Der Wald. Ein Ort, an den man sich zurückzieht, wenn einem das Leben zu laut wird. Ein Ort, an dem man das Rauschen des Windes spürt, Tierstimmen hört, geheimnisvolle Geborgenheit fühlt. Der Wald ist aber auch ein genialer Ort zum kreativen Arbeiten. Das jedenfalls finden fünf Bildhauer, die derzeit auf dem Friedrichsberg dicke Holzstämme in Kunstwerke verwandeln.
Dort, wo früher die Autos der Besucher standen, die vor der Friedrichsberg-Gaststätte ein kühles Radler tranken und den Blick hinunter Richtung Maintal genossen, hantieren noch bis zum morgigen Samstag zwei Frauen und drei Männer mit Motorsäge und feinem Schneidwerkzeug. Zum „Holz-Bildhauer-Symposium“ hat das Kitzinger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten anlässlich der „Woche des Waldes“ eingeladen. Unterstützt von der Castell-Bank, der Castellschen Forstverwaltung und dem Forstbetrieb Arnstein der Bayerischen Staatsforsten inszeniert Amtsleiter Klaus Behr „Kunst im Wald“. Wer möchte, kann den frei schaffenden Bildhauern, die im „wahren Leben“ auch mit anderen Materialien arbeiten, beim Verwandeln der schweren Kiefern-, Pappel- und Eichenstämme über die Schulter schauen.
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Kunst kommt von Können. „Auch die Gestaltung der Wälder folgt im weitesten Sinne kunsthandwerklichen Gesichtspunkten“, betont Klaus Behr. Nicht umsonst werde die Forstdisziplin, die sich mit Waldverjüngung und -pflege befasst, als „Waldbau“ bezeichnet. „Wald und Kunst brauchen beide aber auch Liebe!“, ist Behr sicher. Wer die Liebe zum Wald oder zur Kunst nicht tief in sich trägt, der werde letztlich keinen Erfolg haben – weder als Waldbauer noch als Künstler.
„Symposium: Arbeiten und feiern“
Das sehen die fünf Symposiums-Teilnehmer ähnlich. Seit Mittwoch leben sie auf dem Friedrichsberg, übernachten in der alten Gaststätte und arbeiten direkt am Waldrand. „Wissen Sie, was Symposium heißt?“, fragt Willi Grimm, um gleich selbst zu antworten: „Symposium heißt: Arbeiten und feiern. Das war schon bei den alten Griechen so.
“ Grimm ist 89 Jahre alt und Stammvater der gleichnamigen Künstlerfamilie. Sein Enkel Andreas, der Kunst & Design studiert, ist mit ihm auf den Friedrichsberg gekommen. „Er musste natürlich den größten Stamm haben“, zieht der Kleinrinderfelder den jungen Mann auf. „Mal sehen, was er damit anstellt.“
Zur „Halbzeit“ gestern war nicht nur Andreas' Stamm bereits ein Hingucker. Der gebürtige Oberfranke Hans Doppel, der in Haßfurt lebt, arbeitete an den Stufen seiner „Lebenstreppe“ und sinnierte dabei: „Als Künstler ist man Mittler zwischen Himmel und Erde.“
Ganz irdischen Muskelkater befürchtete dagegen Eva-Maria Mandok aus Nürnberg-Feucht. Aus ihrem Kiefernstamm mit ausgeprägter Maserung arbeitete sie mit einer schweren Motorsäge große „Blätter“ heraus. „Aus Altem soll Neues sprießen“, erklärte sie, während ihr der Schweiß von der Stirn lief. Die Dresdenerin Kornelia Thümmel schuftete in der prallen Sonne an einer Menschenfigur.
Die Künstler hatten im Vorfeld Modelle oder Zeichnungen ihrer Objekte erstellt. Kleine Änderungen vor Ort sind aber nie ausgeschlossen. Denn anders als zu Hause im Atelier wird auf dem „wunderschönen Platz“ (Kornelia Thümmel) am Friedrichsberg neben- und miteinander gearbeitet. „Hier kann man sich austauschen, Gespräche führen, die Schaffensweise der anderen miterleben“, freut sich Eva-Maria Mandok.