Julia Ebenhöh und ihr Mann Michael Ratz sind gebrannte Kinder, was Hochwasserereignisse in Mainstockheim betrifft. Denn sie sind Unterlieger am Riedbach und seit 2013 schon dreimal von Überschwemmungen getroffen worden. Für die aktuelle Ratssitzung hatten sie sich Hoffnungen auf Fortschritte des Hochwasserschutzes gemacht, doch konkret gebracht hat ihnen der Sitzungsverlauf nicht. "Es wird sich jetzt nichts Wesentliches am Riedbach ändern", beschrieb Bürgermeister Karl-Dieter Fuchs das Ergebnis eines kürzlichen Gesprächs mit Behörden und Experten.

Wie Karl-Dieter Fuchs informierte, hatte es kürzlich einen Gesprächstermin im Wasserwirtschaftsamt (WWA) gegeben. Die Behörde habe die Gemeinde wissen lassen, dass sie wohl nie die Vorschrift eines HQ100-Durchlasses erreichen werde. Zudem hätten Dritte gegenüber der Gemeinde als Verpflichtete des Gewässerunterhalts keinen Anspruch auf einen Ausbau solcher Gewässer. Laut dem Gesprächsprotokoll wolle die Gemeinde im Oberlauf des Riedbachs für kleinere Verlandungsmöglichkeiten sorgen und Aufweitungsmöglichkeiten des Baches auf gemeindlichen Flächen schaffen.

Das WWA legte der Gemeinde die Erstellung eines Konzeptes zur Wasserrückhaltung auf Basis eines hundertjährigen Hochwasssers (HQ 100) ans Herz. Der Bürgermeister fand den Hinweis zwar für die Zukunft hilfreich, aber es seien kurzfristige Maßnahmen erforderlich. Derweil würden mit einer Konzepterstellung vermutlich zwei bis drei Jahre ins Land gehen, was er den betroffenen Bürgern nicht zumuten wolle.

Warum ist nicht möglich sei, im oberen Bereich des Riedbachs etwas zu machen, um eine Besserung zu erreichen?", sagte Peter Brandner. Der Bürgermeister erwiderte, dass die Gemeinde nichts auf die Schnelle machen könne, sondern Änderungen an einem Gewässer Dritter Ordnung nur nach aufwändigen Antragsverfahren vorgenommen werden dürfen. Die Diskussion drehte sich vor allem um ein Schutzgitter am Einlaufbauwerk an der Straße "Am Kirchberg", und obwohl allen bewusst war, dass jemand den Rechen an der Brücke unerlaubt entfernt hat, wurden Ross und Reiter nicht genannt.

Werner Zürlein gefiel die Situation überhaupt nicht, denn er befürchtete, als Ratsmitglied möglicherweise eine Haftung übernehmen zu müssen, wenn kein Schutzgitter vorhanden und kein Verursacher bekannt sei. "Ich werde das alte Gitter nicht mehr anbringen lassen", meinte der Bürgermeister, stattdessen soll ein neues Gitter konstruiert werden, das den Anforderungen der gesetzlichen Vorschriften entspricht.

Moniert wurden am Ratstisch die Umstände, dass mehrere Anlieger am Riedbach-Oberlauf für nicht erlaubte Ablagerungen verantwortlich sind. Deswegen werde die Gemeinde sich schriftlich an die Anlieger wenden, um eine Besserung zu erreichen. Dazu wandte Frank Schmidt ein, dass sich in diesem Zug die Gemeinde auch an die eigene Nase fassen müsse.

Im Rahmen einer Auswechslung eines Mischwasserkanals von der Riedbachsiedlung bis zum Kirchberg hat die Gemeinde eine Aufweitung des Riedbachs auf einer Länge von 80 bis 100 Meter vor. Dann soll der Riedbach als weitere Maßnahme noch einen zweiten Rechen bekommen.

Julia Ebenhöh bedauerte auf Nachfrage, dass nicht mehr Konkretes geschehe und hoffte, dass die Gemeinde die Anstrengungen noch intensiviere, um künftige Hochwasserschäden zu begrenzen.