Es war ein Beschluss, den sich der Stadtrat Prichsenstadt nun wirklich nicht leicht gemacht hatte: Mit zehn zu drei Stimmen lehnte der Rat am Donnerstagabend den Antrag des Vereins Alt Prichsenstadt ab, im Ortsteil Altenschönbach einen Gedenkstein zur Erinnerung an die von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Mitbürger aufzustellen.

Den Antrag hatte der Rat in seiner Februar-Sitzung nach intensiver Diskussion von der Tagesordnung abgesetzt, um zunächst die Stimmung der Bürger aus Altenschönbach zu erkunden. Das war zwischenzeitlich in Form eines Informationsabends geschehen, moderiert von Wolf-Dieter Gutsch. Ein eindeutiges Ergebnis hatte es an diesem Abend nicht gegeben, berichteten Stefan Deppisch und Helmut Hümmer (beide aus Altenschönbach) in der Ratssitzung. Übereinstimmend waren sie zu der Überzeugung gekommen, „dass die Altenschönbacher diesen Gedenkstein wohl eher nicht haben wollen“.

Gedenkstein neben Kriegerdenkmal

Der Gedenkstein hätte aufgrund des Antrages des Vereins am Kirchplatz in Altenschönbach aufgestellt werden sollen. Schon in der Februarsitzung waren sich die Räte einig, dass die Erinnerung an die ermordeten jüdischen Mitbürger auf jeden Fall aufrecht zu erhalten sei. Uneinig waren sie sich gewesen, in welcher Form erinnert werden soll.

Diese Debatte zog sich auch durch die Sitzung am Donnerstagabend, zumal der Verein auch eine kleine Änderung in seinen Antrag eingebracht hatte: Der Gedenkstein, nun in einer etwas weniger pompösen Ausführung, soll neben dem Kriegerdenkmal platziert werden. Dort würde er auch niemandem im Weg stehen, wie die Räte noch im Februar befürchtet hatten.

Stolpersteine statt Gedenktafel?

Bürgermeister René Schlehr hatte sich im Vorfeld der Sitzung mit dem Urheber der „Stolpersteine“, Gunter Demnig, über Variationen der Steine erkundigt. Diese, so Schlehr, würden grundlegend abgelehnt werden. Die Stolpersteine sollen vor dem „zuletzt freiwillig bewohnte Haus der später von den Nationalsozialisten ermordeten Juden“ ins Straßenpflaster eingelassen werden, eine Art Gedenktafel würde dem Gedanken eines „Verbeugens vor den Opfern“, wie es Stadträtin Ursula Reiche im Februar angemerkt hatte, nicht entsprechen.

Ob der Gedenkstein neben einem „Denkmal für gefallene deutsche Soldaten“ angebracht sei, woran sich „bestimmt jemand stoßen“ könnte, war der laut geäußerte Gedanke von Harald Rückert. Ein Umstand, den die meisten Räte nicht wirklich so sahen. „Es gibt an manchen Orten Ansammlungen von Gedenksteinen aller Art, jüdisch neben christlich, da würde ich gar nicht das Problem sehen“, so der Bürgermeister.

Dass „die Altenschönbacher“ so gegen den Gedenkstein seien, das sah Rats- und Vereinsmitglied Ludwig Meder anders. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der überwiegende Anteil der Altenschönbacher so gegen diesen Gedenkstein ist“, sagte er. Dem Verein ginge es um die Erinnerung an die ermordeten jüdischen Mitbürger, die nicht verloren gehen dürfe.