Der Markt Wiesentheid hat die Ratsstube gekauft. In der Sitzung des Gemeinderates teilte Bürgermeister Klaus Köhler mit, dass es dieser Tage gelang, das Gebäude der unmittelbar neben dem Rathaus gelegenen Gaststätte zu erwerben. Bereits seit längerer Zeit hatte sich die Kommune für die Immobilie interessiert, die einem Privatmann gehörte.

Mit dem Kauf des Gebäudes verfolge man das Ziel, die Entwicklung des Innerorts weiter zu gestalten und besonders „das Gastgewerbe im Ortskern dauerhaft zu erhalten“, lautete die Begründung am Ratstisch. Die Gaststätte ist derzeit verpachtet. Nach Ende des noch laufenden Pachtvertrages wolle man eine Umgestaltung und Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes angehen, so Bürgermeister Köhler.

Auf Nachfrage nach der Laufzeit des Pachtvertrages sagte Bürgermeister Köhler, dass diese absehbar sei. Der Vertrag sei bislang von Jahr zu Jahr verlängert worden. Man wolle dem bisherigen Pächter nicht kündigen, jedoch habe dieser angedeutet, dass er in den nächsten Monaten in Rente gehen wolle.

Man wolle nichts überstürzen, zunächst müsse die Gemeinde Ideen entwickeln, wie sie die Ratsstube künftig gestalten möchte, so Bürgermeister Köhler. Er wies darauf hin, dass sich im Gebäude außerdem eine Wohnung befinde, die aktuell vermietet sei.

Lange Geschichte

Die heutige Ratsstube gehört zum Ensemble des Schlossplatzes und hat eine lange Geschichte. Einst hieß Gasthaus „Zum Stern“. In dem Anwesen betrieb die Familie Leicht eine Brauerei. Im Obergeschoss befand sich ein großer Tanzsaal, der bis in die 60er Jahre nicht nur bei der Kirchweih für Tanzveranstaltungen genutzt wurde.

In der Ratssitzung informierte Bürgermeister Köhler außerdem über das angrenzende Haus in der Köglergasse, das die Gemeinde bereits letztes Jahr gekauft hatte. Die Gemeinde möchte darin Wohnungen einrichten. Die Räte schauten sich erst dieser Tage das Gebäude an. Man sei überrascht gewesen von der Bausubstanz, die man „unbedingt erhalten solle“, wie nicht nur Ratsmitglied Georg Stürmer (CSU) meinte.

Dort ließen sich relativ schnell Wohnungen einrichten, das Erdgeschoss und der erste Stock eignen sich dafür, meinte die Dritte Bürgermeisterin Helma Schug (CSU). Das Dach müsse saniert werden. Für öffentliche Räume oder eine spätere Mitnutzung etwa als Fremdenzimmer der Gaststätte, sei das Gebäude nicht geeignet, meinten die Räte. „Das ist ein reines Wohnhaus“, merkte Schug an. Festgelegt wurde, dass ein Architekturbüro einen Entwurf mit einer Kostenschätzung erstellen soll.

Zur Erweiterung des Rathauses wird das ebenso angrenzende ehemalige Richter-Anwesen umgebaut, wie bereits berichtet. Wie Bürgermeister Köhler mitteilte, werden derzeit Pläne für die Nutzung der Räume als Büros erstellt.

Zu Beginn der Ratssitzung bekam der Zweite Bürgermeister Hrald Rößner die kommunale Verdienstmedaille für sein "langjähriges verdienstvolles Wirken in der kommunalen Selbstverwaltung", so der Text der Urkunde, verliehen. Bürgermeister Klaus Köhler  überreichte das vom Bayerischen Innenminister Herrmann unterzeichnete Papier im Auftrag von Landrätin Tamara Bischof.