Zur Berichterstattung über die Entscheidung des Kitzinger Stadtrats, das Stadtmuseum zu schließen, erreichte die Redaktion folgende Leserzuschrift.

Die Stadt Kitzingen hat bewiesen, wie einfach es ist ein Museum "sterben" zu lassen. Man muss der Leiterin nur möglichst viele Steine in den Weg legen, ihr alle Aktivitäten "untersagen", entspannt zusehen, wie der Einrichtung allmählich "die Luft wegbleibt" und dann scheinheilig "fehlende Innovationen" und "mangelndes Publikumsinteresse" bejammern. Ist das ungeliebte Museum weg, werden Mittel frei, die man in Zwecke und Ziele umleiten kann, die dem Kulturverständnis der quantitativen Ratsmehrheit mehr entsprechen.

Beim Städtischen Museum handelt die Stadt wie die böse Stiefmutter aus dem Märchen. "Aschenputtel" wird stets klein und im Schatten gehalten, während man die mondäne und von der Politik ohnehin bevorzugte Schwester überall in den Vordergrund stellt, obwohl sie mit Geschichte und Kultur Kitzingens eher wenig zu tun hat.

EU, Bund, Freistaat, Bezirk, Landkreis und Stadt haben hohe Summen in die Schaffung von Lagerräumen für Faschingsmasken "investiert". Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise waren in der Region ausreichend Faschingsmasken, aber sehr wenig Schutzmasken für medizinisches Personal vorhanden. Ein Paradebeispiel für politische Prioritätensetzung und Weitsicht. Mit buntem Flitter und läppischen Blechorden kann man publicitysüchtigen und bisweilen unbedarften Entscheidern eben mehr imponieren, als mit unspektakulärer echter Kultur- und Sacharbeit.

Bietet man Politikern eine Bühne um "Volksnähe" zu simulieren, öffnen sie leichten Herzens Staats- und Stadtsäckel. Sind aber nicht mehr nur gelungene Selbstdarstellung, sondern echtes Format, nicht mehr nur schöner Schein, sondern wahre Werte, Tiefgang und Substanz gefragt, werden sie plötzlich sehr knauserig.

Manfred Ruppert
97340 Segnitz

Vorschaubild: © Björn Kohlhepp