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Kitzingen

Kitzingens OB Müller: Entspannter Rückblick eines Verwalters

Nach zwölf Jahren endet die Amtszeit eines UsW-Oberbürgermeisters in Kitzingen. Siegfried Müller blickt zurück und erklärt, warum er als Stadtrat weitermachen will.
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Siegfried Müller, Oberbürgermeister der Stadt Kitzingen von 2008 bis 2020, im historischen Saal des Rathauses, wenige Tage vor dem Ende seiner Amtszeit. Foto: Andreas Brachs
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Es war Anfang der 1990er-Jahre, als in Kitzingen die Geburtsstunde der Unabhängigen sozialen Wählergruppe (UsW) schlug: Im innerparteilichen Streit um die damalige OB-Wahl spaltete sich die UsW von der SPD ab. Mit ins neue Lager wechselte ein Kommunalpolitiker, der 1990 auf der SPD-Liste erstmals in den Kitzinger Stadtrat gewählt worden war: Siegfried Müller.

Beim Stadtrat blieb es nicht: Der Sparkassen-Betriebswirt kandidierte 2002 als OB-Bewerber gegen Amtsinhaber Bernd Moser (SPD)  und unterlag in der Stichwahl knapp mit 137 Stimmen Unterschied. 2008 schlug dann Müllers Stunde: Er errang in der Stichwahl gegen Angelika Küspert (CSU) recht deutlich das Oberbürgermeisteramt, das er noch bis 30. April ausübt.

Müllers Ausstieg bedeutet Abstieg der UsW

Mit dem Abtreten Müllers geht es auch mit der UsW bergab: Die einst stolze Fraktion hat im Stadtrat künftig neben Müller nur noch Werner May als Vertreter, im Kreistag ist Müller gar ihr einziger. Deshalb sollen laut Müller nun die Jungen in der Wählergruppe entscheiden, wie es weitergehe. Ob man sich der SPD anschließen wird? Oder den Freien Wählern? Oder selbstständig bleibt?

Müller selbst war mehr Verwalter als Gestalter. Große Reden sind seine Sache nicht; er selbst sieht sich als Pragmatiker. Der Blick zurück:

Die Zusammenarbeit im heterogenen Stadtrat habe sich verbessert. Mit seinen Stellvertretern Stefan Güntner (CSU) und Klaus Heisel (SPD) war er sehr zufrieden. Sie hätten ihn viel unterstützt und es habe "menschlich gepasst". 

Müller erinnert an Meilensteine seiner Amtszeit: Die Kleine Landesgartenschau, obwohl noch vor seiner Amtszeit beschlossen, sei eine Initialzündung für die Stadt gewesen. Trotz weniger, aber beharrlicher Gegner habe sie die Stadt vorangebracht und wie die Gestaltung des Mainufers auf der Altstadt-Seite die Aufenthaltsqualität deutlich verbessert. Auch ein Großprojekt: die Sanierung der Brauhöfe der ehemaligen Bürgerbräu in der Innenstadt und ihr Umbau zu einem modernen Wohnquartier.

Konversion als Kitzinger Herkulesaufgabe

Ein Wendepunkt: die Konversion der ehemaligen US-Gelände.  Der OB verteidigt die Entscheidung, die Kasernen-Areale Privatinvestoren überlassen zu haben. In der Folge hätten sich neue Firmen angesiedelt; über 1000 Arbeitsplätze seien entstanden.

Müller erinnert etwa an die Zentren für Logistik von Schaeffler und für die EDV von Knauf. Dankbar ist er auch Georg Wittmann, der die Wohnareale der US-Amerikaner für die Bevölkerung geöffnet und so Druck vom Wohnungsmarkt genommen habe.

Andere Investoren hätten Baulücken in der Stadt geschlossen und zum Teil hochpreisigen Wohnraum, für den es ebenfalls Nachfrage gebe, auf alten Firmenarealen gebaut. Begleitend habe die Stadt den Sozialwohnungsbau in der Breslauer Straße vorangetrieben.

