Wie haben Sie den Tod Ihres Kindes verarbeitet?
Wissen Sie, fast jeder bekommt im Leben „Prüfungen“ auferlegt. Uns ist der christliche Glaube in die Wiege gelegt. Der trägt einen auch durch schwere Zeiten.
Sind Sie nie an einem Punkt im Leben angelangt, an dem Sie alles hinschmeißen wollten? An dem Sie vom Schicksal enttäuscht waren?
Nein, einfach Hinschmeißen kommt für mich nie in Frage. Harte Zeiten gab es aber viele. Zum Beispiel 1981. Zwei Tage vor der Eröffnung unseres Autohofs sind Scheune, Stall und Gerätehalle des Bauernhofs abgebrannt – anscheinend hatte ein Landstreicher das Feuer verursacht. Hätte ich damals nicht Nerven wie Stahlseile und einen Kopf wie ein Gaul gehabt, wäre ich durchgedreht.
„Was der Nil für die Ägypter, ist die A3 für die Familie Strohofer.“
Anton Strohofer
Als Sie 1979 auf Ihrem „Goldacker“ damit begonnen haben, einen Rasthof zu bauen, war die zweite Ölkrise in vollem Gang. War der Bau nicht ein Wagnis?
Nein, wir haben das ja jahrelang geplant und vorbereitet. Ich habe schon 1970 als Tankwart an der Autobahn-Raststätte Steigerwald gearbeitet, dort alle Informationen über die Branche gesammelt und mir die Probleme der Lkw-Fahrer angehört.
Ich wusste, wie man den anderen, besseren Rasthof baut.
Wenn Sie auf Ihre Unternehmerkarriere schauen, bereuen Sie dann irgendetwas?
Grundsätzlich gibt es nichts zu bereuen. Wenn etwas nicht in meinem Sinn war, habe ich was daraus gemacht und es zum Guten gewendet.
Was war denn Ihr größtes Highlight als Rastanlagen-Inhaber?
Da gab es einige. Zum Beispiel haben wir mal ein Fest für ein Unternehmen ausgerichtet, das sich später als zwielichtig herausgestellt hat. Die Chefin hat mir eine hohe sechsstellige Summe gezahlt, damit wir die Gäste gut bewirten. Mitten in der Nacht sind noch die Bamberger Symphoniker und Roberto Blanco aufgetreten... und dann die Polizei. Sie hat die Chefin wegen Verdachts auf Untreue festgenommen.
Gut, dass Sie nicht zu den „Beschissenen“ gehörten, wenn man das so sagen darf, und Ihr Geld schon hatten.
Ich hatte gleich so ein seltsames Gefühl bei der Frau... Mit Geld ist es wie mit Frauen: Man braucht ein gutes Feeling dafür.
Ist Ihr Wort noch Strohofer-Gesetz?
Inzwischen verbringe ich mindestens die Hälfte meiner Zeit an meinem österreichischen Wohnsitz. Das hat sich vor ein paar Jahren so ergeben. Durch Vortrags- und Beratertätigkeiten habe ich gleich nach der Grenze eine sehr nette Wohnung gefunden. Und als man mir in Deutschland für ein halbes Jahr den Führerschein entzogen hat – ich war zu schnell unterwegs gewesen –, da habe ich mir halt den österreichischen geholt. Nach dem halben Jahr hätte ich den deutschen Führerschein wieder abholen können, zuvor hätte ich aber den Idiotentest machen sollen. Da hab' ich gesagt: „Ich bin ein Idiot, weil ich so viel arbeite. Aber Euren Idioten mach' ich nicht.“ Der Führerschein liegt also noch in Flensburg.
Heißt das, Sie kehren Ihrer Heimat immer öfter den Rücken?
Wenn ich gefragt werde, bin ich jederzeit gerne in Geiselwind, aber ich kann auch loslassen. Nur so klappt der Übergang. Ich weiß, dass unsere Kinder und Enkel auf dem besten Weg sind, das Unternehmen in unserem Sinn weiterzuführen: Mit Mut, Demut und Langmut.
35 Jahre Erlebnisrasthof
Anton Strohofer ist ein echter Geiselwinder. Hier kam er am 13. April 1940 zur Welt. Nach dem frühen Tod des Vaters und des älteren Bruders übernahm er mit 14 Jahren den elterlichen Bauernhof und machte ihn in den 50ern zu einem landwirtschaftlichen Vorzeigebetrieb. Vor 35 Jahren gründete er den Erlebnisrasthof an der A3.
Herlinde Strohofer, geborene Dorbert, kannte ihren Anton schon aus der Schulzeit. Sie schenkte ihm fünf Kinder, blieb aber nicht nur Hausfrau und Mutter, sondern bringt sich bis heute als Großhandels- und Bankkauffrau aktiv ins Unternehmen ein. Während ihr Mann eher extrovertiert ist, zieht sie im Hintergrund die Fäden.
Erlebnisrasthof: 200 Mitarbeiter und Subunternehmer arbeiten an den Tankstellen, Waschanlagen, im Hotel, Restaurant, Schnellrestaurant, in der MusicHall und auf dem Open-Air-Gelände. Zum Trucker-Fest an Pfingsten werden heuer ein Bogenschießplatz, ein Kletterwald, ein Amphitheater für Konzerte und ein Soccerpark eröffnet.