Bäcker plant kurioses "Hotel" - erstes seiner Art in Deutschland

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Kieler Bäcker will Sauerteighotel eröffnen
Das Hotel ist ein Holzregal und hat Platz für 15 Sauerteige.
Kieler Bäcker will Sauerteighotel eröffnen
Frank Molter/dpa

Wenn ein Hobby-Bäcker in den Urlaub fahren will, hat er es oft schwer. Denn der Sauerteig will regelmäßig gefüttert werden. Ein Bäcker aus Norddeutschland will da helfen.

Vor allem im Sommer stehen viele Hobby-Brotbäcker vor einer großen Herausforderung: Was macht man mit dem Sauerteig während des Urlaubs? Ein Kieler Bäcker verspricht nun Abhilfe. David Schöne eröffnet am Samstag in seiner Bäckerei eine Betreuungsstelle für solche Teige. Die Kieler Nachrichten hatten davon berichtet.

"Wir eröffnen Deutschlands erstes Sauerteighotel", sagt der Norddeutsche. Trotz intensiver Suche habe er in Deutschland nichts Vergleichbares entdeckt. Der Name des Hotels "The Grand Dough" klingt zwar verheißend - tatsächlich handelt es sich aber um ein Holzregal an der Wand der Backstube, mit Platz für 15 Gläser mit Sauerteig. Eine Woche kostet 20 Euro, jede weitere schlägt mit 10 Euro zu Buche.

Sauerteig-Hotel in Kiel - Woche kostet 20 Euro

Kunden hätten ihm von Problemen berichtet, Sauerteig nach langer Urlaubszeit wieder zu aktivieren, sagt der Bäckermeister. "Da haben wir gedacht: Wir rühren ja jeden Tag Sauerteige ein, das wäre doch ein Leichtes für uns, das auch noch mitzumachen." Daraus entsprang die Idee eines Hotels, damit Urlauber nach dem Urlaub sofort mit backbereitem Sauerteig durchstarten können. Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen Hefeteig und Sauerteig?

Der Sauerteig-Trend geht zurück eine Besinnung auf das Handwerkliche, wieder etwas selbst zu machen, wie Schöne sagt. "Man kann Sauerteigbrot aus Mehl, Wasser und Salz machen." Sein Service lasse sich ein Stück weit mit einer Tierpension vergleichen. "So ein Sauerteig, der muss jeden zweiten, dritten Tag ein bisschen angefrischt werden. Das heißt, man gibt wieder Mehl und Wasser dazu, lässt den bei optimalen Temperaturen und optimalen Zeiten stehen, dann reift der wieder." Eine Anlaufphase brauche der Teig nach dem Urlaub dann nicht.

Sauerteig lässt sich sehr lange nutzen. "Es gibt Sauerteige, die sind 50, 60 Jahre alt", sagt Schöne. Das lasse sich immer weiterführen. Deshalb sei es schade, wenn ein Teig nach vielen Jahren in einem mehrwöchigen Urlaub verkomme. Sein Hotel mit dem wohlklingenden Namen hat den Untertitel Hotel Spa & Cultures. "Es ist alles nicht so 100 Prozent zu ernst gemeint."

Bäckerei spezialisiert auf Brot ohne Industrie-Hefe - mit besonderen Öffnungszeiten

Kundin Aisha Dallmeyer findet die Idee gut. Sie habe selbst einen Dinkel- und einen Weizen-Sauerteig zu Hause, berichtet die 34-Jährige. Für sie komme der Service in Betracht. "Weil ich nicht wüsste, wer den sonst füttern würde." Bäcker Schöne berichtet von ersten Anfragen für sein Hotel. "Wir haben von Januar bis März sogar über drei Monate einen Sauerteig, der hier einchecken wird."

Vor knapp zwei Jahren eröffnete Schöne seine eigene Bäckerei, mittlerweile mit zweitem Standort. "Wir backen ausschließlich mit Sauerteig, alles komplett frei von industrieller Hefe", sagt der Bäcker. An Spitzentagen seien es rund 600 Brote. Gelernt hat er in einem Kloster. Seine Bäcker beginnen ihre Arbeit vergleichsweise spät: um 6 Uhr. Die Läden öffnen erst 12 Uhr. Das hat positive Folgen für ihn: "Wir haben immer Bewerbungen da liegen, also im Prinzip haben wir keinen Personalmangel", sagt Schöne.

Der Hauptgeschäftsführer der Bäcker- und Konditoren-Vereinigung Nord, Jan Loleit, sagt, "spätere Öffnungszeiten (mittags) sind eher die Ausnahme, da dann einiges an 'Kerngeschäft' zeitlich entfallen muss". Diese könnten nur dort funktionieren, wo die Kundenstruktur entsprechend sei. "In ländlichen Gebieten wird das eher nicht funktionieren." In zentralen Großstadtlagen könne es ausreichend Kundschaft mit dieser Einkaufsgewohnheit geben. Insgesamt geht die Zahl der Bäckereien, die Mitglied der Vereinigung sind, aber zurück - von 256 Betrieben im Jahr 2020 auf aktuell 207 in Schleswig-Holstein. Bundesweit sind es demnach noch 8.912. 2026 waren es 10.491 Betriebe.