„Ein junger Hund bedeutet Stress“
Warum ist das bei den Stephans anders? „Natürlich sind ältere Hunde immer ein Überraschungspaket“, sagt Peter Stephan. „Sie können krank werden und vielleicht stehen hohe Tierarztkosten ins Haus.“ Doch das Alter habe auch Vorteile, die so manchen Nachteil aufwiegen: „Ein junger Hund bedeutet Stress und viel Erziehungsarbeit. Ein alter Hund kennt sich schon im Leben aus, mit ihm ist es viel chilliger und gemütlicher.“
Die Stephans finden es zudem schade und traurig, „wenn ältere Hunde im Heim leben müssen oder dorthin abgeschoben werden“. Da gebe es durchaus Parallelen zu älteren Menschen. „Wenn das möglich ist, ist es in vielen Fällen besser und schöner, wenn sie in einem familiären Umfeld leben können.“
Und wenn es irgendwann nicht mehr geht? „Wir haben, Gott sei Dank, beide keine Probleme damit, ein Tier zu erlösen, wenn der Abschied unumgänglich ist“, stellt Christiane Stephan fest. Die 48-jährige Physiotherapeutin, die auch auf einer Palliativstation arbeitet, sagt: „Ich bin froh, dass man Tiere nicht unnötig leiden lassen muss, sondern dass sie sanft einschlafen dürfen, wenn das Ende unweigerlich kommt.“
Auch Peter Stephan musste schon oft Abschied nehmen. Er ist mit Hunden aufgewachsen. „Der Tod gehört nun mal zum Leben dazu, ob uns das gefällt oder nicht“, sagt der 54-jährige Kesselwärter, der sein Geld im Kraftwerk der Uni Würzburg verdient. „Aber deswegen ganz auf die Gesellschaft von Tieren zu verzichten? Nein, das ist doch Quatsch. Es ist einfach schön, wenn ein Hund da ist, denn der lügt nicht, der betrügt nicht, ist treu und einfach so, wie er eben ist.“ Christiane Stephan gibt ihrem Mann recht: „Ein Hund ist immer ehrlich, der verstellt sich nicht. Wenn er dich mag, mag er dich. Das ist doch toll.“
Eigentlich wollten die Stephans nach Connys Tod erst einmal eine Hunde-Pause machen“, erzählt Peter Stephan. Doch dann erhielt er im August eine Mail von Iris von Crailsheim. Sie erzählte von Viktor, einem weißen Labrador-Mix, der aus einer Tötungsstation in Rumänien gerettet wurde und nun seit einem halben Jahr im Kitzinger Tierheim lebt. Viktor werde vom Tierarzt auf neun Jahre geschätzt und sei ein sehr netter Hund, schrieb die Tierschützerin; er tue allen im Tierheim leid.
„Peter Stephan hat noch am gleichen Tag geantwortet“, erzählt Iris von Crailsheim mit einem ebenso frohen wie dankbaren Lächeln. „Er hat 'ja' gesagt: 'Ja, wir nehmen ihn.'“
Also brachte von Crailsheim den tauben und stark sehbehinderten Viktor nach Iphofen. „Das Kennenlernen war super. Er hat uns gleich gemocht. Und wir ihn auch“, erzählt Emma Stephan. Die Achtjährige hat keinerlei Berührungsängste – und Viktor genießt ihre Zuwendung und die vielen Streicheleinheiten, die sie ihm schenkt.
Ansonsten ist das Familienleben jetzt „irgendwie wieder komplett“, meint Peter Stephan mit einem Augenzwinkern. „Der Viktor hatte in den ersten Tagen ein bisschen Angst, er hat zweimal in die Wohnung gepinkelt. Aber dann nicht mehr. Trotzdem ist er ein ganz Vorsichtiger – wahrscheinlich weil er sich nicht so gut auf Augen und Ohren verlassen kann.“ Anfangs sei er nur zu seinem Fressnapf gegangen, wenn niemand in der Nähe war. „Anscheinend hat er schlechte Erfahrungen gemacht. Vielleicht wurde er beim Fressen getreten oder geschlagen.“
Mittlerweile habe er aber gelernt, dass er in Iphofen nichts zu befürchten hat. Umgekehrt gilt Dasselbe: „Mit Viktor in ein Restaurant zu gehen, ist überhaupt kein Problem“, sagt Christine Stephan und krault dem weißen Rüden dabei anerkennend den Hals: „Er verträgt sich mit jedem und bleibt einfach brav am Tisch sitzen. Er passt wirklich gut zu uns.“
INFOS: Derzeit warten 20 Hunde und ebenfalls 20 Katzen im Tierheim auf jemanden, der ihnen ein Zuhause geben möchte. Besondere Sorgenkinder des Teams, dem wegen der Zukunft des maroden Tierheim-Gebäudes ohnehin bange ist, sind die beiden Hunde-Pärchen Fee & Trixie (kleine Cavalier-King-Charles-Spaniels) und Cindy & Aischa (reinrassige Yorkshire-Terrier), die lebenslang Medikamente und eine besondere Umsorgung brauchen, sowie die schwer vermittelbaren, die schon lange im Tierheim leben: Cocker-Spaniel Jimmy, die weiße Mischlingshündin Lola, die hübsche schwarze Lady... Alle Infos: www.tierheim-kitzingen.de