Was hat sich an den Rahmenbedingungen geändert?
Dr. Fackeldey: Die wirtschaftliche Situation der Klinik hat sich verbessert. Das letzte Jahr war – trotz der laufenden Generalsanierung – sehr erfolgreich. Sicherlich ist das auch ein großer Verdienst unseres in weiten Bereichen außergewöhnlich fleißigen Personals. Wir hatten so viele Patienten und so viel Erlöse wie nie. Gleichzeitig werden strukturelle Defizite in der Gynäkologie vom Freistaat übernommen, der Landkreis übernimmt einen erheblichen Teil der noch offenen Investitionskosten für die Generalsanierung. Und erstmals überhaupt wird der Tarifvertrag in der Pflege voll gegenfinanziert, dies sind zumindest die Aussagen des derzeitigen Bundesgesundheitsministers. Damit ist Freiraum da, um die personelle Situation zu verbessern.
Was aber nicht von heute auf morgen geht.
Dr. Fackeldey: Das ist richtig, neues Personal ist schwer zu bekommen. Der Markt ist leer gefegt.
Was wollen Sie genau tun?
Dr. Fackeldey: Wir haben zwei Arbeitsgruppen gegründet. In der ersten geht es darum, die Zufriedenheit der derzeitigen Mitarbeiter zu verbessern. Da ist in den letzten Jahren einiges Porzellan zerschlagen worden. Die zweite Arbeitsgruppe hat das Ziel, neue Mitarbeiter zu gewinnen. Weil neue Kollegen nur zu gewinnen sind, wo es zufriedene Mitarbeiter gibt, machen wir das parallel.
Was wollen Sie zur Verbesserung der Mitarbeiterzufriedenheit tun?
Dr. Fackeldey: Wir arbeiten ein Konzept mit vielen Bausteinen aus. Wir wollen zum Beispiel junge Familien unterstützen, durch Zusatzurlaub, einen Betreuungszuschuss, vielleicht eine klinikeigene Kinderbetreuung. Aber das alleine reicht heute nicht aus. Das Thema schlechthin ist die Altenpflege. Fast jeder hat jemanden in der Familie, der Pflege braucht. Auch hier wollen wir Zusatzurlaub ermöglichen und bei Pflegebedürftigkeit unterstützen, über das Gesetz hinaus.
Was ist mit einer zusätzlichen Vergütung für Überstunden?
Dr. Fackeldey: Uns schwebt eine Prämie für kurzfristig übernommene Schichten vor. Viel wichtiger ist es aber, den Mitarbeitern freie Zeit zu gewähren. Sie wollen kein Geld, sondern die Zeit, die sie eingesprungen sind, wieder frei haben. Das geht aber wiederum nur mit zusätzlichem Personal.
Wie wollen Sie das bekommen?
Dr. Fackeldey: Indem wir gute Rahmenbedingungen bieten. Die Work-Life-Balance der Mitarbeiter muss stimmen. Wir müssen Teilzeitmöglichkeiten bieten, die Möglichkeit von Sabbatzeit einräumen und einiges mehr. So etwas fordert die junge Generation auch ein – sie versteht es besser als die ältere, ihre Interessen zu vertreten. Sie macht deutlich, dass sie ein Leben neben dem Beruf hat, und das ist ja auch richtig.
Von alleine spricht es sich aber nicht herum, was die Klinik künftig für ihr Personal tun möchte.
Dr. Fackeldey: Deshalb werden wir am 30. März einen Karrieretag anbieten, an dem sich die Klinik möglichen Mitarbeitern vorstellt. Einige Vorträge gehören zum Programm, vor allem aber stehen Mitarbeiter für Gespräche zur Verfügung, die Leiter der Intensivpflege, der OP-Gruppe und von Pflegestationen zum Beispiel, außerdem die Krankenpflegeschule.
Wen wollen Sie ansprechen?
Dr. Fackeldey: Sowohl Pflegepersonal, das momentan noch woanders tätig ist, als auch Schulen, um Nachwuchs für unsere Krankenpflegeschule zu gewinnen.
Dabei war die Schule in der Vergangenheit alles andere als ein sicherer Garant für einen Arbeitsplatz an der Kitzinger Klinik.
Dr. Fackeldey: Das stimmt, über viele Jahre wurden zu wenige junge Fachkräfte übernommen. Jetzt haben alle Absolventen Aussicht auf eine Stelle.
Wenn so lange kaum ein Schüler übernommen wurde, hat sich das nicht auf das Altersgefüge beim Pflegepersonal ausgewirkt?
Dr. Fackeldey: Wir haben viele ältere Mitarbeiter und auch jüngere. Aber dazwischen gibt es eine Lücke, der „Mittelbau“ fehlt, weil man nicht genug Leute übernehmen konnte oder wollte. Als ich vor elf Jahren an die Klinik kam, waren fast gar keine jungen Mitarbeiter da.
In welchen Abteilungen ist der Mitarbeiter-Engpass am größten?
Dr. Fackeldey: Ganz vorn steht da die Intensivstation, aber auch auf den normalen Pflegestationen fehlen Leute. Und die neue Zentrale Aufnahme, die momentan noch im Aufbau ist, ist sehr arbeitsintensiv.
Wenn das Personal unter so großem Druck steht, leidet da nicht das Arbeitsklima?
Dr. Fackeldey: Ich bin davon überzeugt, dass wir ein gutes Arbeitsklima haben, mit niedrigen Hierarchien. Hier darf jeder mit jedem reden. Aber die Stimmung war in den letzten Jahren schon etwas angespannt. Ich glaube zu spüren, dass sich das jetzt bessert. Die Mitarbeiter merken, dass sich etwas tut. Mitarbeiter sind mehr als ein Kostenpotenzial oder gar „Humankapital“ – ein furchtbares, zynisches Wort. Wertschätzung ihnen gegenüber ist das Nonplusultra, davon bin ich absolut überzeugt.