Mittlerweile wohnt die Familie in Hoyerswerda (Sachsen), als im Januar 2026 die E-Mail von Tasso eintrifft. "Meine Tochter hat ein Foto gesehen und Bagheera direkt erkannt", sagt Johanna Ruddies. Wieder fließen Tränen. Bagheera soll abgeholt werden. Doch zur gleichen Zeit steigen in Johanna Ruddies Bedenken auf: Ist ein Zusammenleben mit der Katze und den drei Hunden, die mittlerweile im Haus leben, möglich? "Andererseits: Jetzt ist er endlich wieder da. Er wurde bei uns geboren."
Tränen beim Wiedertreffen: "Ich habe mein kleines Kätzchen aus der Sockenschublade wiedergesehen"
Bei Schnee und Eis machen sich Johanna Ruddies und Tochter Ylvie also auf den Weg ins knapp 400 Kilometer entfernte Unterfarrnbach. Auf dem Hof, dessen Besitzer sich seit sieben Jahren um den zugelaufenen Kater kümmern, liegt Bagheera auf einem Sessel. Er heißt hier anders, doch als Ylvie ihn bei seinem alten Namen rief, ist er direkt aufgestanden und zu ihr gelaufen", erinnert sich die vierfache Mutter. Was ihr selbst durch den Kopf gegangen sei, als sie das Foto gesehen hat? "Ich habe mein kleines Kätzchen aus der Sockenschublade wiedergesehen."
Mittlerweile wohnt der Kater in Hoyerswerda, versteht sich hervorragend mit den anderen Tieren, schläft jede Nacht in Ylvies Bett und steht mit der Zehnjährigen auf. Dann sitzt er unübersehbar vor seinem Napf und fordert ein pünktliches Frühstück ein. "Er hat noch die gleichen Marotten wie früher", schmunzelt Johanna Ruddies.
Sie ist Monika Panzer und den Landwirten, die Bagheera versorgt haben, dankbar. Trotzdem hätte sie sich gewünscht, dass schon früher jemand mit der zugelaufenen Katze zum Tierarzt gefahren wäre, um den Chip auszulesen.
Kater Nero: Deshalb sucht Monika Panzer mit Herzblut nach fremder Katze
Mehr Aufklärung rund um den Tasso Chip und mehr Skepsis bei scheinbar heimatlosen Tieren wünscht sich auch Monika Panzer. "Vielen wissen gar nicht, dass nicht nur der Tierarzt den Chip auslesen kann, sondern dass man sich das Lesegerät auch im Internet bestellen kann", informiert sie im Gespräch. Sie kenne viele Fälle, in denen Menschen Katzen füttern und aufnehmen, aber nicht nachforschten, ob das Tier einen Besitzer hat.
Über den Zufallsfund von Bagheera "habe ich mich total gefreut. Einerseits war ein bisschen Enttäuschung dabei, weil wir andere Katzen finden, aber Nero noch nicht gefunden haben. Aber ich habe mich trotzdem total gefreut".
Seit eineinhalb Jahren engagiert sich Monika Panzer bei der Suche nach Nero, scannt Tasso-Chips und verteilt Suchplakate. Der Kater ist vor zwei Jahren seinen Besitzern entlaufen, die in Erlangen auf der Durchreise waren. "Ich habe selbst zwei Katzen, an denen ich hänge. Und ich kann total nachvollziehen, wie das ist, wenn man auch nicht hier wohnt", sagt sie.
Kater von Finderin an FIP erkrankt: "Er war mehr tot als lebendig"
Warum die 51-Jährige so viel Herzblut in die Suchaktion steckt? Vor drei Jahren sei ihr eigener zweijähriger Kater an der lebensbedrohlichen Krankheit Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) erkrankt. "Er war mehr tot als lebendig." An ein Medikament zu kommen, ist zu dieser Zeit schwierig und teuer. Maßgeblich geholfen hat ihr ein Mann aus einer Facebook-Gruppe - "mein persönlicher Retter", sagt sie.
"Mich hat das damals so berührt, dass er so selbstlos geholfen hat. Das kam mir in den Sinn, als ich von Nero erfahren habe", erklärt Monika Panzer. "Für mich ist es so einfach zu helfen. Und wenn es nur einmal in der Woche ist." Nero sei für sie mittlerweile wie ein eigener Kater. Sie sei davon überzeugt, dass Nero noch gefunden werden könne, wenn jeder ein bisschen die Augen offen halte. "Ich glaube nicht, dass ihm was passiert ist. Und ich gebe nicht auf, bevor wir ihn gefunden haben."