Chöre und Gesangvereine leiden unter den Corona-Auflagen. Nicht nur, dass ihnen die wöchentlichen Singstunden und Probennachmittage und damit vor allem älteren Menschen die Kontakte fehlen, es geht vielen Vereinen inzwischen an die finanzielle Substanz.

In einem Brandbrief wandte sich der Schriftführer der Sängergruppe Kitzingen, Guntram Zielonka, an den Vorsitzenden des Fränkischen Sängerbundes Friedhelm Brusniak. Er bemängelte, dass die jährliche Förderung erst durch Vorschusszahlungen an den Sängerbund vorfinanziert werden müssten. Er hielt Brosniak vor, dass viele Vereine dazu nicht mehr in der Lage seien.

Chöre und Gesangvereine finanzieren sich überwiegend durch Mitgliedsbeiträge, dazu kommen öffentliche Auftritte und Veranstaltungen. Bei eigenen Festen wie etwa Liederabenden werden die Gäste in aller Regel bewirtet, mit dem so erwirtschafteten Gewinn wird die Vereinskasse wesentlich unterstützt.

Einige verfügten zwar noch über Rücklagen, doch auch die schwänden wegen laufender Ausgaben, so Zielonka. Es gebe zwar Chöre, die in gemeindeeigenen Räumen üben können und mietfrei gestellt wurden, bei anderen jedoch sei dies nicht der Fall. Hinzu kommen laufende Kosten wie Versicherungen und Verbandsbeiträge sowie - nicht zu vergessen - das Honorar für oftmals hauptberuflich tätige Chorleiter.

Wird Jubiläum nachgeholt? 

Zielonka ist Vorsitzender des Gesangvereins 1910 Kleinlangheim, der im vergangenen Jahr mit einem Festkommers sein 110-jähriges Bestehen feiern wollte. Mit etwas Glück soll das Jubiläum nun mit 111 Jahren nachgeholt werden.

Aktuell gebe es keine Austritte und die Finanzen reichten noch aus, obwohl die beiden Chorleiter und der Kinderchorleiter weiterbezahlt werden. Er betont aber auch, dass die Mitgliedsbeiträge von 24 Erwachsenen und 15 Kindern alleine nicht zur Kostendeckung ausreichten, auch wenn einige Zuwendungen geholfen hätten.

Der Verein habe in Hygienetechnik, ein medizinisches Luftreinigungssystem, ein CO²-Meßgerät und kontaktlose Desinfektoren investiert, gebracht habe es aber wenig, denn Auftritte wie zum Volkstrauertag und zur Weihnachtszeit seien ausgefallen.

Von Kleinlangheim nach Tiefenstockheim. Dort fand die letzte Singstunde beim gemischten Chor vor mehr als einem Jahr statt. Die laufenden Kosten kann der Chor dank Rücklagen und Zuschüssen des Freistaates zwar decken und auch Chorleiter Christian Brückner bezahlen, jedoch fehlen die Einnahmen aus dem jährlichen Straßenfest, den Liederabenden und anderen Auftritten vollständig, wie die Vorsitzende Gudrun Müller unterstreicht.

Neue Chorsätze geschrieben

Vor allem für die älteren der 70 aktiven und passiven Mitglieder – manche davon alleinstehend – entfalle mit den Singstunden auch die gewohnte Geselligkeit, um so Einsamkeit entgegen zu wirken. Von Glück spricht Chorleiter Brückner, dass die Zahlungen für die Chorleiter dank staatlicher Förderprogramme weitergehen können, das gehe aber nicht ewig so weiter. Er selber nutzte die Zeit und schrieb Chorsätze für seine Chöre, abgestimmt auf das jeweilige Niveau. Die allerdings müssten nun einstudiert werden.

Wegen der seit mehr als zwölf Monaten ausgefallenen Singstunden werde es wohl ein halbes Jahr dauern, bis Chöre nach intensiven Proben wieder auftreten können. Er hofft dabei inständig, dass die Chormitglieder nicht bequem geworden sind und sich wieder motivieren lassen. Wenn Chorproben bald wieder möglich seien, könne man über Adventssingen nachdenken.

Die Vorsitzende der Sängergruppe Kitzingen, Elke Kuhn, hofft inständig, dass sich die Vereine wieder zusammenfinden und mit ihren Proben die Voraussetzungen für öffentliche Konzerte und Liederabende schaffen können. Es fehle in ihrem gesamten Zuständigkeitsbereich an der kulturellen Vielfalt, zu der Chöre und Gesangvereine maßgeblich beitragen.