Die Maske sitzt, der Spuckschutz im Kassenbereich ist montiert, Desinfektionsmittel und Handschuhe stehen bereit: Monika Henneberger freut sich darauf, nach sechs Wochen Corona-bedingter Schließung wieder Kunden in ihrem Friseursalon empfangen zu dürfen. „Endlich können wir unsere Dienstleistung wieder anbieten.“

Dass dringend mal wieder ein Friseurbesuch fällig wäre, ist vielen Leuten mittlerweile anzusehen. Der Pony reicht bis zum Kinn, die Nackenhaare über die Schulter, der Ansatz ist grau, von einer Form der Haarpracht ist nichts mehr zu erkennen. Die Friseure hatten das vor Augen, doch tätig werden durften sie nicht, auch wenn es sie sicher in den Fingern gejuckt hat. Umso größer die Erleichterung, als Ministerpräsident Markus Söder am 16. April verkündete, dass die Friseure ab dem 4. Mai wieder öffnen dürfen. Weil viele Salons traditionell montags geschlossen sind, machen die meisten am morgigen Dienstag, 5. Mai, wieder auf.

So wie die Obermeisterin der Kitzinger Friseurinnung, Monika Henneberger, die einen Salon in Mainbernheim betreibt. Seit Verkündung des Wiedereröffnungstermins hatte sie alle Hände voll zu tun, um ihren Salon vorzubereiten, ihre Mitarbeiter zu schulen, sich bei Videokonferenzen mit der Innung zu informieren und ihre Erkenntnisse an die Kollegen im Landkreis weiterzugeben, damit die wissen, was erlaubt ist und was nicht. Sie hat Desinfektionsmittel gekauft und Mund-Nasenschutz, Einmalhandschuhe und Einwegumhänge – obwohl auch Umhänge verwendet werden dürfen, die nach der Nutzung nicht entsorgt, sondern gewaschen werden. „Es war gar nicht so leicht, das alles zu bekommen“, erzählt Henneberger.

Im Kassenbereich hat sie eine Plexiglasscheibe als Spuckschutz einbauen lassen, im Laden und an der Tür Hinweisschilder für die Kunden angebracht und unzählige Terminanfragen entgegengenommen. Nach teilweise mehr als sechs Wochen warten viele sehnsüchtig darauf, sich die Haare schneiden zu lassen. In so manchem Salon klingelte das Telefon bis in die Nacht hinein.

Monika Henneberger möchte den Kunden ausdrücklich danken, dass sie diese lange Zeit gewartet haben und ihren Friseuren treu geblieben sind. „Ich freue mich darauf, meine Kunden jetzt wieder verwöhnen zu dürfen“, sagt sie, und fügt „so gut es geht“, an. Ganz ohne Abstriche geht es aufgrund der Vorgaben nicht.

Schnitt und Farbe

„Wir bieten unsere gewohnten Dienstleistungen an, mit Ausnahme der Behandlungen im Gesicht“, betont Henneberger. Das bedeutet, dass die Haare nicht nur geschnitten, sondern auch gefärbt oder Strähnchen gezogen werden dürfen. An Augenbrauen und Wimpern dagegen darf der Friseur nicht ran, kein In-Form-Schneiden, kein Färben. „Da würden wir direkt vor dem Gesicht arbeiten, das geht nicht“, stellt die Innungsobermeisterin klar. Dass Rasuren und alle anderen Bart-Arbeiten hinfällig sind, versteht sich von selbst – schließlich müssen die Kunden beim Friseurbesuch einen Mund-Nasenschutz tragen. Genauso wie die Friseure. Monika Henneberger hat die Ausstattung für ihre Mitarbeiter besorgt. Die Kunden müssen ihren Schutz selbst mitbringen. „Höchstens wenn er beim Haare waschen nass wird, könnten wir einen Ersatz anbieten“.

