Sein Charme ist ungebrochen – im Gegenteil zu den Steinen und Holzbalken, aus denen es vor rund 600 Jahren erbaut wurde. Jetzt bekommt das unscheinbare Eckhäuschen vis a vis des hochherrschaftlichen Schlosses im Altort von Markt Einersheim endlich die Aufmerksamkeit, die ihm gebührt. Rund 500 000 Euro stecken Gemeinde, Staat und Bund gemeinsam in das Anwesen am Marktplatz 1 – und verwandeln es in ein „Haus der Dorfkultur“.

Bürgermeister Herbert Volkamer kann seine Freude über diesen Coup genauso wenig verhehlen wie Peter Doneis.

„Es liegt immer an den Menschen, die dort leben. Und was sie daraus machen.“
Peter Doneis, Amt für ländliche Entwicklung

Als stellvertretender Abteilungsleiter und im Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) zuständig für den Landkreis Kitzingen hat er auch in der unmittelbaren Umgebung schon manches Projekt zur Altortentwicklung begleitet. Hüttenheim und Herrnsheim fallen ihm da ein, Leuchtturmprojekte, die zeigen, „was Fördermittel zur Dorferneuerung bewegen können, wenn sie auf fruchtbaren Boden treffen“. „Es liegt immer auch an den Menschen die dort leben. Und was sie daraus machen.“

Viele engagierte Bürger

Aus diesem Grund sieht er die Zuweisung für die Sanierung des Anwesens am Marktplatz 1 auch in dieser Größenordnung von 395 000 Euro und damit gut 80 Prozent der Gesamtinvestition in Markt Einersheim in besten Händen.

„Hier gibt es einen rührigen Bürgermeister und viele engagierte Bürger, die dieses Gebäude mit seiner historischen Bausubstanz in der ursprünglichen Form erhalten und wieder mit Leben erfüllen möchten.“

Ein weiteres Kriterium für die außergewöhnlich hohe Förderung sei auch, dass die Marktgemeinde per Grundsatzbeschluss die Innenentwicklung vor die Außenentwicklung gestellt hat, kaum Neubaugebiete ausweist (bzw. ausweisen kann) und immer wieder in die Altortentwicklung investiert – zuletzt bei der Sanierung des Marktplatzes und des Gemeinschaftshauses.

Nun wird das Ensemble rund um Rathaus, Marktplatz und Schloss um ein weiteres Schmuckstück erweitert.

Haus der Dorfkultur

Ein „Haus der Dorfkultur“ soll es werden, das grün überputzte Eckhäuschen. Zuletzt bewohnt war es in den frühen 1990er Jahren, ehe Schlossherr Nikolaus Knauf es zusammen mit der anliegenden Fachwerk-Scheune erwarb und der Gemeinde im Jahr 2018 als einzelnes Gebäude vermachte. Relativ schnell war die Idee zu einem „Haus der Vereine“ geboren, in dem sich Vereinigungen wie die Historische Burschenschaft, der Gräfliche Schützenverein oder der Volkstrachtenverein (VTV) vorstellen können.

„In diesem authentischen Ambiente können neue Ideen zu aktuellen Themen entstehen“, freut sich dessen Vorsitzender Dr. Rolf Lupold. „Zudem steht es jedem offen, der sich für unsere Dorfkultur interessiert und bisher noch keine Anlaufstelle gefunden hat.“

Eine solche war das Häuschen am Marktplatz 1 nun erstmals zur symbolischen Übergabe des Schecks über 394 600 Euro nicht nur für die Abordnungen der Burschenschaft und des VTV, sondern auch für die Verantwortlichen in Gemeinde und Verwaltungsgemeinschaft (VGem) Iphofen. Neben den beiden Bürgermeister-Stellvertretern Gerd Fuchs und Tobias Schramm sowie VGem-Geschäftsführer Leo Eckert war auch Linda Schlereth gekommen, um sich die Umgestaltung vor Ort demonstrieren zu lassen. „Ich denke die Fördergelder sind hier richtig aufgehoben“, erklärt die Managerin der Interkommunalen Allianz Südost 7/22 und findet gleich mehrere Gründe dafür: „Das Ortsbild wird enorm aufgewertet.

Tradition und Brauchtum

Die Kommune ermutigt auch Privatpersonen, Leerstände zu vermeiden. Durch die Nutzung werden Ehrenamt und Vereine gestärkt, Tradition und Brauchtum aktiv bewahrt. Alles in allem erhält sich Markt Einersheim so seinen besonderen Charme.“ Diesen durfte die Allianzmanagerin kurz nach ihrem Jobantritt live bei der Kirchweih erleben.

„Das war ein beeindruckendes Spektakel“, erinnert sie sich und findet, dass die Kulisse für die Historischen Umzüge durch die Sanierung des Anwesens am Marktplatz 1 noch einmal deutlich aufgewertet wird. Die bauliche Verantwortung trägt hier der mit Markt Einersheim bestens bekannte Architekt Walter Böhm. Mit Begeisterung hat er sich des Objekts angenommen, erläutert Peter Doneis mit leuchtenden Augen. Die Frage lautet, wie der Erhalt historischer Bausubstanz und moderne Ansprüche an ein „Haus der Vereine“ in Zukunft hier vereinbart werden können. Der Vertreter des ALE teilt seinen Enthusiasmus und freut sich schon jetzt darauf, in spätestens anderthalb Jahren nicht nur den Verwendungsnachweis der Förderung in den Händen zu halten, sondern sich selbst ein Bild von der lebhaften Nutzung des noch so unscheinbar wirkenden Eckhäuschens zu machen.