Ein jugendlicher Heinz Dorsch begrüßte die Gäste am Landschaftssee. Allerdings nur auf seinem ersten Wahlplakat. Live tat dies der ehemalige Bürgermeister dann selbst. Über 31 verdienstvolle Jahre liegen dazwischen. Die Marktgemeinde sagte nun Danke und ernannte Dorsch zum ersten Ehrenbürger der Marktgemeinde.

Heinz Dorsch habe kein "Altbürgermeister" werden wollen, sagte Ruth Albrecht. Aber "Bürgermeister a.D." reiche nach 30 Jahren einfach nicht. Das war der Moment, da Heinz Dorsch schluckte, als er vorne neben dem Rednerpult bei Ruth Albrecht und Weinprinzessin Lena Kobold-Bareiß stand. Als Ruth Albrecht verkündete, dass Heinz Dorsch in Würdigung seiner außergewöhnlichen Verdienste den Titel Ehrenbürger der Marktgemeinde verliehen bekommt, da war er sprachlos. Denn Dorsch ist der erste, der diesen Titel tragen darf.

Außer den Mitgliedern des Marktgemeinderats hatten es nur wenige gewusst, seine Familie hatte auch nichts verraten. Der neue Ehrenbürger hatte immer wieder mal im Vorfeld dezent nachgeforscht, was denn geplant sei, aber trotz intensivster Bemühungen nichts erfahren. Selbst Blicke mit dem Fernglas zum Landschaftssee bei den Vorbereitungen der Feier blieben erfolglos.

So schaute er eine gefühlte Ewigkeit auf die Buchstaben der Ehrenurkunde, mittlerweile hatten sich zwei seiner vier Enkelkinder zu ihm gesellt, wohl weil sie gespürt hatten, dass ihr Opa jetzt etwas Unterstützung braucht.

Viele Weggefährten waren zur Feier an den Landschaftssee gekommen, die, die nicht konnten, hatten sich mit lieben Worten entschuldigt. So zum Beispiel der frühere Pfarrer Andreas Hornung oder Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber. Letztere hatte zugesagt, musste dann aber nach München. "Wenn Söder ruft, lieber Heinz, da bist Du raus", scherzte Albrecht.

Dennoch war "geballte Kommunalpolitik" vertreten, doch nur Landrätin Tamara Bischof und Landtagsabgeordnete Barbara Becker durften ein Grußwort sprechen. Beide würdigten in sehr persönlichen Worten die Verdienste von Heinz Dorsch. Becker erinnerte vor allem an einen Ausspruch von Dorsch, nämlich "Bleibt ganz ruhig, macht Euch nicht verrückt".

Ruth Albrecht ließ die wichtigsten Projekte ihres Vorgängers Revue passieren – vom Landschaftssee über die Paradiesscheune bis zur Kultur. Alles unter dem Motto: "Die Bürger müssen sich wohlfühlen". Mit Kultur hatte auch das Abschiedsgeschenk zu tun: das Bild "Der gelbe Krug" des Künstlers Wolfgang Wieland. Von den Kindergartenkindern erhielt er selbstgebastelte Blumen mit vielen guten Wünschen. Die Seinsheimer Musikanten erfreuten bei der Feier gut gelaunt mit ihrer Musik. Und extra für ihn waren die "Seinsheimer Misthacken" wieder zusammengekommen und sangen unter anderem sein Wahlpropagandalied.

"Ich bin einfach baff", meinte ein gerührter Heinz Dorsch, dem das Schlusswort gebührte. Über seinen Ehrentitel werde er erst einige Nächte schlafen müssen. Als "Vereinsmeier" und Bürgermeister für 30 Jahre wisse er, dass seine Frau Elfi oft mit den Kindern allein zu Hause war. Ihr galt sein herzlicher Dank. Von der Marktgemeinde gab es für Elfi Dorsch ein Blumenarrangement für die Terrasse. "Der Heinz hat ja jetzt Zeit, es zu gießen", verlautete aus den Reihen der anwesenden Bürgermeister. Dann wurde mit Wein vom Hohenbühl, Seinsheimer Kellerbier und Speisen aus den Ortsteilen gefeiert.