Haare waschen ist beim Friseurbesuch jetzt Pflicht. „Es reicht nicht, wenn der Kunde sie daheim schon gewaschen hat“, betont Henneberger. Das Robert Koch Institut könne nicht ausschließen, dass sich auf dem Weg zum Friseur Viren in den Haaren festsetzen. Selbst vor dem Färben steht daher jetzt eine Haarwäsche im Salon an – obwohl die Mittel auf trockenem Haar angewendet werden. Also wird zwischendurch geföhnt.

Zeiten dokumentieren

Voraussetzung für einen Besuch beim Friseur ist eine vorherige telefonische Terminvereinbarung, um den Kundenstrom steuern zu können. Dabei werden Name und Kontaktdaten vermerkt. Das gehört zur Dokumentationspflicht, genauso wie das Notieren der Zeit, zu der der Kunde den Salon betritt und wieder verlässt. Das ist nötig, um bei einem eventuellen Corona-Fall die Infektionskette nachvollziehen zu können. Wer Symptome zeigt oder erkältet ist, soll erst gar nicht zum Friseur gehen und einen eventuell vereinbarten Termin auf jeden Fall absagen.

Abstand und möglichst wenig Kontakt – das sind wichtige Regeln, die es zu beachten gilt. Die Salons haben die Zahl der Kundenplätze reduziert, damit die 1,5 Meter Abstand eingehalten werden können. Es gibt keine Wartebereiche mehr – wer zu früh kommt, muss draußen warten. Begleitpersonen dürfen nicht mehr mitkommen, außer in wenigen Ausnahmefällen, zum Beispiel bei kleinen Kindern. Wer den Salon betritt, muss am Eingang erst mal Halt machen und die Hände desinfizieren oder gründlich waschen. Es gibt keine Garderobe, keine Zeitschriften und keine Getränke. So soll möglichst vermieden werden, dass jemand das Virus weiterträgt.

Dass der Friseur dem Kunden während des Haareschneidens näher als 1,5 Meter kommt, lässt sich nicht vermeiden. Daher tragen beide den Mund-Nasenschutz, Monika Henneberger hat sich zusätzlich ein Visier besorgt. „Als ich es vor fünf Wochen gekauft habe, dachte ich, das reicht“, erzählt sie. Inzwischen steht fest, dass ein Mund-Nasenschutz Pflicht ist. Der Friseur muss ihn nach jedem Kunden auswechseln, neue Handschuhe anziehen und seine Arbeitsgeräte reinigen. Die werden dann am Abend desinfiziert, was aber nichts Neues ist. „Hygiene ist in unserem Beruf schon immer wichtig.“

Aufgrund der Abstandsregel können viele Salons jetzt weniger Kunden bedienen als bisher. Zudem ist der Aufwand größer, nicht nur wegen des vermehrten Haarewaschens. Mehr Desinfektionsmittel, mehr Handschuhe, mehr Einmal- oder Einwegumhänge für die Kunden werden gebraucht, teilweise wurden Trennwände zwischen den Kundenplätzen oder Waschbecken eingebaut. Damit steigen die Kosten für die Friseure. Was nicht ohne Folgen bleibt: „Aufgrund der großen Auflagen, müssen wir die Preise anpassen“, sagt Monika Henneberger ganz klar.

Geduld und Verständnis

Für die etwa 50 Friseursalons im Landkreis Kitzingen ist die Situation nicht einfach. Sie hatten in den letzten mindestens sechs Wochen keinerlei Einnahmen, mussten ihre Dauerkosten wie Miete aber trotzdem zahlen. Zudem fallen viele Kundenkreise weg – es gibt keine Hochzeiten, keine Abschlüssbälle, vor denen sich die Damen sonst beim Friseur schick machen und schminken lassen. Monika Henneberger hofft, dass alle Betriebe die Krise überstehen. Und sie hofft auf das Verständnis der Kunden. Nicht nur, was die Preise angeht.

„Viele Abläufe im Salon sind neu, auch wir müssen uns erst daran gewöhnen.“ Die derzeitige Situation verlange von allen Beteiligten Umsicht, Verständnis und Geduld – wobei Geduld nicht nur die Fähigkeit sei, zu warten, „sondern die Fähigkeit, beim Warten gut gelaunt zu sein.“