Dettelbachs Bürgermeisterin Christine Konrad ist immer für eine Überraschung gut. Das war vor knapp acht Jahren so, als sie für etliche Beobachter unerwartet die Stichwahlen für das Bürgermeisteramt gewann und die Nachfolge von Reinhold Kuhn antrat. Das war vor einem Jahr so, als sie nach nun bald acht Jahren den Verzicht auf eine weitere Kandidatur verkündete.

2008 war die in Dettelbach aufgewachsene Architektin Christine Konrad für die Freien Wähler in den Stadtrat eingezogen. Nur vier Jahre später kandidierte sie als Bürgermeisterin für Dettelbach, nachdem Reinhold Kuhn nach 30 Jahren auf eine weitere Amtszeit verzichtet hatte. Mit ins Rennen gingen damals Michael Schuba (CSU) und Norbert Schneider (UCW). Beim ersten Wahlgang Ende September 2012 hatte Schuba noch mit 45,5 Prozent der Stimmen knapp vor Konrad mit 45,2 Prozent gelegen. In der Stichwahl am 12. Oktober 2012 setzte sich Konrad dann allerdings mit 52,7 Prozent Stimmenanteil gegen Schuba durch. Um in der Folge Bürgermeisterwahlen und Stadtratswahlen in Dettelbach wieder an einem gemeinsamen Termin stattfinden zu lassen, durfte Konrad acht Jahre lang die Stadt leiten.

Kein Gespräch zum Ende der Amtszeit

Wenig überraschend für Medienvertreter ist die Antwort aus der Verwaltung auf die Nachfrage dieser Zeitung für ein Gespräch über die vergangenen acht Jahre: Für ein Interview steht die Bürgermeisterin nicht zur Verfügung, so die telefonische Auskunft eines Mitarbeiters. Der Umgang mit der Presse und damit mit der Öffentlichkeit war spätestens seit dem berüchtigten Trojanerangriff gehemmt, lief überwiegend per Schriftverkehr ab. Aber auch die Kommunikation innerhalb der Stadtverwaltung und der Umgang der Rathaus-Chefin mit Mitarbeitern ist aus Sicht von Betroffenen immer wieder als zumindest schwierig bezeichnet worden. So bleibt dieser Rückblick eine subjektive Zusammenstellung von persönlichen Eindrücken, ohne ein Wort von Konrad selbst.

Was in positiver Erinnerung bleibt: eine souveräne Sitzungsleitung der Bürgermeisterin, die nicht auf Rede und Gegenrede setzte, sondern die Stadträte diskutieren ließ. Sitzungen des Bauausschusses waren immer sehr konzentriert und durch die fachliche Kompetenz der Architektin geprägt. Auch in Bürgerversammlungen gab es keine langen Zahlenkolonnen, sondern konkrete Anliegen des jeweiligen Stadtteils – dann hatten auch schon die Bürger das Wort.

In Konrads Zeit als Bürgermeisterin wurden nicht nur neue Baugebiete in Dettelbach ausgewiesen, Gewerbegebiete erweitert, sondern auch Projekte in der Altstadt, etwa ein neues Konzept für das Götz-Haus als Umweltbildungsstation, in Angriff genommen.

Negativer Höhepunkt: der Trojanerangriff

In negativer Erinnerung bleibt sicher der Trojanerangriff auf die EDV der Stadtverwaltung im Februar 2016, der ein bundesweites Medienecho hervorrief. Damals wurden die Daten der Stadt und auch der Stadtwerke von Hackern komplett verschlüsselt und waren in der Folge nicht mehr zugänglich. Auch eine Lösegeldzahlung  brachte wegen Pannen bei der Datenwiederherstellung keine schnelle Lösung.

Konrad stand damals unter großer öffentlicher Kritik, die aus heutiger Sicht zum Teil überzogen war. Allerdings war der Vorwurf mangelnder Transparenz nicht unberechtigt. Der Trojanerangriff hatte aber auch positive Seiten, denn in der Folge standen plötzlich in vielen Kommunen Gelder für IT-Sicherheit zur Verfügung, die zuvor noch als nicht notwendig angesehen waren.

Zukunft liegt wieder in einem Rathaus

Warum Christine Konrad bei den Kommunalwahlen Mitte März nicht noch einmal für das Amt der Bürgermeisterin in Dettelbach kandidierte, bleibt offen, wie viel Rückhalt sie noch bei den Freien Wählern hatte, fraglich. Nach außen demonstrierte man Harmonie. Ein abschließendes Votum der Bürger über Konrads Amtszeit entfiel mangels erneuter Kandidatur.

Beruflich wird die 54-Jährige nun nach Aussage von Vertrauten in die Bauverwaltung einer Kommune im Landkreis Würzburg wechseln.