Sie wollten durchstarten. Kitzingen noch bekannter machen. „2019 war ein super Jahr“, erinnert sich Frank Gimperlein. Der Stadtschoppen und etliche andere gelungene Veranstaltungen haben ihm und seinen Mitstreitern vom Stadtmarketingverein (STMV) Mut gemacht. Dann kam Corona. „Dieses Jahr hat uns zurückgeworfen“, gibt der Vorsitzende des STMV zu und rechnet mit weiteren sechs schwierigen Monaten – mindestens.

Eigentlich würden jetzt die Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt in die Vollen gehen. Aber heuer ist alles anders. „Wir haben lange überlegt“, berichtet Gimperlein. Und den Weihnachtsmarkt dann doch abgesagt. Mehrere Möglichkeiten wurden vorher in Erwägung gezogen. Ein dezentraler Weihnachtsmarkt – wie er in Würzburg abgehalten wird? „Dafür muss man erst einmal die geeigneten Aussteller finden“, erinnert Gimperlein. Viele wollen im geschützten Raum der Rathaushalle sein, dort sind Veranstaltungen derzeit aber aus bekannten Gründen gar nicht erlaubt. Dann wenigstens ein vorweihnachtlicher Treffpunkt am Marktplatz? Mit den Gastronomen gab es schon entsprechende Vorgespräche. Dann kam der November-Teil-Lockdown. „Und der wird aller Voraussicht nach verlängert“, weiß Gimperlein. Und die Weinbar 1482, die im letzten Jahr so viele Kitzinger begeisterte? „Geht gar nicht“, sagt Gimperlein. Gastronomie ist bis auf Weiteres verboten.

Also gar kein weihnachtliches Feeling in der Stadt? Gimperlein winkt ab. „Natürlich werden wir die Innenstadt wieder weihnachtlich schmücken.“ Der Weihnachtsbaum am Marktplatz ist bereits am Montag aufgestellt worden, die größte Weihnachtskerze Bayerns wird am Donnerstag installiert. Der Marktturm wird – wie in den letzten Jahren – auch heuer wieder illuminiert. Auch die Alte Mainbrücke und die Einkaufspassagen in der Innenstadt sollen weihnachtlich geschmückt werden. Damit sich die Kunden in Kitzingen so wohl fühlen, wie es in diesen Corona-Zeiten möglich ist.

„Derzeit fahren wir auf Sicht, müssen extrem flexibel sein.“
Frank Gimperlein über die Planungen für das kommende Jahr

Die Gewerbetreibenden in der Altstadt berichten von einem veränderten Kaufverhalten. Nur kurz kommen die Kunden in die Geschäfte, fragen ganz gezielt nach Produkten und sind wieder verschwunden. „Wo sollten sie auch hin?“, fragt Gimperlein. Die Gastronomie ist zu, ein Bummeln durch die Stadt ist nicht drin. Und so richten sich die Planungen auf die Zeit nach Corona. „Auch nicht so einfach“, sagt der STMV-Vorsitzende und runzelt die Stirn. Große Veranstaltungen wie der Kitzinger Frühling bedingen eine lange Vorplanung. Verträge mit Künstlern und Caterern müssen geschlossen werden. „Derzeit fahren wir auf Sicht“, gibt Gimperlein zu. Will heißen: Die Planungen für alle Veranstaltungen laufen. Können sie aufgrund der dann geltenden Corona-Vorschriften nicht stattfinden, werden sie kurzfristig gestrichen. „Wir müssen halt extrem flexibel sein“, sagt der 33-Jährige. „Aber das war heuer ja nicht anders.“

Trotz all der Schwierigkeiten ist Kitzingen nach seinem Dafürhalten bislang ganz gut durch die Krise gekommen. Vier Geschäftsaufgaben habe es in diesem Jahr gegeben. Lediglich eine davon Corona-bedingt. Claudius Jung hat seine Bäckerei in der Herrnstraße geschlossen (wir berichteten). Die Leerstandsquote schwankt zwischen acht und zehn Prozent. Der bayerische Durchschnitt vergleichbarer Städte liegt bei zwölf Prozent. Trotz Corona gebe es immer wieder Anfragen für Geschäftseröffnungen. „Letztendlich liegt es fast immer am Vermieter“, weiß Gimperlein aus Erfahrung. Ist die Immobilie in einem guten Zustand und der Mietpreis annehmbar, dann kann das Objekt auch weitervermietet werden. „Ansonsten halt nicht.“

Ungenutzt steht seit vielen Jahren das Dietz-Haus am Marktplatz, in bester Lage. Eigentlich wollte Frank Gimperlein in diesem Jahr viel Kraft in die Nachnutzung des Gebäudes stecken. Eine Vinothek schwebte ihm vor, dank des Stadtschoppens verfügt er über etliche Kontakte zu Winzern, die Interesse signalisiert hatten – genauso wie die Stadt. Im Moment liegt das Projekt auf Eis“, bedauert er.

Zu unsicher seien die Zeiten – für alle Beteiligten. Die Gespräche über eine Vinothek in Kitzingen werden erst dann wieder intensiviert, wenn Corona vorbei ist. Immerhin: Etliche Waren aus dem alten Dietz konnten im Pop-up-Store in der Oberen Kirchgasse verkauft werden. Nach einem Jahr ist der Vertrag mit dem Vermieter ausgelaufen. Die restlichen Posten sollen nun online verkauft werden.

Trotz aller Schwierigkeiten: Frank Gimperlein und seine Mitstreiter freuen sich auf den Advent. Zum Einen, weil die Stadt vorweihnachtlich geschmückt sein wird, zum Anderen, weil es – hoffentlich – der einzige Advent dieser Art sein wird. An die Kunden richtet er den Appell, lokal einzukaufen und die Angebote der Gastronomen wahrzunehmen, die Essen to go anbieten. Solidarität sei in diesen Tagen wichtiger denn je. Vielen Firmen hätten das erkannt und das gesparte Geld für Weihnachtsfeiern in „Schexs in the city-Gutscheine“ für ihre Mitarbeiter investiert. 8000 Euro sind in den letzten Wochen umgesetzt worden. „Deutlich mehr als in den Vorjahren“, freut sich Gimperlein.