Sorgen machen sie sich, aber gleichzeitig wollen sie den Mut nicht verlieren. „Wir werden schon einen Weg finden“, sagt Innungsobermeister Frank Ackermann. „Schreiner ist schließlich der schönste Beruf der Welt.“

Aus dem Handel und den Pflegeberufen kennt man die Klagen, von den Gastwirten und Hoteliers sind sie auch zu hören. Jetzt hat es also auch die Schreiner getroffen: Betriebe suchen händeringend nach Mitarbeitern – und die Zahl der Auszubildenden nimmt ab. 20 Schüler haben sich für das aktuelle Berufsgrundschuljahr (BGJ) angemeldet. So wenige wie schon lange nicht mehr“, sagt der Fachbetreuer Holzabteilung an der Berufsschule, Peter Nun. Dabei biete die Schule die besten Voraussetzungen für angehende Schreiner. „Und das BGJ liefert die notwendigen Grundlagen.“

Grundlagen und Teamgeist

Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Schreiner, nach dem BGJ stehen zwei Jahre duale Ausbildung an. Neun Wochen Blockunterricht wechseln sich mit praktischen Erfahrungen im Ausbildungsbetrieb ab. Sophie Fröhlich hat sich ganz bewusst für diesen Weg entschieden. Nach dem Abi an der FOS hätte sie die Ausbildung auch auf zwei Jahre verkürzen können. Die junge Frau aus Wiesenbronn wollte das BGJ aber ganz bewusst mitnehmen. „Hier werden die Grundlagen gelegt“, sagt sie. „Und ganz nebenbei Teamgeist entwickelt.“ Sophie Fröhlich kommt aus einem Weingut, hat sich aber für eine Schreinerlehre entschieden. „Das Handwerk hat mich schon immer interessiert“, sagt die 22-Jährige. „Und der Beruf des Schreiners ist total kreativ.“

Laurin Weigel hat seinen Realschulabschluss in Würzburg gemacht, ist dann ebenfalls auf die FOS. Mehrere Praktika hat er gemacht, bei der Kitzinger Schreinerei T.H. hat es ihm am besten gefallen. „Ich hätte mir auch andere Lehrberufe im Handwerk vorstellen können“, sagt er und muss lächeln. „Aber der angenehme Holzgeruch in der Werkstatt hat mich immer überwältigt.“

Die wichtigsten Voraussetzungen

Im Einzugsbereich der Kitzinger Berufsschule gibt es 60 bis 70 Betriebe, die junge Menschen im Schreinerhandwerk ausbilden können. „Die meisten machen das auch“, sagt Frank Ackermann. Die Bandbreite reicht von großen Arbeitgebern wie seiner eigenen Firma mit ihren 120 Mitarbeitern bis hin zu spezialisierten Ein-Mann-Betrieben, die ebenfalls Lehrlinge suchen. Ein räumliches Vorstellungsvermögen und Kenntnisse in der angewandten Mathematik sind laut Ackermann die wichtigsten Voraussetzungen für eine Schreinerlehre. Vom Förderschüler bis zum Studenten mit Abschluss ist die Bandbreite der jungen Menschen in der Berufsschule sehr groß.

Wer die Ausbildung abschließt, dem stehen alle Tore offen, versichert Frank Ackermann. Nicht nur innerhalb der Schreiner-Branche, sondern auch darüber hinaus. „Man lernt, mit verschiedenen Werkstoffen umzugehen“, erklärt er. Diese „Multi-Materialfähigkeit“ gebe es in den meisten anderen handwerklichen Ausbildungsrichtungen nicht. „Sobald man eine Fachkraft ist, hat man einen sicheren Job fürs Leben“, versichert der Obermeister der Innung, der im Moment selbst 20 junge Menschen in seinem Betrieb ausbildet. „Die meisten zum Schreiner.“

Wegen Corona kaum Praktika

Auch wenn sich Peter Nun und Frank Ackermann über die sinkenden Zahlen im BGJ Gedanken machen und sich Maßnahmen überlegen, um wieder mehr junge Menschen von ihrem Beruf zu überzeugen: Panik kommt angesichts der aktuellen Entwicklung nicht auf. „Wegen Corona konnten die Betriebe weniger Praktika als normal anbieten“, erklärt Frank Ackermann und Praktika sind erfahrungsgemäß der erste Schritt zu einer Ausbildung. Peter Nun verweist auf die Statistik. Es kommen auch wieder geburtenstärkere Jahrgänge. Bis dahin stehen denjenigen, die den „schönsten Beruf der Welt“ ergreifen möchten, alle Türen offen.