt er und Anton Lesch nickt. Die Bestände der Hauptkulturen seien länger grün, das Wachstum zögere sich hinaus.

Neben der Trockenheit sorgt der Klimawandel auch verstärkt für besondere Wettterereignisse wie Starkregen oder Stürme. Die wichtigen oberen Bodenschichten werden dann nicht selten abgeschwemmt. „Der Anbau von Zwischenfrüchten ist auch ein Schutz vor Erosion“, betont Anton Lesch und unterstreicht diese Aussage mit einem Merkspruch: „Jeder Halm ist ein Damm.“ Und noch einen Vorteil hat der Anbau von Zwischenfrüchten wie Senf, Ramtillkraut, Ölrettich oder Klee: Stickstoff wird gebunden und den Folgefrüchten zur Verfügung gestellt. „Leguminosen als Zwischenfrüchte binden auch den Stickstoff aus der Luft“, ergänzt Thomas Karl.

„Der Anbau von Zwischenfrüchten ist auch ein Schutz vor Erosion“
Anton Lesch, Wasserberater

Warum so mancher Landwirt trotzdem Bedenken hat? „Die Saat muss halt aufgehen“, sagt Konstantin Röther. Ein paar kräftige Regengüsse im Herbst sind dafür schon notwendig. Die wärmeren Winter im Frankenland sind allerdings das weitaus größere Problem. Die Zwischenfrüchte sterben nicht immer auf natürlichem Wege ab. „Und dann wird es natürlich ein finanzielles Risiko, wenn der Landwirt im Januar oder Februar die Früchte maschinell unterhacken muss“, weiß Thomas Karl. Zumal kein Landwirt gerne bei Feuchtigkeit auf seinen Ackern herumfährt. Anton Lesch rät den Kollegen zur Geduld. In neun von zehn Fällen bewähre sich der Anbau von Zwischenfrüchten. „Der Boden erwärmt sich wegen der organischen Masse später und kann deshalb auch ein wenig später im Frühjahr bearbeitet werden.“

Etliche Mischungen sind seit längerem auf dem Markt. Jeder Standort, jede Bewirtschaftungsform bedingt ein anderes Saatgut. „Das ist eine Wissenschaft für sich“, sagt Konstantin Röther und lacht. Er hofft auf möglichst viel Regen in den nächsten Tagen und Wochen, damit die Saat auf seinem Demonstrationsfeld gut aufgeht. Interessierte Landwirte können sich die Fortschritte jederzeit vor Ort ansehen. „Wegen Corona können wir keine öffentliche Veranstaltung vor Ort anbieten“, bittet Gerd Düll um Verständnis. und nennt einen ganz anderen Profiteur des Anbaus von Zwischenfrüchten: die heimische Tierwelt. Niederwild findet auch im Winter Deckung, Insekten finden Nahrung.

Auch für den heimischen Nutzgarten sei der Anbau durchaus lohnenswert. „Zwischenfrüchte erzielen dort die gleichen positiven Effekte wie in der Landwirtschaft“, versichert Düll. Für Anton Lesch sind sie das einzige probate Mittel, um den Boden langfristig gesund zu halten. Unsicherheit seit deshalb auch nicht angebracht.