Stolz ist Siedler Müller auf das Stadtteilzentrum in der Siedlung. Es nutze den Bürgern in der ganzen Stadt. Ähnliches erhofft er sich vom Haus für Jugend und Familie, das in der Kernstadt gebaut werden soll. Dass es kein zweites Bürgerzentrum geben wird, hält Müller nicht für seine Schuld. Die Stadt habe dem Dachverein verschiedene Angebote gemacht.

"Wir brauchen eine Attraktion am Mainufer", verteidigt er die Pläne für einen dortigen Hotelbau. "Es ist schön, aber leblos." Deshalb sei ein Hotel mit einer Außengastronomie wünschenswert, und auch die Bettenkapazität werde in Kitzingen benötigt. Geht es nach Müller, wird der Vertrag mit Investor Wolfgang Rosentritt schnellstens behandelt.

"Wir brauchen eine Attraktion am Mainufer. Es ist schön, aber leblos."
Siegfried Müller, scheidender OB in Kitzingen

Ein großes Augenmerk legte der ehemalige Sportler auf die Sanierung von Sportstätten und Schulen. Nicht nur Gebäude und Außenanlagen wurden saniert, auch eine Vielzahl von Betreuungsmöglichkeiten für Kinder hat die Stadt geschaffen. Der Ausbau der Kindergärten und Krippen bleibe angesichts der Nachfrage eine Herausforderung für die Stadt. 

Ärgerliche Bahnhof-Entwicklung

Als ärgerlich empfindet Müller noch heute die schleppende Entwicklung im und um den Bahnhof. Angesichts der vielen Tochterunternehmen der Deutschen Bahn seien Verhandlungen mit ihr äußerst schwierig. Außerdem mangele es der Bahn an Geld, zum Beispiel beim barrierefreien Ausbau. "Ich hätte mir von der Bahn mehr Entgegenkommen gewünscht", sagt er rückblickend. Den innen maroden Bahnhof nicht gekauft zu haben, hält er für richtig.

Auch richtig aus seiner Sicht war die Absage an eine Stadthalle. Müller zufolge wäre sie ein großes Zuschussgeschäft geworden. Andere Städte würden hohe sechsstellige Beträge pro Jahr für Hallendefizite ausgeben.

Noch heute bedauert der Rathauschef allerdings die knappe Stadtratsentscheidung gegen eine Mehrzweckhalle auf dem Deusterareal. Er hätte sich dort eine Halle wie in Volkach oder Dettelbach vorstellen können, die man neben dem Sport auch für zehn bis 15 Veranstaltungen im Jahr hätte nutzen können.

Was die Unterbringung von Flüchtlingen angeht, sagt Müller: "Die Stadt Kitzingen hat für den ganzen Landkreis eine ganz hervorragende Leistung vollbracht." Auch beim Notwohngebiet  ist er zuversichtlich, dass das Konzept für die künftige Trennung von Mietern und Obdachlosen greifen werde. Jedoch ist er gegen eine Verlagerung der Obdachlosen an eine andere Stelle. Das würde dort nur den Widerstand der Bevölkerung nach sich ziehen.

Zeit für Frau, Haus und Sport

Wie geht es mit Müller weiter? Der Ehrenbürger der Partnerstadt Trebnitz will sein Stadtratsmandat antreten und auch im Kreistag mitarbeiten. "Viele beschlossene Projekte möchte ich noch positiv begleiten und über Parteigrenzen hinweg diskutieren und mitentscheiden."

Abgesehen davon will Müller die gewonnene Freizeit für Arbeiten in Haus und Garten nutzen und "zum Relaxen und Verreisen mit meiner Frau". Außerdem möchte der ehemalige Sportler wieder mehr für seine Fitness tun.

Über seinen Nachfolger Stefan Güntner (CSU), der wie er aus der Siedlung stammt, sagt Müller: "Er ist ein Sportler und entscheidet pragmatisch." Er wünsche ihm, dass er guten Kontakt zu den Stadträten hält, unvoreingenommen auf sie zugeht und deren Wünsche berücksichtigt. Der neue Oberbürgermeister könne sich in der Verwaltung "auf eine starke Mannschaft verlassen".