Zur Berichterstattung über die Entscheidung des Kitzinger Stadtrats, das Stadtmuseum zu schließen, erreichten die Redaktion folgende Leserzuschrift.

Die Große Kreisstadt Kitzingen hat das enorme Glück, mehrere Museen zu beherbergen, jedes mit einer individuellen Ausstellung, alle gleichsam interessant und informativ. Die Ausstellung des Städtischen Museums Kitzingen bildete das gemeinsame Fundament, die Geschichte der Stadt selbst, aber auch die viel länger zurückreichende Siedlungsgeschichte im Kreis und der Region ab. Ohne lokalen Zugang zur Dokumentation der älteren Stadtgeschichte geht auch den verbleibenden Museen ein Stück Inhalt verloren. Ein wichtiger Baustein wird entfernt und was bleibt, ist eine große Lücke in der kulturellen Landschaft Kitzingens, besonders in der Wissensvermittlung.

Drei Möglichkeiten einer Neukonzipierung wurden abgelehnt. Ein Kritikpunkt scheint gewesen zu sein, dass den archäologischen Exponaten bei allen Modellen wieder der größte Raum zugewiesen werden sollte. Wie kann eine Kernkompetenz eines städtischen Museums, dessen Aufgabe es ist, die reiche und zur Freude der Wissenschaftler und der interessierten Bürger sehr gut dokumentierte Siedlungsgeschichte seit der Altsteinzeit aufzubereiten und darzustellen, als Kritik gesehen werden?

Leider wurden konkrete Kritikpunkte nicht transparent kommuniziert, da die Stadtratssitzungen, in denen man sich des Themas annahm, nicht öffentlich ausgetragen wurden. Somit wurde den Bürgern leider die Möglichkeit genommen, mitzuentscheiden oder zumindest die Punkte, welche letztendlich für die Schließung ausschlaggebend waren, in Gänze zu erfahren.

Das Städtische Museum Kitzingen konnte in diesem Jahr auf eine 125-jährige Geschichte zurückblicken. In der Schriftenreihe des Museums erschienen über die Jahre zahlreiche Veröffentlichungen, die sich mit den unterschiedlichsten kulturell und historisch relevanten Themen des gesamten Landkreises befassten.

Arbeitsgruppen gaben interessierten Bürgern die Möglichkeit, sich über volkskundliche Themen, wie traditionelle Handarbeiten oder über philosophische Gedankenspiele und Thesen auszutauschen, die archäologische Arbeitsgruppe arbeitete mit der Universität Würzburg zusammen, Schulen konnten im und mit dem Museum Kunstprojekte durchführen, die oft Geschichte und aktuelle soziale Gegebenheiten miteinander verbanden. Bürger brachten stolz ihre Familienschätze zur Begutachtung ins Museum, oft stifteten sie diese auch in dem Wissen, dass ihr Anteil an der Stadtgeschichte hier in guten Händen war, wertgeschätzt wurde und von allgemeinem Interesse war, vielleicht sogar die Ausstellung bereicherte, welche die gesamte Geschichte von der Altsteinzeit über die internationale Handelsgeschichte des für Kitzingen so wichtigen Wirtschaftsfaktors Wein bis hin zur jüngsten Vergangenheit abdeckte. All dies endet nun nach 125 Jahren hinter den verschlossenen Türen einer Stadtratssitzung.

Ich möchte aber nicht mit einer negativen Aussage schließen. Mein Dank und meine Bewunderung gilt der langjährigen Leiterin des Städtischen Museums Kitzingen, Stephanie Falkenstein. Es war nie leicht, das Museum über die Jahre zu führen, oft fehlte es an Unterstützung. Dennoch gelang es ihr, die bereits genannten Gruppen ins Leben zu rufen, einzigartige Ausstellungsstücke für das Museum zu gewinnen, mit Schulen zusammenzuarbeiten, Künstler und Kulturschaffende aller Sparten ins Museum zu holen und, am wichtigsten, Menschen für ihre eigene Geschichte zu begeistern.

"Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung." (Dietrich Bonhoeffer)

Katharina Singer
97357 Prichsenstadt

Vorschaubild: © Björn Kohlhepp