Malen für die gute Sache

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Einer der fertigen Einkaufskartons. Im Hintergrund malen die Kinder fleißig weiter.
Foto: Jann weckel
Die Unterschiede zwischen den Salatsorten waren den Kindern neu.
Fotos: Jann Weckel
Von Kindern für Kinder – und mit Hilfe der Azubis.
Foto: Jann Weckel
Von Kindern für Kinder – und mit Hilfe der Azubis werden die Einkaufskartons gestaltet.
Jann Weckel

Ein Dettelbacher Supermarkt und Kindergärten aus dem Landkreis helfen krebskranken Kindern

Begeistert malen die Kinder die aufgedruckten Osterhasen, Küken und Blumen farbig aus. Hier und da wird mal der passende Buntstift vermisst oder über die korrekte Farbgebung diskutiert. Was nach einer alltäglichen Situation aus dem Kindergarten klingt, findet in einem Supermarkt statt. Die Werke der Kinder werden am Ende nicht aufgehängt oder mit nach Hause genommen, sondern für einen guten Zweck verkauft.

Acht Kindergärten haben sich an dem Projekt des Edeka-Markts Schliermann in Dettelbach beteiligt. Über einige Tage verteilt verbrachten die Kindergartengruppen jeweils einige Stunden im Markt, wurden herumgeführt, absolvierten eigenständig eine Supermarkt-Rallye und kümmerten sich um die Gestaltung des Herzstücks des Projekts: Einkaufskartons aus Pappe, bedruckt mit Ostermotiven. Mit dabei war auch der evangelische Kindergarten aus Mainstockheim.

Der aufregende Vormittag der zwölf Kinder beginnt mit einer Begrüßung durch das Supermarktpersonal. Passenderweise werden die Jacken erst einmal in einem Einkaufswagen gesammelt. Dann beginnt eine detaillierte Führung durch den Markt. Die erste Station ist ein Blick hinter die Kulissen. „Was macht ihr denn mit euren leeren Flaschen?“, werden die Kinder gefragt. Nach dem ersten Impuls „wegwerfen“, fällt dann doch das Stichwort: „Die kommen in den Automaten!“

Doch was passiert dort mit dem Leergut? Die Gruppe drängt sich in den kleinen, sonst unzugänglichen Raum. Dort stehen am Ende eines kleinen Förderbands hinter dem Automaten schon einige Flaschen. Die zur Veranschaulichung eingeworfenen Flaschen gesellen sich vor den Augen der Kinder hinzu. „Hier sammeln sich die Glas- und Mehrwegflaschen. Die werden später ausgewaschen und neu etikettiert“, erfahren die Kinder. Anders sieht es mit Einwegflaschen aus. Die fallen nach dem Einwurf in große Behälter. „Dann werden sie geschreddert und eingeschmolzen.“

Weiter geht es am Gemüse- und Obstregal. Die Kinder kennen sich gut aus, erkennen die meisten Sorten. Nur bei Aubergine und Pomelo hapert es. Die Kostproben der letzteren sind dann aber trotzdem in Windeseile vergriffen. Diejenigen Kinder, die sich den Gemüse- und Obsthäppchen noch verweigert hatten, kommen kurz darauf an der Fleischtheke voll auf ihre Kosten. Weniger Begeisterung an der Fischtheke: „Ich mag nur Fischstäbchen!“ Der Klassiker.

Laut wird es bei Pudding, Müsli und Süßigkeiten. Auf die Frage nach den Lieblingssorten steuern die Kinder lautstark und zielsicher das Produkt ihrer Wahl an. Ein paar Bonbons zur Stärkung, dann geht es an die Aufgabe des Tages: Ausmalen für den guten Zweck.

Die Idee kam aus dem Kreis der Auszubildenden des Markts und ist gleichzeitig das Jahresprojekt der Azubis: „Ich fand es schöner, das als Aktion von Kindern für Kinder aufzuziehen“, erzählt Christin Schömig. Die Kartons, die alle Märkte der Kette erhalten haben, wären sonst schlicht zum selbst Ausmalen an die Kunden gegangen. So werden sie zum Spendenanreiz: Zwei Euro kostet einer der bemalten Einkaufskartons. Der Erlös geht an die Station Regenbogen in Würzburg, wo an Krebs erkrankte Kinder behandelt werden. Die dazugehörige Elterninitiative finanziert mit dem Geld unter anderem sogenannte Elternwohnungen. Dort können Angehörige kostenfrei in der Nähe der Klinik unterkommen, beispielsweise während einer längeren Behandlungsphase des Kindes. „Dorthin haben wir in der Schule früher schon einmal gespendet“, begründet Christin Schömig das Spendenziel.

Und das kommt an: Meist waren die Kartons schon alle verkauft, bevor die Kinder den Laden überhaupt verlassen haben, berichtet sie. Auch Spenden von mehr als zwei Euro, teilweise ohne überhaupt einen Karton mitzunehmen, seien keine Seltenheit. Am Ende sind 1200 Euro zusammengekommen.

Für die Kinder des Kindergartens Mainstockheim war es nach der guten Tat noch lange nicht vorbei. Bevor sie ein Mittagessen serviert bekamen, durften sie die dazugehörigen Zutaten im Laden zusammensuchen und mit Spielgeld an der Kasse bezahlen. Wofür die Kinder das alles machen, scheint ihnen durchaus bewusst zu sein. Denn an einem der Projekttage soll der Satz gefallen sein: „Jetzt bin ich ein Lebensretter!“

Station Regenbogen

Infos: Mehr zur „Elterninitiative leukämie- und tumorkranke Kinder Würzburg e.V.“ unter www.stationregenbogen.de

Beteiligte Kindergärten:

Kindergarten Sonnenschein Schernau; Kindergarten St. Sebastian Dettelbach; Kindergarten St. Maria Dettelbach; Kindergarten Bibergau-Effeldorf; Kindergarten Mainsondheim; Kindergarten St. Laurentius Schwarzenau; Kindergarten Wichtelland Euerfeld; Kindergarten Mainstockheim