Ohne Vorurteile. Ohne Berührungsängste. Ohne falsche Moral. So kümmern sich die „Aplawianer“ um Menschen, die es nicht leicht haben im Leben; vor allem um Langzeitarbeitslose. Ihnen wollen sie Arbeit und damit eine Lebensperspektive geben. Dieses Ziel hat sich seit der Gründung des gemeinnützigen Kitzinger Vereins Aplawia („Andere planen – wir arbeiten“) vor 30 Jahren nicht verändert. Die Rahmenbedingungen aber schon.

Sie haben sich enorm verschlechtert, vor allem durch das jüngste Sparpaket bei der Bundesanstalt für Arbeit. „Die Aplawia kämpft nach wie vor ums Überleben“, sagt Geschäftsführer Volker Lang.

Jammern? Nein, das will er nicht. Er will erreichen, dass das Motto des Vereins allen Bürgern in Fleisch und Blut übergeht – und die Aplawia deshalb mehr Aufträge bekommt: „Andere planen – wir arbeiten. Und zwar mit den Menschen und für die Menschen unserer Region Kitzingen.“

Das Hauptproblem sei offensichtlich. Und lösbar: „Wir bräuchten mehr Aufträge, um Geld für neue Angebote zu generieren, die wir benachteiligten Menschen machen könnten.“

Die Statistik spricht für sich: Von den gut 1000 Langzeitarbeitslosen derzeit im Landkreis Kitzingen „sitzen etwa 250 fast nur zuhause rum“, stellt Svea Roßberg fest. Die junge Frau betreut die Menschen, die bei der Aplawia in Sozialmaßnahmen arbeiten, hat also direkten Kontakt zu den Betroffenen. Sie weiß, wie wichtig ein Job ist, um (wieder) auf die Beine zu kommen und an eine Zukunft zu glauben.

Leider könne die Aplawia in vielen Fällen keine solche Zukunftsperspektive mehr schaffen. Man würde gern viel mehr Menschen, die das Schicksal aus der Bahn geworfen hat – durch Krankheit, Sucht oder Gewalt –, eine Wiedereingliederung in ihren Beruf ermöglichen. Doch der Verein kann nur noch 16 Arbeitsgelegenheiten („Ein-Euro-Jobs“), jeweils befristet auf ein halbes Jahr, anbieten – einst waren es 70. Die so genannte Instrumentenreform von 2012 hat die Zahl der Plätze drastisch schrumpfen lassen – ebenso wie die Möglichkeiten anderer Förderungen mit höherem Entgelt.

„Unser Verein finanziert sich zu 96 Prozent aus Auftragserlösen sowie den Erträgen unseres Second-Hand-Kaufhauses und unserer Dienstleistungen“, konstatiert Lang. „Nur vier Prozent kommen aus den staatlichen Hilfen für die Ein-Euro-Jobber.“ Zwar strebe der Aplawia e.V. nicht nach Gewinn. „Aber je mehr Umsatz wir machen, desto mehr Möglichkeiten können wir selbst schaffen, um Arbeitslose zu beschäftigen.“

Jeder Auftrag – seien es Reinigungs-, Entrümpelungs- oder andere Hilfstätigkeiten – trage dazu bei. „Alle Kommunen, Betriebe oder Privatleute können uns engagieren.“ Volker Lang und der neue Vereinsvorsitzende Moritz Karl wollen erreichen, dass möglichst viele Arbeitgeber das Potenzial der Aplawia erkennen und ihr Aufträge erteilen. Denn an der eigenen Betriebsstruktur könne man kaum mehr sparen, macht Lang klar. „Hier hat es schon radikale Einschnitte gegeben.“ Vor fünf Jahren hatte die Aplawia fast 120 Mitarbeiter. Mittlerweile sind es nur noch 45.

Hilft der Runde Tisch?

Lang hofft, dass neue Arbeitsfelder dem Betrieb neuen Auftrieb geben. „Wir würden zum Beispiel auch gern für psychisch Kranke da sein. Oder für Suchtkranke.“ Am Runden Tisch, der am Dienstag, 13. Mai, zum Thema Langzeitarbeitslosigkeit stattfindet, sollen neue Modelle diskutiert und mögliche Geldgeber ins Visier genommen werden. Landrätin, Bürgermeister und führende Köpfe der Arbeitsagentur sind eingeladen.

