Was tut eine Sozialpädagogin, die im Oktober 2020, also mitten in der Corona-Pandemie, eingestellt wird und von allen sozialen Kontakten abgeschnitten ist? Sie sitzt am Telefon oder am Laptop und kommuniziert aus der Ferne. So wie Michaela Holzmann. Die Leiterin des Iphöfer Familienstützpunkts soll im Stadtrat über ihre Arbeit berichten, aber in den ersten Monaten war da oft nur graue Theorie; erst jetzt, da die Masken fast überall gefallen sind, komme "die Welle". Sie treibt die Menschen langsam wieder zu Holzmann, die geschulte Expertin kann den Leuten wieder in die Augen schauen und mit ihrer Arbeit so richtig beginnen. Aber was tut sich da eigentlich am Iphöfer Familienstützpunkt?

Was bietet der Familienstützpunkt?

Hilfestellung bei den Themen Familien, Kinder, Erziehung, Partnerschaft und Gesundheit. Der Familienstützpunkt sei als "Anlaufstelle" gedacht, die sich Problemen von Eltern, Paaren und Kindern annimmt und auf Wunsch Anliegen weiterleitet. Michaela Holzmann wirbt um Vertrauen mit einem "offenen, niederschwelligen Angebot" und sagt: "Wir sind kein Jugendamt." Niemand müsse Angst haben, dass er mit seinen Sorgen, Nöten und Problemen an die Behörden gemeldet würde.

An wen richtet sich der Familienstützpunkt?

Die Adressaten sind klar definiert: Familien und Paare sowie Kinder vom Baby bis zum Teenager. Im Iphöfer Stadtrat tauchte eher die Frage auf, wen man mit dem Angebot eher nicht erreicht? Matthias Schuhmann wünschte sich, verstärkt Kinder im Grundschulalter in den Blick zu nehmen. Sie hätten besonders unter der Corona-Zeit gelitten und hätten deshalb verstärkt Unterstützung nötig. Norbert Melber sagte: "Die, die am dringendsten Hilfe bräuchten, kommen gar nicht." Ein Problem, das auch Michaela Holzmann kennt. Die Familienstützpunkte könnten durch ihre Vernetzung mit Beratungsstellen bloß hoffen, dass von dort Leute, die Hilfe bedürfen, zu ihnen geschickt würden. Sie könne und dürfe aber keine Hilfe wie die Jugendämter leisten. Erst dieser Tage hat der Bayerische Philologenverband vor einem besorgniserregenden Trend gewarnt. Demnach leiden immer mehr Schüler und vor allem Schülerinnen unter Depressionen.

Welche Angebote machen die Stützpunkte?

Neben den klassischen Gesprächsangeboten gibt es den offenen Eltern-Kind-Treff. Was banal als "Krabbelgruppe" daherkommt, ist laut Holzmann als "Türöffner für Familien" gedacht, die schwer Anschluss finden. Bei den regelmäßigen Treffen gehe es um gegenseitigen Austausch und darum, Kinder nach Wochen und Monaten der Isolation in der Corona-Zeit wieder zu sozialisieren. Während der Pandemie mussten die Familienstützpunkte im Landkreis Kitzingen monatelang schließen, der in Iphofen konnte erst gar nicht öffnen. Es gab Videokonferenzen, Podcasts und wöchentliche Newsletter.

Welche Veranstaltungen sind geplant?

Der Stützpunkt organisiert ein Programm mit Fachvorträgen, die unter dem Aspekt der Erwachsenenbildung laufen. Mit den Referaten sollten Eltern geschult werden, sagt Holzmann. Ende Juni etwa gibt es einen Vortrag zum Thema "Mein Kind pubertiert und jetzt?" Ab Herbst steht dann das große Thema der Geschlechterdiskussion und Rollenklischees auf der Agenda.

Wo findet das alles statt?

Der Stützpunkt im Süden – einer von fünf im Landkreis – wird getragen von den Kommunen Iphofen, Markt Einersheim, Rödelsee, Willanzheim und Seinsheim. Die Stadt Iphofen stellt dafür Räume im Jugendhaus am Stadtgraben zur Verfügung, das nach einem Neuanstrich "Komm" heißt. Mit dem neuen Namen soll auch eine Neuausrichtung einhergehen. Man versteht sich als interkommunale Familienbildungsstätte und als Treffpunkt für die Kleinsten bis zur Jugend. Iphofens Bürgermeister Dieter Lenzer verweist auf ein "Angebot, das eine große Bandbreite abdeckt". Die Leiterin Michaela Holzmann ist ausgebildete Sozialpädagogin und war zuvor in der Iphöfer Kita St. Barbara beschäftigt.