Delißen: Weshalb wir unter anderem viel Wert auf Wertevermittlung und Demokratieverständnis legen. Für mich ist das die ureigene Aufgabe der Lehrkräfte. Das kann kein PC leisten.
Wie stellen sich die Lehrer auf die ständigen Veränderungen ein?
Robert Schöfer: Das ist sicher einer der größten Herausforderung an Berufsschulen. Die Berufswelt ist immer im Wandel. Und wir müssen Vorreiter sein, Entwicklungen rechtzeitig erkennen und die Weichen stellen. Wir besuchen daher viele Fortbildungen und sind ständig im Austausch mit den Betrieben und Kammern, der Agentur für Arbeit, dem Arbeitskreis Schule/Wirtschaft und vielen mehr.
Porzelt: Die enge Vernetzung und der direkte Kontakt zur Praxis ist sicher eine der großen Stärken der Berufsschulen.
Delißen: Theorie und Praxis müssen sich ergänzen.
Hinkt der Lehrplan dabei nicht notgedrungen dem schnellen Wandel hinterher?
Delißen: Diese Gefahr ist ständig vorhanden. Im Moment reden wir darüber, wie wir den Lehrplan bei den Winzern ändern können.
Neue Entwicklungen kosten Geld.
Delißen: So ist das. Und wir können froh sein, dass uns der Freistaat und der Landkreis als Sachaufwandsträger entsprechend unterstützen. Denken Sie nur an die Großmaschinen, die wir bei den Bäckern oder Landwirten brauchen. An beiden Standorten sollen in Kürze die notwendigen Sanierungen an den Gebäuden starten. Da werden einige Millionen Euro in die Hand genommen.
Porzelt: Für unsere Kfz-Mechatroniker werden wir für Schulungszwecke ein Elektroauto bekommen, zum Sonderpreis. Aber auch da sind schnell ein paar tausend Euro weg.
Schöfer: Die Berufe sind immer im Umbruch, neue Technik ist vonnöten. Denken Sie nur an die Digitalisierung.
Gleichzeitig müssen Sie auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren. Mit der Flüchtlingswelle wurden auch in Kitzingen Berufsintegrationsklassen gebildet. Wie viele solcher Klassen gibt es noch?
Delißen: Wir starteten 2014/2015 mit einer Klasse und 14 Schülern. Drei Jahre später hatten wir 238 Schüler in 13 Klassen. Aktuell sind es noch neun Klassen, in denen 142 Schüler unterrichtet werden.
Ein Auslaufmodell?
Delißen: Keinesfalls. Das Modell hat sich bewährt und wird auch in Zukunft benötigt.
Inwiefern?
Porzelt: Arbeitsmigration wird es immer geben. Wir können unser Konzept mit dem Abschluss eines Sprach-Diploms und der langsamen Heranführung an die hiesige Arbeitswelt auch auf spätere Generationen von Einwanderern übertragen.
Schöfer: In Deutschland werden Arbeitskräfte benötigt und in Ländern wie Spanien ist die Jugendarbeitslosigkeit sehr hoch. Da wird es auch in den kommenden Jahren einen Bedarf geben.
Gleichzeitig gibt es auch hierzulande junge Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen keinen Ausbildungsplatz gefunden oder ihre Ausbildung abgebrochen haben.
Delißen: Junge Menschen, um die wir uns besonders kümmern müssen. Ab dem kommenden Schuljahr werden wir für diese Gruppe deshalb eine Ganztagsbeschulung mit Praktikumsmöglichkeiten anbieten. Statt an einem Tag in der Woche, werden sie damit an allen Werktagen betreut.
Von wie vielen Schülern reden wir?
Schöfer: Derzeit 138. Die Zahl ist seit vier Jahren relativ stabil.
Die Zahl der Studenten steigt in Deutschland seit Jahren. Was spricht für eine Berufsausbildung?
Schöfer: Mit einer abgeschlossenen Ausbildung und der entsprechenden Motivation kann ich mich in einem Betrieb hocharbeiten, gutes Geld verdienen und ein glückliches und erfülltes Arbeitsleben erfahren.
Delißen: Ich habe Bäcker gelernt und dann mein Abitur auf dem beruflichen Bildungsweg nachgeholt. Die Erfahrungen aus der Lehrzeit haben mir sehr geholfen.
Porzelt: Wer nach einer Ausbildung unbedingt studieren will, der findet während des Studiums leichter einen Job, um nebenher Geld zu verdienen.
Das Staatliche Berufliche Schulzentrum umfasst neben den Berufsschulen mit Berufsfachschulen in Kitzingen und Ochsenfurt auch die Staatliche Wirtschaftsschule und die FOSBOS in Kitzingen.