Die Weinlese beginnt. Die Winzer freuen sich auf gut ausgebildete und leckere Trauben. Sie sind nicht die Einzigen. Im Erdreich lauern Fressfeinde: Mäuse.

Der Winter war mild, die Population hat sich aufgebaut. „In manchen Regionen haben wir tatsächlich sehr viele Mäuse“, sagt der Leiter des Instituts für Weinbau an der LWG, Georg Bätz. Rund um Sommerach und Nordheim sei der Bestand hoch, in Iphofen berichtet ein Winzer, dass es Mäuse wie Sand am Meer gebe. In anderen Regionen seien die Nager dagegen kaum zu sehen.

„An diesen Fraßstellen entstehen oft Fäulnisherde“
Beate Leopold, Weinbauring

Mäuse können durchaus zum Problem für Winzer werden. Finden sie kein anderes Futter, machen sie sich über die Trauben her. Ganze Trauben fressen die Nager meistens nicht, sie ritzen allerdings die Oberfläche an. Und das kann schon zu erheblichen Schäden führen. „Das sind Eintrittstellen für schädliche Pilze“, erklärt Bätz. Solche Trauben dürften keinesfalls gelesen werden. „An diesen Fraßstellen entstehen oft Fäulnisherde“, erklärt Beate Leopold, Geschäftsführerin des Weinbaurings. Anders als Wespen, die oft die ganze Beere aushöhlen, nagen die Mäuse viele Beeren oberfächlich an. „Das sorgt für viele Wunden, die infiziert werden können.“

Was also tun gegen die Tiere? Die LWG empfiehlt, den Boden zu bearbeiten, um die Gangsysteme zu zerstören. Eine kurze Begrünung würde den Mäusen außerdem keine Deckung bieten. Auf der anderen Seite dient eine saftreiche Begrünung auch als Futter für die Tiere. „Erst, wenn sie kein anderes Futter mehr finden, machen sie sich an den Trauben zu schaffen“, erklärt Bätz. In der Regel knabbern Mäuse nur die reifen Träubel an – heuer war das an vielen Orten anders. Den Tieren hat im August schlichtweg Wasser gefehlt.

Wer die Mäuse bekämpfen will, der kann den Boden durchfräßen oder jedes Mauseloch per Hand verstopfen. Eine Menge Arbeit.

Kein Wunder, dass es auch Weingüter gibt, die zu einem anderen Mittel greifen: zu gifthaltigen Präparaten. Beate Leopold geht davon aus, dass es nur ein paar wenige Betriebe sind, die diesen Weg gehen. Er ist durchaus mühevoll.

Bevor die Giftpräparate ausgelegt werden dürfen, müssen die Betriebe nachweisen, dass die entsprechende Schadschwelle erreicht ist. Dafür müssen alle Mauselöcher auf einem Gebiet von 250 Quadratmetern zugetreten werden. Finden sich am nächsten Tag mehr als fünf bis zehn frisch geöffnete Löcher in diesem Bereich, ist die Grenze überschritten. Dann dürfen auch Giftköder ausgelegt werden.

Empfohlen werden den Winzern Präparate mit dem Wirkstoff Zinkphosphid. Der bildet nach Aufnahme im Magen der Mäuse das so genannte Phosphin, ein starkes Stoffwechsel- und Nervengift, das die Mäuse in kurzer Zeit tötet. Der Vorteil des Präparats liegt laut LWG darin, dass es in der Maus wieder schnell abgebaut wird. Tiere, die tote Mäuse aufnehmen, seien durch das Gift nicht mehr gefährdet.

Auf eine ganz andere Abwehrmethode setzt der Vorstandsvorsitzende der GWF, Andreas Oehm: auf „Flugabwehr“. Mäuse sind nach seiner Erfahrung schon immer ein Teil der Weinberge gewesen. Nach seiner Beobachtung gebe es in diesem Jahr in der Regel auch nicht mehr Tiere als sonst. „Aber die Aufmerksamkeit ist wegen der großen Frostschäden in manchen Gebieten größer geworden“, vermutet er. Jeder kleine Schaden werde genau beobachtet. Oehm empfiehlt, Sitzstangen für Greifvögel in den Weinbergen anzubringen. Dort könnten Bussarde oder Milane landen, um von diesen Aussichtspunkten aus auf Jagd nach Beute zu gehen.

Beate Leopold geht davon aus, dass manche Winzer wegen der Schäden durch die Nager früher als sonst lesen. „Mit Sicherheit wird das Thema eine selektive Lese mit sich bringen“, sagt sie. Die sei in diesem komplizierten Weinjahr mit Frost im Mai und Trockenheit im August aber sowieso nötig.

„Erst, wenn sie kein anderes Futter mehr finden, machen sich die Mäuse an den Trauben zu schaffen.“
Georg Bätz, LWG

„Die Trauben haben sich in den Weinbergen sehr unterschiedlich entwickelt“, erklärt sie. Wer dennoch zu einer Bekämpfung mit Hilfe von Giften greift, muss einige Vorschriften beachten. Die Giftkörner dürfen in keinem Fall an der Oberfläche bleiben, weil sie eine große Vergiftungsgefahr für andere Tiere darstellen. Sie sollten bei trockener Witterung in die Mauselöcher eingebracht werden, da sie sich bei feuchten Böden auflösen und der Wirkstoff vergast. Die Mäuse nehmen die Präparate dann nicht auf. Andere Tiere könnten sich in diesem Fall vergiften. Und: Die Präparate müssen in Behältern ausgebracht werden. „Die Methode mit Giftpräparaten ist in Franken nicht weit verbreitet“, ist sich Beate Leopold sicher. Der Aufwand sei zu groß. „Und letztendlich kann ich eh nicht alle Mäuse bekämpfen.“