Kein Vergleich zum Stabhochsprung

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Am Kitzinger Bleichwasen hat Frank Gimperlein seit 2012 sein Public-Viewing aufgebaut. Von den Spielen bekommt er selbst wenig mit. Für ihn gilt: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.
Foto:Ralf Dieter

Wenn sich Frank Gimperlein in diesen Tagen auf ein Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft vorbereitet, dann richtet sich sein erster Blick nach oben. Gimperlein organisiert seit 2012 das Public-Viewing am Bleichwasen in Kitzingen-Etwashausen. Regen ist für den 28-Jährigen aus Albertshofen so etwas wie Thomas Müller für die gegnerische Abwehr: ein unkalkulierbares Risiko.

Bis zur A-Jugend hat Gimperlein selber Fußball gespielt. Auch ein- oder zweimal bei den Senioren. Defensives Mittelfeld, manchmal in der Abwehr. Sein großes Vorbild war Lothar Matthäus. Gimperlein ist in den 90er-Jahren aufgewachsen. An die WM in Italien hat er noch Erinnerungen – obwohl er gerade drei Jahre alt war. „Ein paar Fetzen sind bei mir hängen geblieben“, sagt er und schmunzelt. „Wahrscheinlich wegen der Euphorie, die damals geherrscht hat.“ Die Faszination für den Fußball hat ihn auch später nicht losgelassen.

„Seit der WM im eigenen Land geht der Trend hin zum weiblichen Fan.“
Frank Gimperlein Public-Viewing-Veranstalter

„Fußball ist so einfach“, sagt er auf die Frage, warum ein ganzes Land von dieser Sportart begeistert ist. Ein Ball, ein paar Leute und los geht's. „Jeder kann mitmachen, das ist schon anders als beim Stabhochsprung.“ Und die Regeln sind deutlich übersichtlicher als beim American Football oder beim Cricket. 1#googleAds#100x100

Gimperlein war von Anfang an ein Fan des FC Bayern München. Er hat seine Idole in Panini-Alben eingeklebt, er hat mit seinen Kumpels auf der Straße gekickt und die Tricks daheim weiter geübt. War gerade kein Fußball zur Hand, dann hat er es halt mit einem Luftballon probiert. Später hat er sich berufsbedingt aufs Fußballschauen verlegt. Es gibt kaum ein Turnierspiel der Deutschen, das er ab der WM 1998 verpasst hätte. Schon komisch, dass er jetzt zu den wenigen gehört, die die Spiele nicht gebannt verfolgen. „Wenn sich andere freuen, dann muss ich arbeiten“, erklärt der Veranstalter. Sobald der Platz leer geräumt ist, geht er nach Hause und schaut sich die Wiederholung an. „Natürlich ist es ein wenig seltsam, weil ich das Ergebnis schon kenne. Aber mich interessiert ja das Spiel an sich.“

Immerhin. Ganz ohne Emotionen muss Gimperlein die Europameisterschaft nicht an sich vorbeiziehen lassen. Die Begeisterung sieht er bei jedem Turnierspiel der deutschen Mannschaft in den Gesichtern der Zuschauer. Maximal 800 dürfen in den abgetrennten Bereich am Bleichwasen. Meistens ist es bislang voll gewesen– es sei denn, das Wetter spielte nicht mit.

Als Gimperlein in der Jugend spielte, war Fußball noch Männersache. „Seit der WM im eigenen Land hat sich das verändert“, sagt er. Der Trend geht hin zum weiblichen Fan. 2012 und 2014 gab es Spiele, bei denen mehr Frauen als Männer zum Public-Viewing an den Bleichwasen kamen. „Und die machen einen Event draus“, hat er beobachtet. Schwarz-rot-goldene Flaggen im Gesicht, Ketten um den Hals, Trikots: Frauen verkleiden sich häufiger als Männer – und beobachten die Spiele anders. „Natürlich kann man das nicht pauschalisieren“, betont der 28-Jährige. Aber grundsätzlich gelte: Die Männer fokussieren sich auf die Übertragung, analysieren und diskutieren, während manche Frauen während des Spiels tatsächlich ein Schwätzchen halten. „Aber sobald ein Tor fällt, jubeln sie kräftig mit.“

Maximal sechs Mal können die Kitzinger noch am Bleichwasen jubeln. Dann wäre Deutschland Europameister. Frank Gimperlein hätte nichts dagegen – vor allem, wenn das Wetter hält.

Wer wird Europameister?

Frank Gimperlein tippt auf drei Mannschaften: Frankreich wegen des Heimvorteils, Deutschland und Spanien wegen der besten Kader und größten Erfahrung.