Der "Weinlandkreis" Kitzingen ist für Bewohner wie Besucher attraktiv. Die günstige Erreichbarkeit über die Fernstraßen, den Main und die Radwege und die Nähe zu Würzburg und selbst noch zu Nürnberg kennzeichnen die Lage. Der Freizeitwert ist hoch, die Wirtschaft brummt, die Schulen sind gut ausgestattet.

In der Fläche fehlt es allerdings an einem gut getakteten ÖPNV, und auch bei der Suche nach Wohnraum ist man nicht überall gleich erfolgreich. Klimatisch hat Kitzingen zwar seinen Ruf als heißeste Stadt Deutschlands verloren, aber die Umweltbedingungen auf der Fränkischen Trockenplatte ändern sich zusehends. Viel zu tun für eine Landkreisverwaltung, die zugleich die unterste staatliche wie die höchste kommunale Ebene im Landkreis Kitzingen darstellt.

Wer kandidiert 2020 für das Amt des Landrats im Landkreis Kitzingen?

  • Landrätin Tamara Bischof (Freie Wähler): Die 56-jährige Dettelbacherin stellt sich seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2000 zum vierten Mal zur Wahl. Die Juristin hat ihre Verwaltung und auch den politisch bunten Kreistag im Griff. Entscheidungen werden oft mit großer Mehrheit gefällt. Das Verhältnis zwischen den politischen Gruppierungen und zur Landrätin ist entspannt. Ihre Hausaufgaben hat Bischof gemacht: Der Haushalt ist solide, die Schulen sind weitgehend saniert, die Klinik Kitzinger Land schreibt als eines von wenigen Land-Krankenhäusern schwarze Zahlen und investiert in den Ausbau.
  • Timo Markert (CSU): Der 42-jährige Repperndorfer ist ein politisch unbeschriebenes Blatt. Markert hat bislang noch kein Mandat errungen; auch durch die Übernahme verantwortungsvoller Ehrenämter hat er sich noch nicht hervorgetan. Außerdem hat der CSU-Kandidat keine Verwaltungserfahrung. Markert versucht daher erst gar nicht, sich als bessere Bischof darzustellen. Er setzt auf sein Profil als Unternehmer. Markert sieht sich nicht als Wahlkämpfer, sondern will die Bürger mit einem anderen Angebot überzeugen, nach dem Motto: Ich bin ich.

Wie ist die Landratswahl 2012 ausgegangen? 

Seit der Wahl im Jahr 2000 hat die CSU keinen Gegenkandidaten mehr ins Feld geschickt. Damals war der heutige Sulzfelder Bürgermeister Gerhard Schenkel Bischof unterlegen. 2006 trat niemand gegen die Landratsamt-Chefin an: Sie holte 97 Prozent. Bei der Landratswahl 2012, die noch außerhalb des regulären Kommunalwahl-Turnus stattfand, trat Rafiq Iqbal für Grüne/ÖDP an. Er kam auf 14,3 Prozent der Stimmen, Amtsinhaberin Bischof auf 85,7 Prozent.  

Was wollen die OB-Kandidaten? 

Wir stellen die beiden zugelassenen Kandidaten in Kurz-Videos vor:

Analyse: Wer hat gute Chancen auf das Amt des Landrats?
Nur zwei Kandidaten bewerben sich um den Sessel des Landrats im Landkreis Kitzingen. Damit fällt die Entscheidung bereits bei der Wahl am 15. März.
Außer der CSU verzichten alle Parteien darauf, einen Gegenkandidaten zu stellen – entweder weil sie Amtsinhaberin Tamara Bischof unterstützen, oder weil sie eine deutliche Abfuhr erwarten würden.
Als größte Fraktion im Kreistag wagt es die CSU erstmals seit 20 Jahren, den Wählern einen Gegenentwurf anzubieten. Doch nachdem CSU-Kreisvorstandsmitglieder, Kreistagsfraktionführer oder gestandene Bürgermeister verzichteten, geht ein politischer Neuling an den Start.  
Gemessen daran, hat die CSU ihm wenig Zeit zur Profilierung gelassen. Andernorts werfen Landratskandidaten oft schon Jahre vorher den Hut in den Ring, um dann ausgiebig den Landkreis zu bereisen, sich auf Veranstaltungen vorzustellen und eigene Inhalte zu entwickeln. Letztlich ist Timo Markerts größtes Pfund seine CSU-Mitgliedschaft. 
Vieles spricht dafür, dass der Landkreis Kitzingen auch nach dem 1. Mai von Tamara Bischof geführt wird. Die entscheidende Frage – Warum sollte man die Amtsinhaberin abwählen? – hat Timo Markert bislang nicht beantworten können. Sein Ansatz, als Unternehmer und Mann der Wirtschaft andere Akzente setzen und somit gegen die erfahrene Juristin und Verwaltungsmanagerin punkten zu wollen, ist für sich allein zu kurz gegriffen.
Wenig Spannung: Kein Wunder also, dass der "Wahlkampf" kaum als solcher wahrgenommen wird und wenig spannend verläuft. Das könnte sich 2026 ändern, wenn Bischof nach einer potenziellen vierten Amtszeit entweder aufhört oder doch noch einer der CSU-Granden wagt, in den Ring zu steigen.
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