„Der Knall war wahnsinnig laut.“ Jesko Graf zu Dohna hat es nach eigenen Worten „fast aus dem Bett gehoben.“ Kurz nach drei Uhr in der Nacht war die Nacht für einige Bewohner des oberen Dorfes in Castell vorbei. Bankräuber haben den Geldautomaten in der Castell-Bank gesprengt.

„Um 3.25 Uhr kam die Alarmierung“, berichtet Feuerwehrkommandant Stefan Gegner. Wenig später war er mit seinen 13 Einsatzkräften vor Ort. Der Vorraum der Bank stand lichterloh in Flammen. „Wir mussten ganz schön aufpassen“, sagt Gegner. „Wir konnten ja nicht wissen, ob es noch restliche Sprengmittel im Gebäude gab.“ Aus Abtswind, Wiesenbronn und Wiesentheid rückte wenig später Verstärkung an, Atemschutzgeräteträger machten sich ins Innere des Gebäudes auf und suchten nach Glutnestern. „Das Gebäude stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts“, berichtet Jesko Graf zu Dohna, Leiter des Fürstlich Castellschen Archivs, nur wenige Meter Luftlinie entfernt von der Bank.

Wohnung war zum Glück leer

Die so genannte Kanzlei diente stets als Bankgebäude, im Erdgeschoss befinden sich die Filiale und Büros, im Obergeschoss weitere Geschäftsräume und eine Wohnung, die glücklicherweise leer war. „Die Bewohnerin ist erst vor kurzem in ein Seniorenheim umgezogen“, berichtet Graf zu Dohna, der sich nach der Detonation gleich auf den kurzen Weg zum Rathausplatz machte.

„Eine Menge Anlieger waren vor Ort“, erzählt Jochen Kramer. Der ehemalige Bürgermeister wohnt ebenfalls ganz in der Nähe des Rathausplatzes. Von seiner Terrasse aus hat er den Rauch gesehen, der Vorraum stand voll in Brand, als er am Platz eintraf. „Zum Glück waren Feuerwehr und Polizei schnell vor Ort“, sagt er. „Nicht auszudenken, wenn sich das Feuer weiter ausgebreitet hätte.“

Etliche Glutnester haben die Einsatzkräfte in dem Gebäude gefunden. Lehm, Stroh und Schilf sind laut Kommandant Stefan Gegner in dem historischen Gebäude verbaut. „Im Obergeschoss mussten wir mit einer Motorsäge die Böden aufhebeln, um mögliche Glutnester zu entdecken“, berichtet er. Bis kurz vor 11 Uhr dauerte der Einsatz der Feuerwehren. Dann endete ein Einsatz, wie ihn Gegner so auch noch nicht erlebt hat. „Es hätte durchaus Schlimmeres passieren können“, sagt er.

Beute? Keine Angaben

Für die Castell-Bank ist der Banküberfall schlimm genug. Über die Höhe der Beute wollte sich Pressesprecher Harald Dürr aus ermittlungstaktischen Gründen nicht auslassen. Die Schaden am Gebäude konnten am Vormittag noch nicht beziffert werden. „Die Kollegen schauen sich das zusammen mit Experten und der Polizei an.“ Letztere nannte am Nachmittag die geschätzte Schadenssumme: 150 000 Euro.

Die Polizei hatte schon am frühen Montagmorgen einen Fahndungsaufruf gestartet. Zeugen hatten einen dunklen Pkw gesehen, der sich vom Tatort entfernte. Eine nähere Beschreibung war nicht möglich. Die Straßenbeleuchtung wird in Castell nach Mitternacht abgeschaltet. Nach bisherigem Erkenntnisstand der Kripo in Würzburg, die die Ermittlungen übernommen hat, stiegen kurz nach der Detonation drei maskierte Täter in ein dunkles Auto und fuhren in Richtung Ortsmitte davon.

„In so einem kleinen Ort fühlt man sich eigentlich behütet und sicher“, meint Jochen Kramer. Die letzte Nacht hat die Casteller eines Besseren belehrt. „Wir liegen halt sehr nah an der Autobahn“, erinnert er. Seine Vermutung: Die Täter haben über die nahe A3 das Weite gesucht. Tatsächlich ist es nicht der einzige Vorfall in diesem Gebiet. Im benachbarten Rüdenhausen verhinderten fünf junge Asylbewerber vor fünf Jahren einen Überfall auf die dortige VR-Bank. In Castell fehlt von den Tätern bislang jede Spur.

Zeugenaufruf der Polizei

Personen, die im Vorfeld der Tat in Tatortnähe verdächtige Beobachtungen gemacht haben oder sonst Hinweise zu den Tätern oder einem dunklen Pkw mit ortsfremden Kennzeichen, welcher sich im Umfeld des Tatorts aufgehalten hat, geben können werden gebeten, sich mit der Kripo Würzburg unter Tel. 0931/457-1732 oder dem Polizeinotruf 110 in Verbindung zu setzen.

Personen, die Foto- oder Videoaufnahmen vom Tatort kurz vor, während oder nach der Tat gemacht haben, werden gebeten, diese unter folgendem Link hochzuladen und der Kriminalpolizei Würzburg zur Verfügung zu stellen. pp-ufr.cloud.bayern.de