Frösche springen in den Teich, Libellen schwirren über dem Wasser, ein Schwanenpaar gleitet majestätisch über die Oberfläche. „Wir bewirtschaften unsere Teiche naturnah“, sagt Michaela Gerstner-Scheller. Die Idylle ist jedoch kein Selbstläufer. Feinde gibt es für die fränkischen Teichwirte genug: Biber, Kormoran – und neuerdings den Fischotter.

Die Familie Gerstner betreibt in der vierten Generation Fischzucht. Längst gehört der Betrieb zu den größten in Franken. 80 Teiche bewirtschaften die Gerstners. Es waren einmal doppelt so viele. „Dann kam der Kormoran“, erinnert sich Gerstner-Scheller. „Und der Biber.“ Letzterer baut seine Höhlen mitsamt Belüftungsrohren in die Dämme, die daraufhin instabil werden.

Einige Teiche sind schon verkauft

Rund 20.000 Euro hat der Betrieb ausgegeben – nur um die Löcher wieder zu stopfen. „Manche Teiche betreiben wir schon gar nicht mehr“, sagt die Geschäftsführerin. Der Markt Wiesentheid hat einige Teiche für seinen Hochwasserschutz gekauft, andere Standorte wurden aufgegeben. Michaela Gerstner-Scheller hat zwar eine Abschussgenehmigung für das nachtaktive Tier. Die Jäger müssten aber mit einem Nachtsichtgerät operieren. „Und das ist nach wie vor verboten“, sagt sie. Also bleiben die Nager ein Problem.

Das Herzstück des Fischzucht-Betriebes liegt zwischen Obervolkach und Gaibach. Hier ist Ende der 1960er-Jahre eine Kette an Teichen gebaut worden, hier werden Karpfen, Zander, Welse, Rotaugen, Forellen, Koi-Karpfen und viele andere Arten gezogen. „Wir füttern nur zu“, erklärt die Betriebsinhaberin. Ein natürlicher Kreislauf soll die Grundlage für die Nahrung sein. Karpfen sind dafür unerlässlich. Sie wühlen am Grund nach Nahrung, bringen somit zusätzlichen Sauerstoff ins Gewässer und legen den Grundstein für das Wachstum von Lebewesen, die als Nahrung dienen. „Je brauner so ein Teich ist, desto schöner ist er für uns“, erklärte Gerstner-Scheller anlässlich der Sommertour des Bezirks Unterfranken, zu der Bezirktagspräsident Erwin Dotzel geladen hatte.

Drei Jahre dauert es in der Regel, bis ein Karpfen auf den Speisetellern landet, vier Jahre, bis ein Stöhr die Größe hat, um verkauft zu werden. Eine lange Zeit, eine, in der auch ungebetene hungrige Gäste auf den Geschmack kommen.

5000 Zander weg - in einem Jahr

Der Kormoran hatte vor 15 Jahren beinahe für ein Ende des Familienbetriebes gesorgt. 5000 Zander hatten die Räuber in einem Jahr gefressen, hunderte Karpfen zerhackt. „Die Vögel suchen in einem Radius von 30 Kilometern nach Futter“, erklärt Michaela Gerstner-Scheller. Und stellen sich dabei alles andere als dumm an. Ist der zuständige Mitarbeiter des Fischzuchtbetriebes für die Vergrämung der Vögel in Urlaub, spricht sich das bei den Kormoranen offensichtlich schnell herum. „In der ersten Wochen kommt einer, in der zweiten sind es zehn und in der dritten Woche 20“, sagt Michaela Gerstner-Scheller. „Nach einer gewissen Zeit erkennen die Vögel die Autos der Jäger“, ergänzt Fischereifachberater Michael Kolahsa. Dennoch: Seit es eine Abschussgenehmigung gibt, sind die Kormorane ein kleineres Problem. Das größere nähert sich gerade von Osten und von Westen. Die Kollegen von Gerstner-Scheller aus der Oberpfalz berichten jedenfalls von Fischottern, die sich über die dortigen Bestände hermachen. Einen natürlichen Feind haben die Tiere nicht. „Und sie können in einen richtigen Blutrausch kommen“, weiß die Obervolkacherin. Teiche werden regelrecht leer geräumt: Keine Muscheln mehr, keine Krebse, keine Biotopfische – und damit auch keine Nahrung. Selbst der Laich der Zander wird nicht verschont.

Der Leiter des Sachgebiets Naturschutz an der Regierung von Unterfranken, Dr. Thomas Keller, weiß von Vorkommen in Main-Spessart. An der Lohr und Sinn sind Fischotter bereits heimisch geworden. In der Regel würden sich die Tiere aber kaum ausbreiten. Eine Gefahr für die fränkischen Teichlandschaften könne er zum jetzigen Zeitpunkt deshalb auch nicht ausmachen. Michaela Gerstner-Scheller sieht das anders. Nach ihren Informationen sind Fischotter schon im Aischgrund gesichtet worden, wo sie ebenfalls Unheil anrichten.

Ein schlechtes Zeichen

„Das wäre tatsächlich ein schlechtes Zeichen“, meint Thomas Keller. Denn eine effektive Lösung für das Problem hat bislang niemand gefunden.

Elektrozäune machen nur bei der Forellenzucht Sinn, an den weitläufigen Karpfenteichen wären diese Zäune nicht nur unwirtschaftlich, sie würden auch andere Tiere gefährden. Die naturnahe Produktion der fränkischen Teichwirte ist auch für Thomas Keller unbedingt erhaltenswert. Er verweist auf die Vielfalt an Pflanzen und Tiere, die im Umfeld der Teiche ein Zuhause finden. Würden die Teiche aufgelassen und dort irgendwann Getreide angebaut, wäre das nach seinen Worten die schlechteste Lösung.

„Die Politik muss sich was einfallen lassen“, forderte Michaela Gerstner-Scheller und stieß bei Erwin Dotzel auf offene Ohren: „Wir brauchen eine Lösung, bevor das Problem da ist.“