Der Begriff ist sperrig, die Idee dahinter könnte man durchaus als wegweisend bezeichnen: Die Realschule Dettelbach darf sich seit kurzem "Partnerschule Verbraucherbildung Bayern" nennen. Ziel hinter dem Projekt ist es, dass sich Schüler verstärkt mit Verbraucherfragen auseinandersetzen und Alltagskompetenzen stärken.
Im IT-Raum der Staatlichen Realschule Dettelbach sitzen fünf Jungs und ein Mädchen am Computer und füllen Tabellen aus. Wie war das letzte Woche im Supermarkt? Sind sie gegen den Uhrzeigersinn gelaufen? Ja. Gab es in den verschiedenen Abteilungen unterschiedliches Licht? Ja. Bremsten Hindernisse das Tempo? Ja. Stand das Obst- und Gemüse am Anfang? Ja. Lag die Temperatur wirklich bei 19 Grad, was angeblich die ideale Einkaufstemperatur ist? Es war die einzige Frage, die die Jugendlichen mit Nein beantworteten: 21 Grad hatten sie gemessen.
300 Euro Preisgeld
Es sind Fragen, mit denen wir uns beim Einkauf im Normalfall nicht auseinandersetzen. Die zu betrachten aber sehr interessant ist. Die Schüler des Wahlfaches Verbraucherschutz der Dettelbacher Realschule haben es gemacht. Sie waren einkaufen und haben den „Supermarkt-Check“ durchgeführt. So wie ihre Vorgänger im Kurs im vergangenen Jahr, elf Schüler nahmen damals teil. Neun von ihnen haben sich anschließend entschlossen, sich mit Lehrer Roman Kruse am Wettbewerb des Verbraucherservices Bayern zu beteiligen.
1#googleAds#100x100
Sie waren erfolgreich: Die Dettelbacher Schule darf sich jetzt nicht nur Partnerschule Verbraucherbildung Bayern nennen, sondern hat auch noch ein Preisgeld in Höhe von 300 Euro abgesahnt. Das gab es nur für die fünf besten der zwölf nordbayerischen Schulen, die teilgenommen haben. Die Ehrung durch das Verbraucherschutzministerium und das Kultusministerium fand am 6. Oktober in Bayreuth statt. Ein Schild im Eingangsbereich der Schule weist jetzt auf den Erfolg hin.
Im Supermarkt, in der Drogerie, in der Bank, bei McDonalds, beim Radiosender, in der Verbraucherschutzzentrale: Die Schüler waren viel unterwegs im vergangenen Jahr. Um in der Praxis zu erarbeiten, was unseren Alltag prägt. „Das hat voll Spaß gemacht“, erzählt Antonia Kravak begeistert. Obwohl manches Ergebnis erschreckend war.
Die Schüler haben über eine App in der Drogerie die Kosmetikartikel auf ihre Inhaltsstoffe gecheckt, sich die Nährwerte von Burger, Döner und Donuts angeschaut, erkundet, wie die Ernährung eigentlich aussehen sollte, wenn man gesund bleiben will. In der Bank haben sie erfahren, wie man Falschgeld erkennt und welche Versicherungen es wirklich braucht, im Radiosender beobachtet, was live gesprochen wird, und was aus der „Dose“ kommt. Und sie haben gefragt, ob manche Lieder jede Stunde gespielt werden – so wie es dem Hörer manchmal vorkommt. Sie wissen jetzt: Der Eindruck täuscht.
Vor allem der Besuch im Supermarkt hat sich bei Antonia eingeprägt. Die 14-Jährige weiß jetzt, dass Obst am Anfang des Einkaufs platziert wird, weil es schön und frisch aussieht und damit gute Laune macht. „Dann kauft man mehr ein. “ Die Böden der Einkaufswägen sind schief, damit die Ware in den toten Winkel rutscht und es aussieht, als hätte man noch gar nicht viel gekauft. „Die sorgen für unterschiedliches Licht, versprühen Duftstoffe und machen harmonische Musik.“ Alles das war ihr zuvor gar nicht aufgefallen. „Ich hätte nie gedacht, dass es so viele Tricks gibt.“ Tricks, auf die sie jetzt auch ihre Familie aufmerksam macht – genauso wie auf die anderen Dinge, die sie gelernt hat. Welchen Schluss sie am Ende des Jahres aus dem neuen Wissen für sich gezogen hat? „Ich bin jetzt viel vorsichtiger.“