„Wenn man im Leben Glück hatte, kann man davon ein bisschen was abgeben.“
Moritz Karl, Aplawia-Vorsitzender

„Wir müssen jetzt an verschiedenen Schrauben drehen, um die Existenz der Aplawia zu sichern. Wenn wir nicht wirtschaftlich denken, ist es nur eine Frage der Zeit, bis unser gemeinnütziger Verein die Hufe hochreckt“, wählt Moritz Karl deutliche Worte. Der 46-jährige gebürtige Münchner leitet seit fünf Jahren das Kitzinger Netto-Logistikzentrum und ist Chef von 450 Mitarbeitern. Er war von den „Alt-Aplawianern“ um Knut Roßberg zunächst in den Beirat eingeladen worden und als der Aplawia e.V. dann einen Nachfolger für den Vorsitz suchte, „da hab' ich einfach ja gesagt“. Warum? „Wenn man im Leben Glück hatte, dann kann man davon auch ein bisschen was abgeben.“

Seit einem dreiviertel Jahr steht der Kaufmann und Logistikprofi nun an der Spitze des Vereins und hat längst erfahren, dass es mit Repräsentationsarbeit nicht getan ist. Viele Stunden pro Woche arbeitet er eng mit der Geschäftsführung zusammen. „Das macht mir viel Spaß, vor allem, weil Volker Lang viel Herzblut für seine Aufgaben mitbringt.“

Gemeinsam gelte es nun, das Kostenmanagement zu optimieren. Karl will sein Motto „Weg mit den Schulden“ in die Verhandlungen mit den Banken einbringen. Außerdem setzt auch er Hoffnungen auf den Runden Tisch, an dem er neue Aufträge generieren will.

Ob er für die Aplawia ein langfristiges Ziel hat? „Momentan sind wir mit der Konsolidierung vollauf beschäftigt. Aber ein Wunschziel gibt es schon: Dass es uns gelingt, irgendwann ein starker Partner der Agentur für Arbeit und der regionalen Wirtschaft zu sein und allen Langzeitarbeitslosen eine Zukunft zu geben.“

Drei Männer, die sich lange ohne Arbeit durchschlugen, haben beim Netto-Logistikzentrum inzwischen eine solche Perspektive gefunden. Das freut auch Volker Lang sehr. Er hat in vielen Jahren die Erfahrung gemacht: „Wer länger arbeitslos ist, wird krank.“ Lang appelliert an alle, sich mit der Problematik zu befassen: „Es braucht nur eine persönliche Krise – Scheidung, Krankheit – und nach einem Jahr Arbeitslosengeld gibt es bloß noch die Grundsicherung.“

Svea Roßberg nickt. Sie kennt viele solcher Menschen, die ohne große Vorwarnung den sozialen Abstieg erlebten. Aber sie weiß auch: „Wenn man sieht, wie viel Motivation eine einfache Arbeitsstelle den Menschen schon gibt und wie sie im Lauf der Zeit wieder Lebensmut entwickeln, dann wünscht man sich einfach nur: Mehr Arbeitgeber.“

Gute Geister, Kommissionsware und vieles mehr

Der Anfang: Im Kitzinger „Notwohngebiet Egerländer Straße“ (betreut von der Arbeiterwohlfahrt AWO) gründete der Sozialpädagoge Knut Roßberg 1984 zusammen mit Gleichgesinnten den Verein „Andere planen – wir arbeiten“, kurz: Aplawia. Man kümmerte sich vor allem um arbeitslose junge Menschen.

Umzüge: 1992 zog der Verein aus dem Notwohngebiet ins Bürgerzentrum um. 1995 wurde der erste Gebrauchtwarenladen in der Schmiedelstraße eröffnet. Man begann mit der Erwachsenenarbeit. 1997 zog die Aplawia ins Gewerbegebiet Nord (August-Gauer-Straße) und erweiterte ihr Angebot. Man löste sich von der AWO. Franz Böhm wurde Vorsitzender.

Tochter: Im Jahr 2000 wurde die Tochterfirma SDA GmbH gegründet. Hier können Benachteiligte als festangestellte Hilfskräfte unter Anleitung von gestandenen Handwerkern und Profis im Arbeitsmarkt Fuß fassen.

Vielfältiges Angebot: Seit 2002 gibt es das Recyclingkaufhaus am Lochweg, seit 2004 ist Aplawia, die auch als Ausbildungsbetrieb fungiert, anerkannter Träger von Maßnahmen nach dem SGB II (Hartz IV). Standbeine sind der Verkauf von Kommissionsware über Ebay, ökologische Initiativen und das Projekt „Gute Geister“ (Haushaltsservice).

Vorstand: Seit Mitte 2013 führt Moritz Karl, Niederlassungsleiter bei Netto Logistik in Kitzingen, den Verein. Sein Stellvertreter ist Walter Vierrether, der Leiter der Kitzinger Tourist-Info. Volker Lang ist Geschäftsführer, Svea Roßberg sozialpädagogische Betreuerin. Im Beirat sitzen Unternehmer und Bankfachleute.

Im Internet gibt es weitere Informationen: www.aplawia.de LDK