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Hofübergabe: Ein Vorbild für andere?

August Hopf findet in der eigenen Familie keinen Nachfolger für seinen landwirtschaftlichen Betrieb. Also kommt er auf eine ungewöhnliche Idee.
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Fachgespräch unter Kollegen: August Hopf und Christian Streckfuß machen gemeinsame Sache. Der Altbürgermeister von Martinsheim hat seinen gesamten Betrieb an den 38-Jährigen verpachtet – und arbeitet künftig als 450-Euro-Kraft weiter. Fotos: Ralf Dieter Foto: Ralf Dieter
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Es ist ein ungewöhnlicher Schritt. Aber einer, der für beide hilfreich ist. Was August Hopf und Christian Streckfuß vereinbart haben, könnte als Vorbild dienen. Landwirtschaftliche Betriebsübergaben stehen in den kommenden Jahren schließlich viele an.

Gut ein Drittel der deutschen Landwirte ist älter als 55 Jahre. Die Betriebsnachfolge ist in vielen Bauernfamilien ein Thema. „Unsere beiden Töchter haben sich anders entschieden“, sagt August Hopf. Seit drei Generationen ist sein Hof in Martinsheim bewirtschaftet worden. Rinder, Schweine und Pferde gab es einst, mitten im Ort. August Hopf hat sich auf Schweinemast und Ackerbau konzentriert.

Der Stall mit 600 Schweinen steht längst außerhalb von Martinsheim, die Fläche, die er zuletzt mit Gerste, Weizen, Zuckerrüben, Sonnenblumen und Sojabohnen angepflanzt hat, beträgt rund 40 Hektar. „Plus 36 Hektar Pachtfläche.“

„Beide Seiten sollten von dem Modell leben können.“
August Hopf, hat seinen Betrieb verpachtet

Was tun mit all dem Ackerland und den Tieren? Der ehemalige Bürgermeister ist mittlerweile 65 Jahre alt. Die Zeit drängte. Der Zufall kam ihm zu Hilfe.

„Normalerweise werden die Ackerflächen dem höchst bietenden verpachtet“, erklärt Hopf. Mit den Tieren ist es deutlich schwieriger. „Ich wollte eine einvernehmliche Lösung.“ Lieber weniger Geld verdienen, aber dafür ein gutes Gefühl haben. „Beide Seiten sollten von dem Modell leben können“, beschreibt er seine Zielsetzung. Als Christian Streckfuß in den Ort zog, bahnte sich eine solche Lösung an. Seit dem letzten Jahr hat er den gesamten Betrieb gepachtet und seinen Vorgänger auch noch als Arbeitskraft gewinnen können. „Auf 450 Euro-Basis“, sagt Hopf und lacht. Hätte er vor ein paar Jahren auch nicht für möglich gehalten.

Christian Streckfuß ist 38 Jahre alt. Er kommt aus einem landwirtschaftlichen Betrieb bei Uffenheim, hat sich in Triesdorf zum Techniker ausbilden lassen. Die Liebe hat ihn nach Martinsheim gebracht. Streckfuß weiß, welche Herausforderungen Landwirte zu bewältigen haben. Dennoch hat er sich für diesen Schritt entschieden. „Weil es trotz allem ein Traumberuf ist“, sagt er. Zusammen mit dem elterlichen Betrieb, den er in Kürze überschrieben bekommt, hat er rund 800 Schweine und etwa 80 Hektar Ackerfläche zu betreuen.

„Wenn du heute einen landwirtschaftlichen Betrieb übernimmst, dann musst du voll dahinterstehen“, sagt August Hopf und sein jüngerer Kollege nickt.

Die Zeiten, als man mit dem bloßen Anbau von einem Dutzend Hektar Zuckerrüben gutes Geld verdiente, seien längst vorbei. Der Druck auf die Branche wächst. Auch der psychische. „Nicht umsonst ist die Suizidrate bei Landwirten höher als in anderen Berufen“, sagt Hopf und schaut nachdenklich über seine Felder. In den USA beispielsweise liege sie unter Farmern dreimal so hoch wie im Rest der Bevölkerung und damit noch viel höher als in Deutschland. „Das zeigt, dass Wachstum alleine die Probleme nicht löst“, so Hopf.

Der 65-Jährige hat Elektrotechnik studiert. Als sein Bruder früh verstarb, hat er den elterlichen Betrieb übernommen. „Ich habe es nie bereut“, versichert er. Christian Streckfuß will das in 30 Jahren auch einmal behaupten. „Dafür müssen aber die Rahmenbedingungen passen“, meint er. Nicht nur die Landwirte selbst seien in der Pflicht, auch die Politiker und die Verbraucher müssten ihren Teil beitragen, damit sich die Landwirtschaft in Deutschland auch in drei Jahrzehnten noch rentiert. Derzeit gäbe es zu viele Hürden und Ungerechtigkeiten.

Beispiel Pflanzenschutz: In Ländern wie Polen oder Rumänien gibt es deutlich weniger Auflagen und für die Produktion von Zuckerrüben überdies eine Förderung von 600 Euro pro Hektar. „In Deutschland schon länger nichts mehr“, betont Streckfuß. Sein Vorwurf: Als deutscher Landwirt müsse man mit dem Weltmarkt konkurrieren, aber schon innerhalb der EU seien die Voraussetzungen ungleich.

Beispiel Gülleausbringung: August Hopf praktiziert seit vielen Jahren die bodennahe Ausbringung, wie sie ab diesem Herbst von allen Landwirten gefordert wird. „Dank unserer örtlichen Maschinengemeinschaft lagen die Ausbringungskosten bei rund vier Euro pro Kubik“, erklärt er. Bislang ist diese Methode mit 1,50 Euro pro Kubik gefördert worden. Jetzt fällt die Förderung weg. „Aber die Anschaffungskosten für die neuen Gerätschaften sind nach wie vor hoch“, ärgert sich Streckfuß.

Beispiel Tierwohl: Eine artgerechte Haltung ist ohne den Umbau von Ställen nicht zu machen. Und der kostet Geld. Geld, das sich irgendwann wieder amortisieren müsste. „Das geht nur mit den Verbrauchern.“

Die greifen aber nach wie vor in großer Zahl nach der Billigware in den Discountern. „Die Wertschätzung für unsere Lebensmittel ist im Keller“, ärgert sich der 38-Jährige. Etwa zehn Prozent ihres Einkommens geben deutsche Verbraucher für Lebensmittel aus.

„Die Wertschätzung für unsere Lebensmittel ist im Keller.“
Christian Streckfuß, hat den Betrieb gepachtet

In Frankreich oder Spanien liegt die Rate bei 15 bis 20 Prozent. „Da müssten wir auch hinkommen“, wünscht sich der Landwirt. Wenn nebenher der überbordende Bürokratismus gesenkt wird, kann er sich eine gute Zukunft als Landwirt vorstellen.

Vor 20 Jahren waren die 76 Hektar, die August Hopf zuletzt bewirtschaftete, noch absolut auskömmlich. „Vor allem, wenn man viel Zuckerrüben hatte.“ Mit den Jahren ist es immer schwieriger geworden. „Du drehst dich im Kreis“, beschreibt Christian Streckfuß seine Gefühle. Dennoch hat er den besonderen Weg mit August Hopf gewählt. Ein Weg, von dem er überzeugt ist. Ein Weg, der für andere Landwirte vielleicht als Vorbild dient.